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30.11.2020

05.11.2020

Gesundheit!?


Gesundheit
Bild: PxHere [CCO]
Wieso werden wir eigentlich immer noch krank? Kann die Evolution nicht mal etwas dagegen unternehmen? Kann unser Immunsystem sich nicht dahingehend entwickeln, dass wir gegen jegliche Arten von Viren und Bakterien gewappnet sind? Warum werden manche Menschen häufiger krank als andere und wieso erkranken einige an der gleichen Krankheit deutlich schwerer als ihre Mitmenschen?

Ein Grund dafür ist sicher, dass sich Viren und Bakterien sehr schnell reproduzieren und dabei immer wieder Mutationen auftreten, wodurch eine Art evolutionäres Wettrüsten zwischen Organismus und Erregern tobt. Aber ist das der einzige Grund?

Vielleicht haben Sie sich all diese Fragen noch nicht gleichzeitig gestellt, aber dieser Zeit hat das Thema Infektionsschutz auch für die Allgemeinheit einen deutlich höheren Stellenwert. Es findet auch in einer erheblich breiteren Bevölkerungsschicht Beachtung als in der Vergangenheit.

Forschende des Max-Planck-Institutes für Evolutionsbiologie beschäftigen sich nicht erst seit der COVID-19-Pandemie mit diesem Thema und haben jetzt in einem Beitrag, der unter anderem im Forschungsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft veröffentlicht wurde, eine auch für Laien gut verständliche Erklärung für die oben genannten Fragen geliefert:

Der menschliche Organismus besitzt sechs so genannte "Humane Leukozyten-Antigene" (HLA), von denen es wiederum sehr viele Variationen gibt. Die Proteine dieser Gene bilden Antikörper aus, die - das wissen die meisten sicher noch aus dem Bio-Unterricht - mit einer Art Schlüssel-Schloss-Prinzip Krankheitserreger erkennen und abwehren können. Je höher die Aktivität der HLA-Varianten ist, desto besser ist also unser Immunsystem gegen Infektionen gewappnet.

Das wiederum missfällt den Krankheitserregern, die mutieren müssen, um die HLA auszutricksen. Die Evolution wird damit zum Wettlauf zwischen Keimen und der körpereigenen Abwehr. Das Problem besteht darin, dass sich das Immunsystem im gleichen Maße mit sich selbst auseinandersetzen muss. Dabei muss es abwägen, gegen welchen Feind es sich am ehesten zu schützen lohnt, denn eine Abwehr gegen alles und jeden birgt auch Nachteile. Der Fachbegriff hierfür ist Selbsttoleranz: Ein umfangreiches Abwehrsystem impliziert die Gefahr, dass sich dieses auch gegen den eigenen Körper wendet. Je mehr HLA-Varianten der Organismus ausbildet, umso stärker wird zwar das Immunsystem, aber desto wahrscheinlicher ist es auch, dass es den eigenen Körper attackiert. Die Folge sind Autoimmunschwächen oder -erkrankungen, wie Allergien oder Intoleranzen gegen Nahrungsmittel.

Also bildet sich im optimalen Fall ein Idealzustand aus, an dem die Anzahl der HLA-Varianten die höchst mögliche Immunabwehr bei bestmöglicher Selbsttoleranz und damit Gesundheit ermöglicht. Einfach zusammengefasst mit einem Zitat des Arztes und Pioniers der öffentlichen Gesundheitspflege Rudolf Virchow:

Ein bisschen Kranksein ist manchmal ganz gesund.
Rudolf Virchow (1821-1902)

» Artikel in "Max-Planck Forschung"

» Mehr zur Forschungsgruppe Evolutionäre Immungenomik

» Über Rudolf Virchow

Autor: Anke Fähnrich


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