Analytik NEWS
Das Online-Labormagazin
25.06.2024

04.03.2024

Auszeichnung für die Forschung zu Planetaren Grenzen

Teilen:


Johan Rockström wird mit dem Tyler Prize for Environmental Achievement 2024 ausgezeichnet, einem renommierten Preis für wissenschaftliche Leistungen, der oft als "Nobelpreis für Umwelt" bezeichnet wird.

Der wissenschaftliche Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) erhält die Auszeichnung für seine bahnbrechende Forschung zu den Planetaren Grenzen, die einen sicheren Handlungsraum für die Menschheit auf der Erde definieren, der eine Grundlage für menschliche Gerechtigkeit bietet.

"Die Arbeit von Professor Rockström verkörpert den Geist des Tyler-Preises", so die Vorsitzende des Tyler-Preises, Julia Marton-Lefèvre. "Er hat die wesentlichen ökologischen Grenzen aufgezeigt, innerhalb derer sich die Menschheit bewegen muss, um eine nachhaltige Zukunft zu gewährleisten. Seine wissenschaftlichen Leistungen, gepaart mit seiner Fähigkeit, die Politik zu beeinflussen und mit der breiten Öffentlichkeit in den Austausch zu treten, haben einen unschätzbaren Beitrag zum Wohlergehen unseres Planeten geleistet."

Das Exekutivkomitee des Tyler-Preises verleiht Rockström den mit 250.000 US-Dollar dotierten Preis für seinen "wissenschaftsbasierten Ansatz einer nachhaltigen Entwicklung für die Menschheit auf einem stabilen und widerstandsfähigen Planeten". Das Komitee unterstreicht damit die Notwendigkeit eines ganzheitlichen, interdisziplinären Ansatzes zur Bewältigung der zunehmenden ökologischen Krisen.

Ottmar Edenhofer, wissenschaftlicher Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), fügt hinzu: "Ich freue mich sehr, dass Johan Rockström diese herausragende Auszeichnung als Anerkennung für seine wichtige Arbeit zu den Planetaren Grenzen erhält. Die Planetaren Grenzen und das Konzept der Globalen Gemeingüter ergänzen sich und verbinden die Forschung zu Risiken und zu Lösungen, von der lokalen bis zur globalen Ebene. Gemeinsam bilden sie den konzeptionellen Rahmen unserer wissenschaftlichen Arbeit am Potsdam-Institut."

Ein sicherer Handlungsraum für die Menschheit innerhalb der Planetaren Grenzen

Johan Rockström ist einer der meistzitierten Forscher der Welt. Sein 2009 erstmals veröffentlichtes Konzept der Planetaren Grenzen definiert die Grenzen, innerhalb derer sich die Menschheit in einer natürlichen Welt sicher entwickeln kann. Es beschreibt die neun Systeme, die das Funktionieren und den Zustand des Planeten bestimmen.

Sie dienen der Lebenserhaltung des Menschen und umfassen die biophysikalischen Systeme und Prozesse, auf die wir alle angewiesen sind, wie sauberes Wasser, ein stabiles Klima und eine lebendige Artenvielfalt. Dieser Rahmen hat wesentlich zur Gestaltung der öffentlichen Reaktion auf den Klimawandel und die nachhaltige Entwicklung beigetragen, einschließlich der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.

Die Menschheit befindet sich bei sechs der neun planetaren Grenzen "weit außerhalb des sicheren Handlungsraums", so die jüngste Aktualisierung der Planetaren Grenzen, die im September 2023 in Science Advances veröffentlicht wurde. "Es ist an der Zeit, dass wir die umfangreichen wissenschaftlichen Beweise dafür anerkennen, dass es dem Patienten Erde nicht gut geht, weil der menschliche Druck auf den Planeten weiter zunimmt und Planetare Grenzen überschritten werden, und es ist dringend erforderlich, dass wir entsprechend handeln. Wir riskieren den gesamten Planeten zu destabilisieren", so Rockström. "Wenn wir zu viele Planetare Grenzen überschreiten, besteht die Gefahr, dass wir Kipppunkte erreichen, die die lebenserhaltenden Systeme der Erde untergraben."

Rockströms Fähigkeit, komplexe wissenschaftliche Sachverhalte auf leicht verständliche Weise zu vermitteln, hat ihn zu einer anerkannten Persönlichkeit des öffentlichen Lebens gemacht. Er ist Mitautor von Büchern wie "Breaking Boundaries: The Science of Our Planet", das auch als Netflix-Dokumentation mit Sir David Attenborough als Sprecher verfilmt wurde, und trat an der Seite von Leonardo DiCaprio im Dokumentarfilm "Before the Flood" auf. Mehrere seiner Online-Vorträge wurden millionenfach aufgerufen und haben dazu beigetragen, den öffentlichen Diskurs über den Schutz unserer Umwelt zu beeinflussen.

Johan Rockström würdigt auch seinen engen Mitarbeiter Will Steffen, australischer Professor für Erdsystemwissenschaften, der 2023 verstorben ist. "Es war wirklich eine gemeinsame und sehr enge Zusammenarbeit", sagt Rockström über das Konzept der Planetaren Grenzen. "Es waren Will Steffen und ich, die die ursprüngliche Theorie und die Methoden zur Definition und Quantifizierung Planetarer Grenzen entwickelt haben." Die Forschung zu den Planetaren Grenzen ist eine internationale Zusammenarbeit, die mehrere Disziplinen der Erdsystemforschung umfasst.

"Es ist mir unmöglich, all den Kollegen zu danken, die in den letzten 15 Jahren zur Weiterentwicklung dieser Forschung beigetragen haben, aber ich möchte insbesondere Katherine Richardson, Professorin für Ozeanographie an der Universität Kopenhagen, erwähnen, die das wissenschaftliche Update 2023 leitete, sowie alle meine Kolleginnen und Kollegen am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und am Stockholm Resilience Centre (SRC) an der Universität Stockholm. Ohne sie hätten wir nicht die Erkenntnisse erlangt, von den wir heute wissen: von der Notwendigkeit, unsere soziale und wirtschaftliche Entwicklung innerhalb des sicheren Handlungsraums auf der Erde zu halten", schließt er.

Der 1973 ins Leben gerufene Tyler Prize for Environmental Achievement würdigt weltweit führende Persönlichkeiten im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Jane Goodall, Michael Mann, Daniel Pauly und Gretchen Daily. Johan Rockström wird den Tyler Prize for Environmental Achievement am 17. Mai 2024 im Rahmen einer Feierstunde in Potsdam erhalten.

» Mehr über den Tyler Prize for Environmental Achievement

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung