Header
Das Online-Labormagazin
24.09.2021

14.02.2013

Das Internet als Hilfsmittel bei der Karriereplanung: Tipps und Fallstricke

Dr. Torsten Beyer , Dr. Beyer Internet-Beratung

Teilen:


Heutzutage eröffnet das Internet ganz neue Perspektiven bei der Stellensuche. Blieb noch vor 10-15 Jahren ausschließlich das Studium von Tageszeitungen, die Blindbewerbung oder das Ausspielen persönlicher Beziehungen, so stehen Absolventen und Wechselwilligen heute zahlreiche weitere Hilfsmittel zur Verfügung wie beispielsweise Online-Stellenmärkte, Firmen-/Behörden-Webseiten, Soziale Netzwerke oder die Erstellung einer eigenen Bewerbungshomepage. Der folgende Beitrag zeigt die aktuellen Möglichkeiten auf, gibt Tipps zur richtigen Anwendung der unterschiedlichen Dienste und beleuchtet auch die Probleme, die bei der Nutzung von Online-Portalen und sozialen Netzwerken entstehen können.

Wer sich heute nach einem Job umsieht, hat eher zu viele als zu wenige Optionen bei der Suche im Internet. Nahezu jedes Unternehmen und jede Behörde hat inzwischen eine eigene Internetseite und veröffentlicht in der Regel dort und/oder in einem der zahlreichen Online-Stellenmärkte seine offenen Positionen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Dienstleister, die selbst keinen eigenen Stellenmarkt betreiben, sondern andere Jobbörsen oder Firmenseiten abgrasen und auf ihren zumeist werbefinanzierten Seiten teils umfangreiche Suchmöglichkeiten in diesem Datenpool bieten. Und es gibt auch immer noch eine nicht unerhebliche Zahl von Unternehmen, die ausschließlich Printmedien für Inserate nutzen oder direkt Personaldienstleister mit der Besetzung ihrer offenen Stellen beauftragen. Das alles macht ein strukturiertes Vorgehen schwierig.

Am einfachsten haben es natürlich Bewerber, die schon konkret wissen, bei welchen Unternehmen sie sich bewerben möchten. Sie können sich in der Regel direkt auf den betreffenden Webseiten über offene Positionen oder die Kontaktdaten der Ansprechpartner in der Personalabteilung informieren.

Aber in der Regel läuft die Suche nach einem anderen Muster ab. Ein promovierter Chemiker möchte sich beispielsweise über alle offenen Positionen in seinem Bundesland oder im Umkreis von 50 Kilometern um seinen Wohnort informieren. Er wird aber kaum alle relevanten Arbeitgeber kennen und wenn doch, will er sicher nicht Hunderte Webseiten regelmäßig besuchen und schauen, ob dort aktuell eine Vakanz besteht, die seinen Fähigkeiten und Interessen entspricht. Auch der Einsatz irgendwelcher Überwachungstools ist zu aufwändig und Mail-Benachrichtigungen über neue Stellen bieten nur die wenigsten Arbeitgeber direkt an. Also braucht man geeignete Hilfsmittel.

Klassische Suchmaschinen (Google, Bing etc.)

Der naheliegende Ansatz wäre, eine solche Recherche mit einer der klassischen Suchmaschinen wie Google oder Bing durchzuführen. Das hat aber mehrere Pferdefüße:

  1. Stellenanzeigen sind oft nur Tage oder wenige Wochen online, es dauert aber eine gewisse Zeit, bis Suchmaschinen neue Inhalte finden und indexieren.
  2. Stellenanzeigen sind insbesondere bei Großunternehmen oft in Datenbanken mit komplexen Suchformularen gespeichert. Suchmaschinen können solche Seiten oft nicht indexieren oder werden bewusst von den Unternehmen ausgesperrt.
  3. Neben den Original-Stellenanzeigen findet man teilweise Kopien davon in den zahlreichen Jobaggregatoren, von denen später noch die Rede sein wird.
  4. Eine regionale Eingrenzung wie im obigen Beispiel ist mit allgemeinen Suchmaschinen nicht möglich.

Als Konsequenz findet man auf diesem Wege relevante Anzeigen entweder zeitverzögert nach ihrer Veröffentlichung oder gar nicht bzw. man verschwendet viel Zeit beim Auswerten der umfangreichen Trefferlisten. Eine Recherche nach den drei Suchbegriffen "stellenangebot chemiker köln" liefert beispielsweise 278.000 Treffer, wobei es sich bei den ersten 15 Treffern gar nicht um konkrete Angebote handelt, sondern nur um suchmaschinenoptimierte Seiten in Job-Aggregatoren, die teilweise gar nicht zu aktuellen Anzeigen führen. Daher ist das Auswerten solcher Trefferlisten sehr mühsam und teilweise auch frustrierend.

