24.07.2026
Klaus-Grohe-Preis 2026 erstmals an zwei Forscher
Der Klaus-Grohe-Preis 2026 geht an Professor Dr. Edward Tate, Imperial College London, Vereinigtes Königreich, und Professor Dr. Nicolas Winssinger, Universität Genf, Schweiz. Erstmals teilen sich zwei Preisträger die Auszeichnung, und erstmals ist sie mit 75.000 Euro dotiert - damit zählt der Klaus-Grohe-Preis zu den höchstdotierten Preisen für medizinische Chemie in Europa. Vergeben wird er von der Klaus-Grohe-Stiftung, die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelt ist.
Die Preisverleihung findet am 6. September 2026 im Rahmen der Tagung EFMC Medicinal Chemistry 2026 in Basel, Schweiz, statt. Auf derselben Veranstaltung wird am 9. September 2026 zudem der Klaus-Grohe-Förderpreis 2026 an Dr. Sebastian Pomplun, Universität Leiden, Niederlande, verliehen.
Edward Tate prägte die chemische Biologie der Proteinlipidierung - also die Frage, wie Zellen Fettmoleküle an Proteine anheften. Dieser Vorgang steuert tausende Proteine, blieb aber lange unerforscht, weil die passenden Werkzeuge fehlten. Tates Labor erfand sie: bioorthogonale Sonden, die Zellprozesse nicht stören und heute als Goldstandard gelten. Weltweit sind sie im Einsatz.
Aus der Grundlagenforschung wurden Therapien, die etwa die Vermehrung von Viren blockieren oder Tumorzellen angreifen. Tate ist zudem Mitgründer des Unternehmens Myricx Bio, das über 120 Millionen Dollar einsammelte. Es entwickelt Hemmstoffe des Enzyms N-Myristoyltransferase, das Krebszellen am Leben hält. Diese stecken in zielgenauen Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten für die Krebstherapie und sollen bald in erste klinische Studien gehen.
Nicolas Winssinger nutzt Nukleinsäuren (die Bausteine des Erbmoleküls) auf ungewöhnliche Weise. Sonst tragen sie nur Erbinformation, bei ihm aber steuern sie chemische Reaktionen und den Aufbau von Molekülen. So entstehen molekulare Schaltkreise mit molekularer Logik, die wie Sensoren auf Signale im Körper reagieren und daraufhin etwa einen Wirkstoff freisetzen.
Das eröffnet Wege für "intelligente" Medikamente und Diagnostik. Sein jüngster Erfolg ist ein programmierbares Antikoagulans (Mittel gegen Blutgerinnung), dessen Wirkung sich gezielt an- und abschalten lässt. Gerade für sicherheitskritische Therapien ist das wertvoll. Es stellt eine völlig neue Art von Behandlung dar.
Quelle: Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)
