30.07.2020

Warum in die Ferne schweifen...


Rheinstrand bei Worms
Rheinstrand bei Worms
Bild: Edmund Ritscher [CCO]
Sommerzeit ist Urlaubs- und Reisezeit - eigentlich. Den eingereichten Urlaub müssen - oder wollen - die meisten wahrscheinlich nehmen. Mit dem Verreisen ist es in diesem Sommer Pandemie-bedingt nicht ganz so einfach. Die Reisewarnungen wurden für viele Länder zwar aufgehoben, aber laut Umfragen wollen trotzdem viele Menschen in diesem Jahr auf ihre geplante Reise verzichten oder müssen sich eine Alternative suchen.

Das geplante Urlaubsziel ist entweder (noch oder wieder) als Risikogebiet ausgewiesen oder wird von beratungsresistenten, Party-wütigen Touristen ohne Abstand und Maske belagert. Das Portal statista hatte bereits zu Beginn der Urlaubssaison im Mai diesen Jahres eine Umfrage dazu durchgeführt, was man sich als Alternative zur geplanten Urlaubsreise vorstellen könnte.

Jetzt, zur Hauptreisezeit, wird man mit mehr oder weniger interessanten Berichten von Menschen überschüttet, die "die Heimat neu entdeckt" haben, weil sie statt Vietnam auf einer Fernreise, den Rheinstrand in Rüdesheim um die Ecke erkunden. Galt noch im letzten Jahr das Urlaubsmotto je exotischer, ungewöhnlicher und entfernter vom Heimatort desto besser, ist es in diesem Jahr "hip" einen Schrebergarten sein Eigen zu nennen, mit dem neuerworbenen E-Bike "raus aufs Land" zu fahren oder mit dem Wohnmobil die Camping-Plätze zu stürmen. Dies scheint auch ein neues Betätigungsfeld für Reiseblogger zu sein. Allerdings ist diese Idee gar nicht so neu:

Die schönste Rede, die man unseren Zeiten halten kann, wäre: Über die Kunst, zu Hause zu bleiben.
Karl-Julius Weber (1767-1832)

schrieb bereits Ende des 18. Jahrhunderts der deutsche Schriftsteller und Satiriker Karl-Julius Weber. Was genau ihn zu Zeiten der Preußischen Reformen zu dieser Aussage bewegt hat, konnte ich leider nicht herausfinden, aber im Jahr 2020, in dem die Preise für Ferienwohnungen und Hotelübernachtungen (nicht nur) in Deutschlands Ferienregionen explodiert sind, kann ich ihm nur zustimmen. Statt für "teuer Geld" zu verreisen um des Verreisens willen werde auch ich mich in Heimatkunde üben.

Es ist doch so, dass man die Sehenswürdigkeiten, Kulturstätten und Naherholungsgebiete in unmittelbarer Umgebung für gewöhnlich viel zu wenig würdigt. Oder haben Sie in den letzten Jahren einfach mal so eine Stadtführung in Ihrem Wohnort gebucht? Von fast allen Städten oder Landkreisen gibt es tolle Bildbände oder Freizeit- und Stadtwanderführer, die einen dabei helfen, ganz in der Nähe Neues zu entdecken und den wohlverdienten Urlaub mit Besserem zu verbringen als den Keller auszumisten oder die Wohnung zu renovieren. In diesem Sinne: einen erholsamen und ereignisreichen Urlaub auf "Balkonien" oder den "Dahamas".

» Tipp: Buchreihe "unsere Stadt - einfach spitze!"

» Tipps für Urlaub zu Hause

Autor: Anke Fähnrich


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