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05.10.2022

25.08.2022

Schwarzer Holunder - ein zauberhafter Heiler

Prof. Wolfgang Hasenpusch , CLB Chemie in Labor und Biotechnik

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"Vor dem Holder soll man den Hut ziehen", so heißt es im Volksmund ehrfürchtig. Der Schwarze Holunder ist eine der ältesten und wertvollsten Heilpflanzen in unseren Breitengraden.

Im Zuge des wiederentdeckten natürlichen Gesundheitsbewusstseins hat er in den letzten Jahren enormen Auftrieb erhalten. Die kraftvollen Inhaltsstoffe der Anthocyane und cyanogenen Glycoside umgibt eine magische Wirkung.

Das einheimische und sehr gut winterharte Gehölz wächst in Gärten, Waldrändern und Parkanlagen - besonders während der Blütezeit ein wahrer Augen- und Duftschmaus.

Uralter Wissensschatz bekundet dem Saft der schwarzen Holunder-Beeren zahlreiche Heilanwendungen, die sich bis heute bewähren. Aber auch das Holunder-Holz und das Holunder-Mark finden interessante Anwendungen.

Von Mai bis in den Juli hinein erscheinen am jungen Holz bis zu 30 Zentimeter große, flache Schirmrispen aus vielen Einzelblüten. Ihr frischer, fruchtiger Duft ist unverwechselbar und typisch für den Holunder. Zerreibt man ein Blatt zwischen den Fingern, riecht es auch leicht nach dem Duft der Blüten.

Holunder blüten und -beeren
Holunderblüten und -beeren
Holunderbeeren und ihre Inhaltsstoffe

Im August und September beginnen die anfangs roten, später schwarzen Vitamin-C- und Kalium reichen, ungefähr sechs Millimeter großen "Beeren", die Botaniker Steinfrüchte nennen, zu reifen. Sie besitzen einen burgunderroten Saft, der sich aus Textilien nur schwer auswaschen lässt. Jede schwarze Steinfrucht enthält drei Samen.

Während der Fruchtreife färben sich auch die Stiele, an denen sie sitzen, rötlich. Die Beeren sind nach dem Abkochen oder Vergären essbar. Hauptsächlich verbreiten Vögel die Holunderpflanzen, indem sie die Früchte konsumieren und die Kerne in vermehrungsfähiger Form ausscheiden. Aber auch Säugetiere und der Mensch tragen zur Verbreitung bei.

Da die Beeren des Holunders durch das enthaltene cyanogene Glykosid "Sambunigrin" schwach giftig sind, kann es in manchen Fällen nach Verzehr einer größeren Menge von rohen Beeren beim Menschen zu Übelkeit bis hin zu Erbrechen kommen. Die Beeren müssen daher vor der Verarbeitung zu Gelee, Mus, Saft oder Obstwein erhitzt werden.

Das Sambunigrin, das am Nitril L-konfigurierte Stereoisomer, dessen Name sich von der lateinischen Bezeichnung des Schwarzen Holunders "Sambucus nigra" ableitet, ist in den Blättern, den unreifen Beeren sowie den Samen der reifen Beeren enthalten. Mit rationaler Bezeichnung lautet das Sambunigrin mit seiner Cyanhydrin Struktur: L-Mandelonitril-β-D-glucopyranosid. Das zuckerfreie Molekül, das sogenannte Aglycon, heißt Mandelonitril, Mandelsäurenitril, 2-Hydroxy-2-phenylacetonitril oder auch α-Hydroxybenzolacetonitril.


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