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Analytik NEWS
Das Online-Labormagazin
21.08.2026

20.08.2026

Aminosäuren als ein Schlüssel zur Pferdegesundheit - Stoffwechselstörungen bei Pferden auf der Spur

Dr. Thorsten Heinlein, Membrapure Gesellschaft für Membrantechnik GmbH

Dr. Sabita Stöckle, Freie Universität Berlin


Die Klinik für Pferde der Freien Universität Berlin erforscht unter anderem Stoffwechselerkrankungen bei Pferden. Eine Promotion untersuchte den Aminosäuregehalt im Blutplasma von übergewichtigen Pferden, adipösen Tieren mit diagnostizierter Endokrinopathie sowie Folgeerkrankungen wie Hufrehe. Zentral für diese Art der Forschung ist ein Aminosäureanalysator, mit dem die Messungen erfolgen. Die Forschung zielt darauf ab, eine bedarfsgerechte Fütterung der erkrankten Pferde sicherstellen zu können.

An der Freien Universität Berlin wird in der Klinik für Pferde unter anderem zur Stoffwechselphysiologie und Endokrinologie des Pferdes geforscht. Im Rahmen eines mehrjährigen Promotionsprojekts unter wissenschaftlicher Betreuung der Professorin für Innere Medizin des Pferdes, Prof. Dr. Heidrun Gehlen, setzte die Tierärztin Dr. Sabita Stöckle dabei den Aminosäureanalysator der MembraPure GmbH als zentrales Analyseinstrument ein. Verschiedene Forschungs- und Doktorarbeiten sind daraus entstanden.

Das Aminosäureprofil bei Hormon- und Stoffwechselerkrankungen

Pferd Im Mittelpunkt der Forschung von Dr. Sabita Stöckle stand die Frage, wie sich Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen bei Pferden auf das Aminosäureprofil im Blutplasma auswirken und ob sich Unterschiede in den Basalwerten der Aminosäuren abhängig von der Erkrankung zeigen.

Untersucht wurden Pferde mit EMS (Equines Metabolisches Syndrom) sowie adipöse Tiere ohne Hinweise auf metabolische Dysregulation. Beim EMS handelt es sich um ein Syndrom, das durch Adipositas, Insulindysregulation bis hin zur Insulinresistenz und eine Prädisposition für endokrinopathische Hufrehe charakterisiert ist.

Weiterhin wurden Patienten mit Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID; ehemals Equines Cushing Syndrom) untersucht und mit endokrin gesunden Pferden verglichen. Ziel war es, biochemische Unterschiede sichtbar zu machen. Daraus können zum Beispiel neue Ansätze für Diagnostik, Therapie und Fütterungsstrategien entwickelt werden.

Für die Studie wurden rund 250 Blutproben untersucht. Die Pferde wurden zunächst auf ihre Erkrankung getestet: die PPID-Pferde mit einem basalen ACTH-Wert, die Pferde mit metabolischem Syndrom mit einem kombinierten Glucose-Insulin-Test. Für die Analyse der Aminosäuren wurde das Blut nach der Blutentnahme zentrifugiert, um das Plasma zu gewinnen, bei 20 °C gelagert und aufbereitet. Die Aminosäureanalytik wurde in Zusammenarbeit mit zwei verschiedenen Firmen durchgeführt, die Proben der PPID-Patienten wurden bei Membrapure untersucht.

Aminosäureanalysator als Messgrundlage

Blutproben Die Analytik mit dem Aminosäureanalysator erwies sich als effizient: Im Vergleich etwa zu Futtermittelanalysen ist die Probenvorbereitung von Plasma deutlich einfacher, der Probendurchsatz höher und die Verarbeitung schneller. Nach einer Proteinfällung wurden die Proben im Aminosäureanalysator gemessen. Alternativmethoden zur Analyse wie die Liquid-Chromatographie-Massenspektrometrie (LC-MS) wurden aufgrund des höheren Aufwands nicht eingesetzt.

