16.04.2020

Zweckfrei forschen - Erkenntnisse gewinnen


Forscher
pixabay [CCO]
Grundlagenforschung ist so eine Sache. Erschließt sich ihr Sinn doch - wenn überhaupt - nur einer Handvoll Menschen. Oftmals erinnert sie an das augenscheinlich sinnlose Spiel kleiner Kinder, die sich einfach nur die Zeit vertreiben. Ist es gerechtfertigt, Steuergelder auszugeben, um die Neugier nerdiger Wissenschaftler zu befriedigen? Forschung muss doch zielführend sein, um einen Sinn zu haben.

Wer kann schon nachvollziehen, warum beispielweise Wissenschaftler Atome mit annähernd Lichtgeschwindigkeit aufeinander schießen. Für immer größere Teilchenbeschleuniger werden ganze Waldstücke gerodet, damit sich die Forschenden ein "Loch in den Bauch" freuen können, wenn sie für wenige Picosekunden ein neues Element nachweisen, das sie dann dem Periodensystem der Elemente hinzufügen können? Wer kann verstehen, warum Tiere leiden müssen, in Versuchsanordnungen, deren Sinn sich so gar nicht erschließen will?

Dass diese unverständliche Forschung dann oftmals auch noch durch Steuergeldern finanziert wird, lässt das Fass doch eigentlich überlaufen! - Oder nicht?

Wenn immer nur unmittelbar anwendungsbezogene Forschung betrieben worden wäre, hätten wir heute eine unglaubliche Vielfalt und Raffinesse an Kerzen; aber keine Elektrizität.
Anton Zeilinger (*1945)
wird der Quantenphysiker Anton Zeilinger zitiert. Dem auch als "Mr. Beam" bekannten Wissenschaftler gelang im Jahr 1997 mit seiner Arbeitsgruppe erstmals die Demonstration der Quantenteleportation des Zustandes eines unabhängigen Photons. Was zunächst nutzlos erscheint, schaffte eine der Grundlagen für die - immer noch andauernde - Entwicklung von Quantencomputern und das Quanten-Internet.

Die Neugier der Wissenschaftler, die in den 1960er Jahren untersuchten, wieso sich manche Bakterien in heißen Geysiren wohlfühlen statt zu sterben, führte zur Entdeckung des Bakteriums Thermus aquaticus. Dieses Bakterium besitzt ein besonders hitzeempfindliches Enzym, das die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) für die Analyse von DNA praktisch anwendbar macht. Dieses in Corona-Zeiten zu großer Bekanntheit gelangte Verfahren findet schon seit vielen Jahren Anwendung beispielsweise bei HIV-Tests und der Ermittlung genetischer Fingerabdrücke.

Bereits vor 125 Jahren schafften die Neugier und scheinbar sinnlosen Versuche eines Wissenschaftlers Fakten, die uns heute noch zugutekommen: Wilhelm C. Röntgen wusste sehr wohl, dass Schattenkreuzröhren mit sehr viel Strom sehr wenig Licht erzeugten und somit als Ersatz für eine Glühbirne eher nicht in Frage kommen würden. Trotzdem experimentierte er eifrig weiter und entdeckte schließlich die nach ihm benannte Röntgenstrahlung, deren Nutzen hier nicht weiter erklärt werden muss.

Selbst wenn man - vor allem als Unbeteiligter oder Nichtwissenschaftler - keinen Sinn in der Grundlagenforschung erkennen kann, sollte man sie doch nicht grundsätzlich ablehnen oder als sinnlos verurteilen. Wir wissen nur heute noch nicht, wofür die Ergebnisse möglicherweise von Nutzen sein können. Vielleicht werden sie es auch nie sein.

Aber gibt es nicht viele Dinge, deren Wert man nicht in betriebswirtschaftlichen Zahlen belegen kann? Auch Kultur kostet viel Geld (auch den Steuerzahler), ohne einen wirtschaftlichen Mehrwert zu generieren und nicht alles, das als Kultur bezeichnet wird erschließt sich jedem gleichermaßen als sinnvoll. Das werden wahrscheinlich alle unterschreiben, die schon einmal die documenta oder den Block Beuys besucht haben. Trotzdem möchte ich nicht auf Theater, Kunst, Ausstellungen oder Konzerte verzichten und wohl kaum einer wird Kunst und kulturellen Einrichtungen ernsthaft die Daseinsberechtigung absprechen.

» 10 Fragen an Anton Zeilinger

» Positionen des SNF zur Grundlagenforschung

» Magazin des FWF, Schwerpunkt Nutzen und Effekte der Grundlagenforschung

Autor: Anke Fähnrich


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