Dieser Weg ist daher weitgehend ungeeignet zur schnellen Recherche nach aktuellen Jobangeboten. Er hilft höchstens beim Sammeln von Informationen über potentielle Arbeitgeber oder Finden geeigneter Stellenmärkte und Jobsuchmaschinen, mit denen wir uns im Folgenden näher beschäftigen wollen.

Generalisten
Abbildung 1: "Generalisten"
Online-Jobbörsen: "Generalisten"

In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Online-Stellenmärkte etabliert und Printmedien stark in den Hintergrund gedrängt. Zu nennen sind hier beispielsweise Jobware (1), Monster (2), Stepstone (3), stellenanzeigen.de (4) und JobScout24 (5). Eine Sonderstellung nimmt der Stellenmarkt der Bundesagentur für Arbeit (6) ein, der gleichzeitig der größte ist. Hier sind das Inserieren offener Positionen und der Zugriff von Unternehmen auf Bewerberprofile im Gegensatz zu den erstgenannten Jobbörsen kostenlos.

Gemeinsam ist allen erwähnten Seiten, dass Interessenten hier Zugriff auf aktuelle Stellenangebote aus allen Branchen haben, daher der Ausdruck "Generalisten". Folgende Punkte sind hier zu beachten:

  1. Die Anzeigen in diesen Stellenmärkten sind tagesaktuell. Es gibt in der Regel viele Möglichkeiten, die Trefferlisten fachlich oder regional einzugrenzen. Oft sind auch kostenlose E-Mail-Benachrichtigungen über passende Anzeigen oder das kostenlose Veröffentlichen des eigenen Qualifikationsprofils möglich.
  2. Unternehmen veröffentlichen ihre Anzeigen in der Regel nur in einem der genannten Online-Stellenmärkte.
  3. Da die Preise für Inserate mit Ausnahme der Webseite der Arbeitsagentur relativ hoch sind, sind hier in der Regel nur Anzeigen größerer Unternehmen und kaum Anzeigen von Behörden, Forschungseinrichtungen und Universitäten zugänglich.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die "Generalisten" schon weitaus hilfreicher sind als die allgemeinen Suchmaschinen. Allerdings wird man auch hier nicht alle aktuell offenen Positionen finden und sollte mehrere Seiten beobachten, da Unternehmen in der Regel nur in einem Stellenmarkt inserieren. Es ist auch wichtig darauf zu achten, wo man überall persönliche Daten hinterlegt und diese löschen, sobald ein neuer Job gefunden ist und man aktuell nicht mehr auf der Suche ist. Viele Nutzer lassen die Profile aber dennoch aktiviert und hoffen vielleicht auf ein besseres Angebot. Das ist dann manchmal ärgerlich für Unternehmen, die den Zugang auf die Kontaktdaten potentieller Kandidaten bei einer Suchmaschine kaufen und dann viele Absagen erhalten.

Spezialisten
Abbildung 2: "Spezialisten"
Online-Jobbörsen: "Spezialisten"

Neben den bisher genannten "Generalisten", die alle Branchen und damit natürlich auch die Naturwissenschaften abdecken, existieren zahlreiche weitere kleinere Portale, die sich auf spezielle Zielgruppen oder Branchen fokussieren. Beispielsweise sind auf der Seite DrArbeit.de (7) aktuell über 170 Stellen für Diplom- und Doktorarbeiten aus den Fachbereichen Chemie und Biologie aufgelistet. Die Seiten academics.de (8) und akademiker-online (9) richten sich gezielt an Hochschulabsolventen. Auch die Bundesbehörden bieten einen zentralen Zugang zu allen ihren offenen Positionen im öffentlichen Dienst (10). Wer bei einer Landesbehörde arbeiten will (beispielsweise einem Untersuchungsamt), der sollte sich auf der Webseite des entsprechenden Bundeslandes nach einem Stellenmarkt umsehen. Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaft (11) listen alle offenen Positionen in ihren zahlreichen Instituten zentral in einem gemeinsamen Stellenmarkt auf. Und Universitäten und Fachhochschulen haben in der Regel auch einen zentralen Stellenmarkt auf Ihrer Homepage.

Letztlich sollten sich Interessenten die für sie relevanten speziellen Stellenmärkte ansehen und ggf. auch hier wieder die E-Mail-Benachrichtigungen oder Newsletter nutzen, sofern vorhanden. Auch die Veröffentlichung des eigenen Profils kann sinnvoll sein, ist aber nur teilweise möglich.

