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Das Online-Labormagazin
26.11.2020

20.02.2020

Jetzt noch mal im Klartext, bitte


Ein Grund, warum ich in der Redaktion von Analytik NEWS gelandet bin ist wahrscheinlich der, dass ich leidenschaftlich gerne lese. Egal ob Anspruchsvolles oder Trivialliteratur, Zeitschriften oder Essays, am liebsten aber dicke Bücher und Fachmagazine mit für mich interessanten Themen.

Manchmal allerdings überkommt mich das kalte Grausen: Berichte oder Nachrichten, die so überfrachtet sind mit Fach- und Fremdwörtern, dass einem das Lesen bereits im ersten Absatz vergeht. Solche, die sich nicht darauf fokussieren, dem Lesenden etwas zu vermitteln, sondern scheinbar ausschließlich darauf abzielen, den Autor als fachkompetent darzustellen. Einer der bedeutendsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung, Johann Wolfgang von Goethe, meinte dazu:

Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewusst hat.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Nun, Bücher oder Artikel dieser Art kann man recht einfach aus der Hand legen und im öffentlichen Büchertauschschrank oder Altpapier verschwinden lassen, wenn man sich nicht gerade beruflich damit beschäftigen muss. Schwieriger wird es, wenn man es nicht mit dem geschriebenen, sondern dem gesprochenen Wort zu tun hat. Nämlich, wenn man persönlich auf jemanden trifft, der offensichtlich die "Weisheit mit Löffeln genossen" hat und sehr erpicht darauf ist, diese seinen Mitmenschen weiterzureichen.

Klartext
Bild: pixabay [CCO]
Natürlich ist es verständlich, dass diejenigen, die sich - wahrscheinlich mit einigem Arbeitsaufwand verbunden - Allgemeinbildung und Fachwissen angeeignet haben, dieses auch weitergeben möchten. Ich lerne auch gerne dazu und bin neuen Erkenntnissen gegenüber sehr aufgeschlossen. Aber bitte allgemein verständlich formuliert und nicht in "fachidiotisch". Nur so macht es doch Sinn, sein Wissen weiterzugeben - zumindest wenn man daran und nicht nur an seiner Selbstdarstellung interessiert ist. Dann klappt es auch damit, andere für sein Fachgebiet zu begeistern.

Ein guter Weg dahin sind die seit einigen Jahren veranstalteten Science-Slams, die leider immer noch zu wenig Beachtung in der breiten Öffentlichkeit finden. Aber das beste Beispiel dafür Fachwissen zu vermitteln, ist meine Lieblings-Chemikerin Dr. Mai-Thi Nguyen-Kim, die es schafft, selbst die kompliziertesten wissenschaftlichen Zusammenhänge so zu erklären, dass kein Fragezeichen zurückbleibt. Damit zeigt sie meiner Meinung nach deutlich mehr Sachverstand, als diejenigen, die versuchen, sich mit möglichst viel Fachvokabular zu profilieren.

» Science Slam

» Mai-Thi Nguyen-Kim auf YouTube

» Buchtipp "komisch, alles ist chemisch"

Autor: Anke Fähnrich


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