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23.02.2026

22.05.2025

Krautschau - auf Schatzsuche im Asphalt


Löwenzahn im Straßenpflaster
Bild: pixabay [CCO]
Biodiversität - ein Schlagwort, über das man immer häufiger stolpert. Meist im Zusammenhang mit Verlust. Um auf den zunehmenden und immer schneller voranschreitenden Verlust der Artenvielfalt aufmerksam zu machen, wird am 22. Mai seit 2001 weltweit der Internationale Tag der biologischen Vielfalt begangen.

Dem Datum zugrunde liegt der 22. Mai 1992, an dem der Text der Convention on Biological Diversity (CBD) von den UN offiziell angenommen wurde. Die Ziele der Konvention sind neben der Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der Vorteile, die sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergeben.

Doch welche Bedeutung hat die Artenvielfalt für unser tägliches Leben? Artenvielfalt ist kein Selbstzweck. Ohne sie steht die weltweite Ernährungssicherheit auf dem Spiel. Vielfalt auf dem Acker sichert nicht nur die Erträge, sondern auch die Widerstandskraft gegen Schädlinge, Krankheiten und Klimaveränderungen.

Auch die Vielfalt der Insekten ist unverzichtbar für unsere Ernährung. Bienen, Schwebfliegen oder Käfer übernehmen 75 Prozent der Bestäubung von Nutzpflanzen weltweit. Ohne sie wären viele unserer Lebensmittel - von Obst bis zu Nüssen - nicht verfügbar.

Die biologische Vielfalt von Pflanzen und Insekten ist nachhaltig bedroht. Große Konzerne dominieren die Saatgut-Entwicklung und -Verteilung. Wir brauchen immer mehr Nutzflächen für Wohnraum, Straßen und Landwirtschaft. So bleibt kaum noch Platz für natürliche Lebensräume. Die verbliebenen Ökosysteme werden durch Schadstoffe aus Industrie, Verkehr und Landwirtschaft belastet. Täglich verschwinden Pflanzen- und Tierarten unwiederbringlich von unserem Planeten.

Das Projekt Krautschau, das jedes Jahr um den Internationalen Tag der biologischen Vielfalt herum stattfindet, will die Bewusstseinsbildung für den Erhalt der Artenvielfalt stärken und die Aufmerksamkeit auf die sogenannten Ritzenrebellen lenken, die sich standhaft gegen die Versiegelung des Bodens stemmen und dabei genauso vehement sind wie das bekannte Dorf in Gallien in der Zeit 50 v.Chr.

Löwenzahn, Mauerraute und Co., oft als Unkraut verpönt und bekämpft, ertragen Tritt- und Fahrbelastung in der Stadt, Hitze und Verschmutzung. Sie sind wertvolle Mikro-Ökosysteme für Stadt-Insekten und liefern Pollen und Nektar, wo es sonst nur Asphalt und Beton gibt. Aber auch für die menschlichen Stadtbewohner haben sie einen Mehrwert: Die grünen Fugen nehmen Oberflächenwasser besser auf und tragen zu Abkühlung der gepflasterten Flächen bei.

Mittlerweile bekommen diese "unbesiegbaren" Wildkräuter ihren Raum in den Innenstädten. Man sieht immer mehr Blühstreifen auf Verkehrsinseln oder am Straßenrand, in denen es summt und brummt. Ein kleiner Schritt Richtung mehr Biodiversität, aber ein wichtiger Anfang.

Haben wir eine größere Aufgabe, als die Schöpfung zu bewahren und damit die Nachwelt zu schützen? Ich kenne keine.
Richard von Weizsäcker (1920-2015)
wird der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker zitiert und ich muss ihm uneingeschränkt zustimmen. Wir haben alle die Möglichkeit, im Kleinen ein Stück dazu beizutragen: Bestücken Sie doch auf Ihrem Balkon einen Blumenkasten mit Blühkräutern oder überlassen Sie in Ihrem Garten ein Stück des englischen Rasens einfach mal sich selbst. Wildkräuter wie Gänseblümchen, Vogelmiere oder Wegerich bieten Pollen, Nektar und Schutz für eine Vielzahl von Insekten - gerade in Städten, wo naturnahe Flächen rar sind.

» Internationaler Tag der biologischen Vielfalt

» Informationen zur Krautschau

» Mit Bioviversität gegen den Welthunger

Autor:  

Anke Fähnrich

Anke Fähnrich


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