Oft findet man bei den "Spezialisten" offene Positionen, die nicht bei vorher erwähnten großen Stellenmärkten geschaltet werden, da hier geringere oder sogar keine Kosten für die Arbeitgeber entstehen. Und da sich auf solchen Seiten eher nur fachliche Insider tummeln, ist die Qualität von Bewerbungen für die ausschreibenden Unternehmen oft sogar besser als bei den "Generalisten". Da die meisten Unternehmen gar nicht alle für sie relevanten Stellenbörsen kennen, gibt es spezielle Dienstleister wie beispielsweise 1000jobbörsen.de (12), die das Inserieren übernehmen. Auf der Webseite gibt es auch eine Zusammenstellung von mehr als 1.400 Nischenstellenmärken, sortiert nach Branchen. Davon sind immerhin 160 aus dem Bereich der Natur- und Lebenswissenschaften.

Analytik NEWS Stellenmarkt

Ein Beispiel für einen branchenspezifischen Stellenmarkt für Laborberufe finden Interessenten auf der Webseite des Online-Labormagazins von Analytik NEWS (13). Dort stehen tagesaktuelle Angebote für Naturwissenschaftler, Ingenieure, Laboranten, Technische Assistenten sowie Praktika und Post-Doc-Stellen im deutschsprachigen Raum zur Verfügung, die über eine Auswahlbox bequem selektiert werden können. Weiterhin kann der Stellenpool mit wenigen Mausklicks nach Postleitzahlengebiet, Land, Arbeitszeit oder Befristung eingeschränkt werden. Auch das eigene Qualifikationsprofil kann kostenlos hinterlegt werden. Interessierte Unternehmen können Stellensuchende kostenlos über ein Formular kontaktieren, sehen aber nicht dessen persönliche Daten. So bleibt die Anonymität der Bewerber immer gewährleistet. Darüber hinaus werden alle Neueinträge einmal wöchentlich kostenlos per E-Mail an über 3.600 Interessenten verschickt und auch auf den Seiten von Analytik NEWS in den sozialen Netzwerken Twitter, Facebook und Google+ veröffentlicht. Und unter dem Link "Karrieretipps" stehen eine umfangreiche Liste weiterer spezieller Stellenmärkte für Naturwissenschaftler sowie viele weitere nützliche Informationen rund um die Stellensuche im Internet zur Verfügung.

Job-Suchmaschinen

Neben den bisher vorgestellten Quellen sind in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Jobaggregatoren und -suchmaschinen entstanden, über deren Webseiten man mehrere Online-Stellenmärkte oder sogar Firmen-Webseiten simultan abfragen kann. Gemeinsam ist diesen Diensten, dass sie in der Regel werbefinanziert sind und gar keinen eigenen Stellenmarkt besitzen. Die Suchoptionen sind auch sehr unterschiedlich, aber besser als bei den anfänglich beschriebenen Suchmaschinen wie Google und Bing. Allerdings ist hier auch der Wildwuchs enorm, da man auf solchen Seiten teilweise auch noch Stellenangebote finden wird, die gar nicht mehr aktuell sind. Daher ist es generell ratsam, immer auch auf der Webseite des ausschreibenden Unternehmens nach der Stellenanzeige zu suchen, denn es ist sehr ärgerlich, wenn man viel Zeit in eine Bewerbung investiert und die Stelle schon längst besetzt wurde.

Typische Beispiele sind JobWorld (14), cesar (15), Jobrapido (16), Indeed (17), Joboter (18), iCjobs (19), Kimeta (20) oder jooble (21), wobei die Liste rein subjektiv ist und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Wer sich näher mit diesen Diensten beschäftigt, wird viele Überschneidungen bei den eingeschlossenen Stellenbörsen feststellen. Eine Auswahl der abgefragten Stellenmärkte ist in der Regel nicht möglich, sodass man viele Anzeigen mehrfach finden wird. Eine Empfehlung ist hier nur schwer möglich, da natürlich jeder Anbieter behauptet, der beste zu sein. Interessenten sollten sich selbst ein Bild machen und die Angebote testen. Letztlich machen diese Seiten Sinn für Stellensuchende mit eher ausgefallenerem Qualifikationsprofil oder solchen, die bei den weiter oben vorgestellten Stellenmärkten nicht fündig geworden sind. Oft besteht auch wieder die Möglichkeit, sich kostenlos per E-Mail über neue Einträge zu selbst festgelegten Suchkriterien informieren zu lassen. Teilweise muss man sich dafür aber auch bei dem Portal registrieren und es können relativ viele Daten dabei abgefragt werden. Das Portal Kimeta fragt beispielsweise nur nach einer Mailadresse und nicht wie andere nach der kompletten Postanschrift. Letztlich muss jeder Nutzer selbst entscheiden, welche persönlichen Daten er preisgeben will.