Die Studie umfasste 27 adipöse Pferde, die anhand ihres Stoffwechsel- und klinischen Status in drei klar definierte Gruppen eingeteilt wurden: ohne Insulindysregulation, mit Insulindysregulation sowie mit zusätzlicher radiologisch nachweisbarer Hufrehe. Zusätzlich wurden 93 Pferde mit PPID untersucht, von denen 53 die Einschlusskriterien erfüllten. Diese wurden zusätzlich nach Behandlungsstatus (unbehandelt vs. Pergolid-Therapie) sowie anhand ihrer ACTH-Werte in Referenz- und Nicht-Referenzbereiche eingeteilt.

Zusätzlich wurden die PPID-Pferde in verschiedene Gruppen eingeteilt - unbehandelte Tiere, mit Pergolid behandelte Pferde sowie eine Differenzierung nach ACTH-Werten innerhalb oder außerhalb definierter Referenzbereiche.

Signifikante Unterschiede im Aminosäureprofil

Mithilfe des Aminosäureanalysators konnten signifikante Unterschiede im Aminosäureprofil der Pferde präzise dargestellt werden. Besonders deutlich zeigten sich metabolische Unterschiede zwischen rein adipösen Pferden und solchen mit Insulindysregulation und Hufrehe. Einzelne Aminosäuren wie Citrullin, GABA und Methionin variierten signifikant zwischen den Gruppen. Auch bei PPID-Patienten ließen sich klare metabolische Differenzierungen erkennen: Bestimmte Aminosäuren traten bei erkrankten oder behandelten Tieren in anderen Konzentrationen auf als bei gesunden Pferden. Die strenge Definition von Referenzbereichen ermöglichte dabei eine saubere und belastbare Gruppentrennung.

Symbolbild LaborarbeitDie Ergebnisse sind sowohl für die Forschung als auch für die Praxis relevant. Sie zeigen, dass Aminosäureprofile als diagnostische Marker genutzt werden können und Stoffwechselstörungen biochemisch messbar sind. Übergewicht gilt als Mitauslöser dieser Stoffwechselstörungen, weswegen eine Diät angezeigt ist: Für diese Pferde sollte die Kalorien- und Zuckerzufuhr gesenkt werden. Das kann nicht nur mit einer Reduzierung der Futtermenge erfolgen, sondern auch, indem Heu als Hauptfutter gewaschen wird, um die enthaltenen wasserlöslichen Kohlenhydrate (u.a. Zucker) auszuspülen. Hierbei muss gegebenenfalls auch auf die Versorgung mit essenziellen Aminosäuren geachtet werden - denn das Einweichen kann zu einer Verringerung des Energie-, Rohprotein-, Aminosäure- und Mineralstoffgehalts führen. Hierbei ist insbesondere zu beachten, dass variable Auswascheffekte eine bedarfsgerechte Fütterung erschweren.

Der Aminosäureanalysator war neben weiterer Labordiagnostik zur Diagnose der Krankheiten das zentrale Analysewerkzeug der gesamten Dissertation. Der Analysator erlaubte die zuverlässige Analytik des Pferdeplasmas, ermöglichte eine hohe Messgenauigkeit, schnelle Verarbeitung und stabile Routineabläufe. Gerade für größere Studienpopulationen erwies sich das System als leistungsfähig und praxistauglich.

Auch die Zusammenarbeit mit membraPure war positiv: Die Kommunikation verlief unkompliziert, Unterstützung erfolgte schnell und freundlich und auf Fragen wurde stets eingegangen. Künftige Forschungsprojekte sind bereits in Planung. Untersucht werden sollen unter anderem, wie sich verschiedene Kolikformen und Fastenperioden auf das Aminosäureprofil im Blutplasma auswirken. Darüber hinaus sind weiterführende Studien geplant, um krankheitsspezifische Aminosäureprofile genauer zu identifizieren.

Fazit

Der Einsatz des Aminosäureanalysators im Promotionsprojekt zu Stoffwechselerkrankungen von Pferden an der Freien Universität Berlin zeigt, wie moderne Aminosäureanalytik zur veterinärmedizinischen Forschung beitragen kann. Das System hat sich als präzise, effizient, zuverlässig und praxistauglich bewährt.


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