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18.06.2021

20.05.2021

Die unheimliche Benzoesäure - Duft- und Desinfektionsmittel mit bedenklichem Charakter

Dr. Wolfgang Hasenpusch , CLB Chemie in Labor und Biotechnik



Benzoesäure, ihre Salze, die Benzoate sowie die wohlriechenden Ester nutzten schon die Ägypter und Araber vor einigen tausend Jahren durch die Verwendung des Harzes der Benzoe-Bäume in Balsamierungsmitteln, Parfüms und Räucherwerk.

Heute dienen die Benzoesäure-Verbindungen noch vielen weiteren Zwecken: als Biozid, Weichmacher, zur Konservierung, ja sogar als Futtermittel-Zusatz in der Schweine-Mast. Aber Benzoesäure kann auch als Allergen wirken und in das krebserzeugende Benzol zerfallen. Hinreichende Gründe, sich mit dieser Verbindung und seinen Derivaten näher zu befassen.

Aus alter Tradition

Das Verräuchern von Baumharzen diente schon seit Jahrtausenden sakralen, zeremoniellen, heilenden oder ritualen Zwecken. Für Millionen von Menschen bestimmt das Räuchern noch heute in Indien, Tibet, China und Japan wie schon in Urzeiten das tägliche Gesellschafts- und Zeremonie-Leben. Der Name "Benzoesäure" entstammt aus ihrem einstigen Ausgangsmaterial, dem Benzoeharz des Benzoe-Baumes. Er ist malaysischen Ursprungs und hieß ursprünglich übersetzt "Weihrauch von Java".

Kaufleute verbrachten das Harz zunächst in den Mittelmeerraum. Aus der Benennung "belzui" bildete sich schließlich das Wort "benzoe" heraus. 1556 beobachtete Michel de Nostredame, genannt "Nostradamus", (1503-1566) die ausgeprägten farblosen Benzoesäure-Kristalle, die er aus dem Harz des Benzoe-Baumes durch Sublimation freisetzte. Noch 1832, als Eilhard Mitscherlich (1794-1863) die nadeligen Kristalle der Benzoesäure isolierte, kannte man die Zusammensetzung dieser Verbindung noch nicht.

Aber noch im gleichen Jahr ermittelten Justus von Liebig (1803-1873) und Friedrich Wöhler (1800-1882) die chemische Zusammensetzung und Struktur. Ihre berühmte Arbeit von 1832 mit dem Titel "Untersuchungen über das Radikal der Benzoesäure" verwies auf die Möglichkeiten organischer Reaktionen. Die Schrift wurde zu einer Grundlage der organischen Synthese. Heute lassen sich die Kristalle der Benzoesäure im polarisiertem Licht besonders plastisch darstellen.

Die konservierende Wirkung der Benzoesäure entdeckte H. Fleck 1875 auf der Suche nach einer Alternative zur Salizylsäure (2-Hydroxybenzoesäure). Aber die Benzoesäure ließ sich erst nach ihrer Synthese um 1900 in die Lebensmittelkonservierung einführen. Seitdem findet sie vor allem wegen des niedrigen Preises weltweiten Einsatz. Erst in jüngster Zeit machen sich nach Bekanntwerden toxikologisch bedenklicher Eigenschaften gewisse Einschränkungen bemerkbar.


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