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Analytik NEWS
29.05.2026

22.05.2026

Wenn Nichtstun der Artenvielfalt dient


bienenfreundlicher Garten
Foto: privat
Über Regenwälder, schmelzende Polkappen oder bedrohte Tierarten wird im Zusammenhang mit Arten- und Klimaschutz häufig gesprochen. Dabei beginnt Naturschutz schon direkt vor der eigenen Haustür - im Garten oder Grünstreifen an der Straße. Sie können einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leisten, denn sie sind weit mehr als reine Dekorationsflächen. Sie bieten Lebensraum, Nahrung und Rückzugsorte für zahlreiche Tiere und Pflanzen.

Gemeint sind natürlich nicht die versiegelten Bereiche im öffentlichen Raum, durch die es höchstens "Ritzenrebellen" schaffen. Auch nicht sogenannte "Gärten des Grauens", die immer noch im Trend liegen: Stark versiegelte oder mit Schotter und Kies bedeckte Vorgärten, in denen einzelne Ziergehölze oder -gräser zwischen großen Steinflächen nur eine Nebenrolle spielen.

Was ordentlich und modern erscheinen mag, hat nämlich erhebliche ökologische Nachteile. Insekten finden dort weder Nahrung noch Lebensräume, Regenwasser kann schlechter versickern und im Sommer heizen sich die Flächen massiv auf. Besonders in dicht bebauten Wohngebieten entstehen dadurch regelrechte Hitzeinseln und für Wildbienen, Schmetterlinge oder Käfer sind solche Vorgärten absolut wertlos.

Dabei könnten auch kleine Flächen einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Passend dazu installierte der chinesische Künstler Song Dong bereits im Jahr 2012 auf der dOCUMENTA (13) in Kassel seinen "Doing Nothing Garden". Vor der Orangerie entstand damals ein großer Hügel aus Schutt, organischen Abfällen, Erde und wild wachsenden Pflanzen das sich der gepflegten Symmetrie der barocken Parkanlage widersetzte; bewusst unperfekt und sich selbst überlassen. Das Werk verstand Garten nicht als streng kontrollierten Raum, sondern als Ort, an dem Natur entstehen darf: weniger Kontrolle, weniger Ordnung, dafür mehr Leben.

Naturnahe Gärten müssen aber nicht zwingend chaotisch aussehen. Heimische Pflanzen, blühende Stauden, Kräuter und kleine wilde Ecken können auch akkurat und sortiert angelegt werden, wenn es dem Gärtnerherz besser gefällt, und schaffen damit attraktive und gleichzeitig insektenfreundliche Gärten. Schon wenige Quadratmeter mit insektenfreundlichen Pflanzen können Nahrung für zahlreiche Bestäuber bieten.

Während exotische Zierpflanzen oft kaum Nutzen für heimische Tiere haben, sind Wildblumen und regionale Pflanzenarten perfekt an die Bedürfnisse unserer Insekten angepasst. Auch eine Blumenwiese oder bewusst ungemähte Bereiche statt englischem Rasen helfen vielen Insektenarten und bringen zusätzlich mehr Farbe und Lebendigkeit in den Garten.

Darüber hinaus leisten naturnahe Gärten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Pflanzen speichern Wasser, verbessern die Luftqualität und sorgen an heißen Sommertagen für Kühlung. Gerade in Städten wird jedes Stück Grün zunehmend wertvoll. Um an die Bedeutung der Artenvielfalt für den Klimaschutz zu erinnern, wurde der 22. Mai zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt bestimmt. Die UN-Generalversammlung legte dieses Datum fest, da im Jahr 1992 an diesem Tag der Text des internationalen Übereinkommens "Schutz der biologischen Vielfalt" offiziell in der Schlussakte der Konferenz von Nairobi durch die unterzeichnenden Staaten angenommen wurde.

Es geht beim Internationalen Tag der biologischen Vielfalt aber nicht nur um große politische Ziele oder entfernte Naturschutzgebiete. Es geht auch darum, wie wir unsere unmittelbare Umgebung gestalten und welchen Platz wir der Natur darin noch geben. Helmut Sihler, ehemaliger Industriemanager und Honorarprofessor für Marketing und Unternehmensführung an der Universität Münster, wird passend dazu mit den Worten zitiert:

Umweltschutz ist eine Chance und keine Last, die wir tragen.
Helmut Sihler (*1930)

Jeder Vorgarten und jeder noch so schmale Grünstreifen kann Teil der Lösung sein. Vielleicht braucht es dafür manchmal etwas weniger Ordnung, weniger Steine, mehr Mut zur Natur oder auch Widerstandskraft gegen den Nachbarn, der ein anderes Verständnis von Gartenpflege hat. Doch genau darin liegt die Chance: Artenvielfalt beginnt dort, wo wieder Leben wachsen darf.

» Abschlusserklärung der Nairobi Conference PDF

» Mehr zum "Doing Nothin Garden" von Song Dong youtube

Autor:  

Anke Fähnrich

Anke Fähnrich

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