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Das Online-Labormagazin
22.09.2021

08.09.2021

Effekt von UV-Strahlung zur Inaktivierung von Viren erforschen

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Luft, Wasser und Oberflächen von Gegenständen aller Art lassen sich durch UV-C-Strahlungsgeräte gut desinfizieren. Diese Geräte arbeiten meist mit Mitteldruck-Quecksilber-Dampflampen - in der Fachsprache Hg-Dampflampen genannt - als Strahlungsquellen. Diese emittieren, geben also Energie in Form von hauptsächlich UV-Strahlung mit einer Wellenlänge von 254 Nanometern ab und inaktivieren dadurch Bakterien und Viren - auch Coronaviren.

Doch für den menschlichen Organismus ist Strahlung in dem Wellenlängenbereich von 240 bis 300 Nanometern lebensgefährlich. Deshalb forschen Wissenschaftler weltweit daran, den Effekt von UV-Strahlung so zu nutzen, dass Mikroorganismen wie Viren zwar inaktiviert, Menschen aber nicht geschädigt werden. Involviert sind auch Prof. Dr. Thomas Jüstel und Dr. David Enseling vom Fachbereich Chemieingenieurwesen der FH Münster.

"Der Strahlungsbereich von 200 bis 240 Nanometer ist besonders gut geeignet, um luftgetragene Viren zu deaktivieren", sagt Jüstel. Die Strahlung sei zu kurzwellig, um die äußere tote Hautschicht, die Epidermis, zu durchdringen. "Sie gelangt also nicht zu den lebenden Hautzellen. Das könnte ein sehr interessanter Ansatz sein, um die Pandemie in den Griff zu kriegen." Gemeinsam mit zwei Praxispartnern untersuchen die beiden Wissenschaftler jetzt das Potenzial.

Denn im Unterschied zur UV-Strahlung mit einer Wellenlänge von 254 Nanometern funktioniere UV-Strahlung um die 220 Nanometer auch dann, wenn Menschen im Raum sind. "Eine Vision ist, spezielle Leuchten mit eben dieser UV-Strahlung zu konzipieren, um damit zum Beispiel Bürogebäude oder Flughafenterminals auszustatten. Das Lichtspektrum in den Räumen wäre für Menschen ungefährlich, deaktiviert aber Viren - und das vielleicht sogar effizienter, als etwa Luftfilter das leisten können", sagt Enseling.

In Deutschland ist die Technologie noch nicht zugelassen, Menschen mit UV-Strahlung im Bereich von 222 Nanometern zu bestrahlen. Zwei Forschungsprojekte sind trotzdem schon gestartet, derzeit aber noch absolut vertraulich zu behandeln. "Deshalb dürfen wir keine konkreten Einzelheiten verraten", so Jüstel. "Wichtig ist mir aber deutlich zu machen, dass auch wir an der FH Münster einen Beitrag leisten wollen, um die COVID-19 Pandemie und auch künftige Epidemien in den Griff zu bekommen!"

Quelle: Fachhochschule Münster