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26.09.2022

27.06.2022

Hochauflösende Mikroskope für Ausbildung und Wissenschaft

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Der diesjährige Leibniz-Gründungspreis geht an ein Wissenschaftler-Team des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT). Mit ihrer Geschäftsidee eines modular aufgebauten optischen Baukastens lassen sich leistungsfähige Mikroskope für unterschiedlichste Anwendungen konzipieren und in bildgebende Instrumente zur Untersuchung kleinster Details umsetzen.

Das Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro unterstützt die Gründungsphase aus dem Jenaer Institut in ein eigenständiges Technologie-Start-up.

Effiziente mikroskopische Systeme einfach und mit wenigen Handgriffen maßschneidern - dieses Ziel verfolgt der optische Baukasten openUC2 (You. See. Too). Mit ihrem modularen Konzept, das im Handumdrehen abgestimmt auf die jeweilige Forschungsfrage optische Werkzeuge entstehen lässt, konnten Dr. Benedict Diederich, René Lachmann und Barbora Marsiková vom Leibniz-IPHT die Jury des Leibniz-Gründungspreises der Leibniz-Gemeinschaft überzeugen.

OpenUC2: Mikroskopie-Baukasten für breite Anwendungsvielfalt

Die openUC2-Toolbox vereint verschiedene optische Komponenten zur Bildgebung - von Linsen und LEDs über Spiegel und Filter bis hin zu Objektiven. Forschende in Ausbildung oder Wissenschaft können damit schnell und kostengünstig optische Instrumente zusammenstellen, um kleinste Strukturen mikroskopisch zu analysieren. Die Bildqualität ist dabei mit der von handelsüblichen und oftmals kostenintensiven optischen Lösungen vergleichbar.

Die verschiedenen würfelförmigen Module des vielseitig einsetzbaren Mikroskopie-Baukastens openUC2 lassen sich per 3D-Druck herstellen und mit unterschiedlichen optischen Komponenten ausstatten, was unkomplizierte Erweiterungen und Abwandlungen des Baukastens möglich macht. Mit dem openUC2-System können so einfach und erschwinglich leistungsfähige Mikroskope passgenau für den jeweiligen Untersuchungsgegenstand oder die Anwendung konstruiert werden. Durch die geschickte Kombination der Modulbausteine und durch Hinzufügen optischer Komponenten lassen sich diese in kurzer Zeit zu weiteren bildgebenden Lösungen umrüsten.

Die realisierten mikroskopischen Instrumente sind dabei nicht nur mobil einsetzbar, sondern auch platzsparend und können selbst in kleineren Labor- und Versuchsumgebungen Einsatz finden. In Inkubatoren beispielsweise können mithilfe des openUC2-Systems Langzeitbeobachtungen zur Überwachung der Entwicklung von Zellkulturen in-vitro mikroskopisch verfolgt werden.

Das quelloffene Prinzip des openUC2-Systems stellt eine weitere Besonderheit dar: Bauanleitungen und Dokumentationen für die Realisierung wirkungsvoller bildgebender mikroskopischer Lösungen werden auf der Online-Plattform GitHub veröffentlicht. Sie stehen Anwendern von openUC2 frei zugänglich zur Verfügung. Gleichzeitig unterstützt Nutzerfeedback die Weiteroptimierung der Toolbox.

Ausgründung aus dem Leibniz-IPHT

Die Geschäftsidee des optischen Baukastens openUC2 wird 2022 in einem eigenständigen Technologie-Start-up fortgeführt. Als ersten Schritt wird openUC2 nach seiner Ausgründung aus dem Leibniz-IPHT mit einer Experimentierbox ("miniBOX") auf den Markt gehen, die mit Modulen, wie Linsen, Spiegeln, Objektiven und Probenhaltern, sofort für verschiedene Experimentieraufbauten einsatzbereit und vor allem für Anwendungen im Bereich Bildung geeignet ist.

Damit wird moderne Mikroskopie und Bildgebung auch im schulischen Unterricht für Schüler als auch für Optik-Interessierte experimentell erfahrbar. Die "miniBOX" wird voraussichtlich im vierten Quartal 2022 erhältlich sein. In einem zweiten Schritt ist auf der Basis zusätzlicher optischer Modulbausteine geplant, komplexere Angebote in Form von modularen Hightech-Mikroskopen für die Ausbildung in Laboren und Hochschulen sowie für Forschung und Entwicklung auf den Markt zu bringen.

"Die Auszeichnung mit dem Leibniz-Gründungspreis bietet uns die einmalige Chance, unsere Idee eines modularen Mikroskopie-Baukastens, mit dem jede Anwenderin und jeder Anwender sich ein eigenes bildgebendes Instrument individuell konstruieren kann, zu verwirklichen und in nutzerfreundliche Instrumente umzusetzen, was eine schöne Bestätigung unserer bisherigen Arbeit ist.

Damit eröffnen wir einem breiten Publikum einen einfachen Zugang zur Welt der Optik und Mikroskopie", erklärt Gründer René Lachmann, der zusammen mit Barbora Marsiková und Dr. Benedict Diederich aus der Abteilung Mikroskopie am Leibniz-IPHT die openUC2-Geschäftsidee entwickelte.

Über den Leibniz-Gründungspreis

Mit dem Gründungspreis der Leibniz-Gemeinschaft werden Ausgründungsvorhaben aus Leibniz-Instituten in der Vorbereitungs- bzw. Start-up-Phase unterstützt. Das Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro ist zweckgebunden und kann für Unterstützungsleistungen bei der Überprüfung und praktischen Umsetzung der Unternehmenskonzepte, insbesondere für Herausforderungen wie Markteintritt, Einwerbung einer Finanzierung oder Entwicklung von Marketing- und Vertriebskonzepten eingesetzt werden. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine mit internen und externen Mitgliedern besetzte Preis-Jury der Leibniz-Gemeinschaft. Weitere Informationen zum Leibniz-Gründungspreis.

Den ersten Platz teilt sich in diesem Jahr das openUC2-Team vom Leibniz-IPHT mit der PROSION GmbH, einer Ausgründung des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie für ihre Arbeit an Molekülbausteinen für die pharmazeutische Wirkstoffentwicklung.

Quelle: Leibniz-Institut für Photonische Technologien (IPHT)