12.03.2020

Auch in rauchfreien Räumen raucht man mit



Tabakrauch ist gesundheitsschädlich. Er besteht aus Feinstaub und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) wie Nikotin oder Acetonitril, für die es keinen Schwellenwert gibt, unter dem sie harmlos wären. Rauchverbote verringern zwar das Passivrauchen, aber bei einer weltweiten Raucherquote von 22% bleiben die gefährlichen Schadstoffe aus Tabakrauch ein großes gesundheitliches Risiko.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Chemie und Yale University entdeckte nun, dass Raucher und Passivraucher Tabakablagerungen und somit Schadstoffe mit sich transportieren. Die Menge der Schadstoffe, die sie abgeben, entspricht sogar der mehrerer Zigaretten.

Dies bedeutet, dass, selbst wenn sich jemand in einem Raum befindet, in dem noch nie geraucht wurde, diese Person möglicherweise vielen gefährlichen chemischen Verbindungen ausgesetzt ist, aus denen Zigarettenrauch besteht.

Abhängig ist das davon, wer den Raum betreten oder ihn zuvor besucht hat, denn Tabakrückstände an Oberflächen wie Kleidern, Wänden, Haut oder Möbeln beinhalten Nikotinreste und verschiedene andere schädliche Chemikalien. Durch Ausdünstungen von diesen Oberflächen gelangen die Chemikalien in die Umgebungsluft und gefährden somit die Gesundheit von Nichtrauchern.

Obwohl es bereits Vermutungen gab, dass Rauchrückstände auf Oberflächen in rauchfreie Orte übertragen werden können, haben die Forscher aus Mainz und Yale jetzt erstmalig die Emissionen von Menschen in Nichtraucher-Umgebungen erfasst und überwacht. Dazu haben sie die flüchtigen organischen Verbindungen von mit Tabakrauch belasteten Oberflächen in rauchfreien Umgebungen gemessen.

"Bei Tests unter realen Bedingungen konnten wir feststellen, dass Personen, die zuvor Tabakrauch ausgesetzt waren, beim Betreten eines zuvor strikt rauchfreien Raums konzentrierte Emissionen gefährlicher Gase abgaben", erläutert Drew Gentner, Associate Professor of Chemical & Environmental Engineering an der Yale Universität und Stipendiat der Alexander-Humboldt-Stiftung. "Somit ist die Vorstellung, dass man als Nichtraucher in einem rauchfreien Raum vor Passivrauchen geschützt wäre, ein Trugschluss", ergänzt der Autor der im Forschungsmagazin Science Advances erschienen Studie.

Die Forscher führten ihre Experimente in einem Kino durch, in dem Rauchverbort herrscht. An vier aufeinander folgenden Tagen identifizierten sie während der Filmvorführung mithilfe eines hochauflösenden Massenspektrometers deutliche Konzentrationen von 35 verschiedenen chemischen Verbindungen, die aus Ausdünstungen von Tabakablagerungen stammen. Das Überraschende: Die Emissionen waren vergleichbar mit dem Rauch von ein bis zehn Zigaretten. Eine noch größere Menge organischer Verbindungen aus Zigarettenrauch stellten sie in Luftproben aus dem Kino fest, die sie anschließend im Labor untersuchten.

"Wir gehen davon aus, dass die Kinobesucher die Zigarettenrauchrückstände mit ihrer Kleidung und ihrem Körper in den geschlossenen Raum transportiert haben. Diese Beobachtung stimmt mit vorherigen Vermutungen überein, die aber bisher noch nicht bewiesen werden konnten", fasst Jonathan Williams, Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Chemie und Co-Autor der Studie, zusammen.

Die Ergebnisse der Studie lassen sich auf andere, weniger gut belüftete Standorte übertragen. "In schlecht belüfteten engen Räumen wie beispielsweise Autos, Bars, Zügen oder Wohnungen werden die gefährlichen Emissionen vermutlich deutlich höher sein", erklärt Williams Kollege Gentner.

» Originalpublikation

Quelle: Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC)




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