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24.10.2021

11.03.2021

Hautreizung durch Arbeitsstoffe - Möglichkeiten der Quantifizierung

Prof. Manigé Fartasch , Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Ruhr-Universität Bochum

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Unter den Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit nehmen Handekzeme einen Spitzenplatz ein. Um Maßnahmen zur Primärprävention ergreifen zu können, ist es wichtig, die Entstehungsmechanismen von beruflich bedingten Handekzemen, in diesem Fall der irritativen Kontaktekzeme, zu kennen.

Maßnahmen wie die Anwendung von Hautmitteln (Hautschutz, Hautpflege und Hautreinigung) sind häufig nicht ausreichend, um eine Hautreizung zu verhindern. Vielmehr muss das Reizpotenzial der Arbeitssubstanzen bekannt sein, bei denen ein unmittelbarer Hautkontakt nicht durch einen entsprechenden Handschutz vermieden werden kann. Hieraus ergeben sich verschiedene Ansätze für die Prävention.

Ansatzpunkte für die Prävention

Während der Arbeit kommt es häufig zu einer kombinierten Belastungssituation der Haut. Die Entstehung des prognostisch ungünstigen allergischen Kontaktekzems ist meist an eine vorbestehende oder gleichzeitig auftretende Barrierestörung der Haut durch reizende Arbeitsstoffe gekoppelt. Man spricht dann von einem Zwei-Phasen-Ekzem. Die allergiefördernde Wirkung eines potenziell hautreizenden Arbeitsstoffes beruht nach den heutigen Erkenntnissen dabei nicht nur auf einer erhöhten Eindringrate (Penetrationsrate) durch die vorgeschädigte Hautbarriere, sondern ebenso auf den immunologischen Effekten der substanzspezifisch indizierten Entzündungen (Martin et al. 2011, Fartasch 2012, Esser und Martin 2017, Rustemeyer und Fartasch 2019, Gilmour et al. 2019).

Je nach auslösender Substanz und Expositionsbedingungen - zum Beispiel bei der Feuchtarbeit - kann ein akutes oder chronisches irritatives Kontaktekzem entstehen. Während stark reizende Substanzen innerhalb weniger Minuten bis Stunden zu akuten Reaktionen mit Auftreten von Rötungen, Schwellungen und Juckreiz sowie Bläschen führen können, führen schwächer reizende Substanzen erst nach mehrfachem Kontakt über einen längeren Zeitraum zu Kontaktekzemen.

Diese manifestieren sich eher durch leichte Rötungen, Hautverdickungen (Hyperkeratosen und Lichenifikation) sowie Schuppungen, Rissen und Rhagaden der Haut an den Händen. Nach heutigem Kenntnisstand führt auch der durch Handschutz nicht gänzlich vermeidbare direkte Hautkontakt mit Arbeitsstoffen (Uter et al. 2018) wie zum Beispiel Händedesinfektionsmitteln, Kühlschmierstoffen, Reinigungsmitteln, Konservierungsmitteln, Emulgatoren und Duftstoffen sowie die Feuchtarbeit vermehrt zu tätigkeitsabhängigen irritativen Kontaktekzemen (Fartasch & Brüning 2017, TRGS 401). Dadurch werden die Entstehung von allergischen Kontaktekzemen erleichtert beziehungsweise anlagebedingte Hauterkrankungen wie zum Beispiel das atopische Handekzem verschlimmert.

Auch eine korrekte Anwendung von Hautschutz/-pflege (Fartasch et al.1998, AWMF) scheint deren Auftreten - selbst bei konsequenter Anwendung - bei bestimmten Tätigkeiten nicht gänzlich verhindern zu können (Bauer et al. 2018, Rönsch et al. 2018). Fundierte Präventionsberatungen und Empfehlungen sind nur bedingt möglich, da die Hersteller der unterschiedlichen Arbeitsstoffe den Aspekt der "Hautverträglichkeit" entweder weitgehend ausblenden oder diesen mit Methoden, die weder reproduzierbar noch standardisiert und/oder evaluiert sind, nachzuweisen versuchen.


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