Soziale Medien

Weiter oben wurde ja schon an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, das eigene Qualifikationsprofil bei ausgewählten Stellenmärkten und Jobsuchmaschinen zu hinterlegen. Das hat den Vorteil, dass die Daten anonym abgelegt werden können und man somit immer die Kontrolle darüber hat.

Soziale Medien
Abbildung 3: Soziale Medien
Wer auf die Idee kommt, sein Qualifikationsprofil direkt breiter zu streuen, dem kommen natürlich soziale Medien wie Facebook (22), XING (23) oder LinkedIn (24) oder vielleicht sogar eine eigene Homepage in den Sinn. Facebook hat weltweit über eine Milliarde Mitglieder (davon 25 Millionen in Deutschland) und selbst die beiden Business-Netzwerke LinkedIn mit 200 Millionen Mitgliedern weltweit (davon 3 Millionen im deutschsprachigen Raum) und XING mit 6 Millionen Mitgliedern in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben heute eine sehr weite Verbreitung auch in Fachkreisen gefunden. Es verwundet daher nicht, dass sich dort viele Headhunter und Personalvermittler tummeln und Stellenanzeigen ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells dieser Netzwerke sind. Bei Arbeitgebern sind Profile von Mitarbeitern in diesen Netzwerken alles andere als beliebt, manche verbieten sogar die Nennung des Firmennamens dort.

Stellensuchende sollten in sozialen Netzwerken eher vorsichtig agieren, da die Profile ohne entsprechende Sicherheitseinstellungen für jedermann frei zugänglich sind, auch außerhalb der Netzwerke beispielsweise über Google. Viele Arbeitgeber beobachten heute diese Einträge und wenn Sie im XING-Profil eines eigenen Mitarbeiters "Suche neue Herausforderung" lesen, dann kann das zu unangenehmen Rückfragen führen und im Extremfall sogar einen Jobwechsel beschleunigen. Generell sollte man die Daten aktuell halten und auch immer darauf achten, wie die Zugriffsrechte konfiguriert werden können, um jederzeit die Kontrolle über seine eigenen Daten zu haben. Es ist teilweise sogar möglich, dort Zeugnisse und Referenzen hochzuladen, was durchaus hilfreich sein kann. Auch Absolventen sollten eigene Profile in soziale Medien durchaus in Erwägung ziehen oder die Netzwerke zumindest zur Recherche nach Kontaktdaten nutzen, da viele Personalverantwortliche dort selbst aktiv sind.

Fazit

Das Internet bietet sehr viele Möglichkeiten bei der Recherche nach einem Job. Viele Firmen veröffentlichen ihre offenen Positionen auf der eigenen Webseite und teilweise auch in Online-Stellenmärkten. Es gibt eine Reihe großer allgemeiner Stellenmärkte ("Generalisten") und noch viel mehr Nischenportale ("Spezialisten"). Leider gibt es keine einfache Möglichkeit, alle Quellen zu beobachten, da allgemeine Suchmaschinen wie Google und Bing nur bedingt hilfreich sind. Daher sollte man einige große Jobbörsen und relevante Nischenstellenmärkte beobachten und - sofern möglich - E-Mail-Benachrichtigungen anlegen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben. Wer mehr Zeit investieren will, der sollte sich die vorgestellten Jobaggregatoren ansehen und wird dort sicher einiges finden, was ihm anderweitig entgangen wäre. Auf jeden Fall sollte man auch immer die Originalanzeige auf der Firmenhomepage suchen und sich nicht nur auf vielleicht schon veraltete Sekundärquellen verlassen.

Zur Selbstvermarktung kann es durchaus hilfreich sein, sein eigenes Qualifikationsprofil in seriösen Stellenmärkten zu hinterlegen und auf die Kontaktaufnahme durch potentielle Arbeitgeber zu hoffen. Allerdings sollten Wechselwillige dabei - insbesondere in sozialen Netzwerken - besonders vorsichtig sein, denn der aktuelle Arbeitgeber soll sicher als letzter von einer solchen Absicht erfahren.

Wichtig ist abschließend auch, genau Buch darüber zu führen, wo man überall seine Daten hinterlegt hat und diese dann auch wieder zu löschen, wenn ein (neuer) Job gefunden ist.


» Artikel lesen