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Analytik NEWS
03.02.2026

05.12.2024

Ich brauch' frische Luft!


Smog über dem Ruhrgebiet
Smog über dem Ruhrgebiet (pixabay [CCO])
Vor 72 Jahren - vom 5. bis 9. Dezember 1952 - legte giftiger Nebel die Metropole London lahm. Eine extrem kalte Hochdruck-Wetterlage, verbunden mit Windstille führte dazu, dass sich dicker Smog in der Stadt bildete, der durch die Abgase der häuslichen Kohleöfen und Emissionen der Industrie verursacht wurde. Die Sicht war teilweise so schlecht, dass sich die Bewohner an Häuserfassaden entlangtasten mussten, um ihren Weg zu finden.

Der Mischung aus Schwefeldioxid, Rußpartikeln und anderen Schadstoffen fielen Schätzungen zufolge 12.000 Menschen zum Opfer. Sie starben an den unmittelbaren Folgen des Smogs oder auch an langfristigen Atemwegserkrankungen. Wie so häufig traf es vor allem arme und alte Menschen sowie die Kinder.

In London hatte man schon öfter katastrophale Luftqualität erlebt, aber der "Great Smog", wie er heute noch genannt wird, übertraf alles bisher Dagewesene und führte zu einem Umdenken in der Politik und bei den Verantwortlichen. Im Jahr 1956 trat der Clean Air Act in Kraft, der Grundstein für strengere Umweltgesetze, in dem weitreichende Maßnahmen, unter anderem eine drastische Verringerung der Zahl der offenen Kamine, beschlossen wurden. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgte allerdings zu langsam, sodass es 1962 zu einer weiteren, glücklicherweise weniger gefährlichen Smogbildung kam, die weitere Maßnahmen nach sich zog.

Mehr als 70 Jahre später haben wir umfangreiche Kenntnisse über die Auswirkungen von Luftverschmutzung durch Feinstaub, Stickoxide und Schwefeldioxid auf Mensch und Umwelt. Hierzulande sind Autos und Fabriken zum Großteil mit Katalysatoren und Filteranlagen ausgestattet, damit wir (einigermaßen) saubere Luft atmen können.

Allerdings haben wir längst nicht genug aus der Katastrophe von 1952 gelernt. Nach wie vor verwenden wir fossile Brennstoffe im großen Stil. Metropolen wie Peking oder Neu-Delhi stehen mit ihrer Luftqualität dem Great Smog kaum nach. In den Megastädten atmen Millionen Menschen täglich Luft, die weit über den empfohlenen Grenzwerten liegt. Unkontrollierte Emissionen sind der Hauptverursacher des Klimawandels.

In seinem egoistischen Drang zur Selbstexpansion vergisst der Mensch nur allzu leicht, dass er die Luft, die er erzeugt, auch atmen muss.
Prof. Querulix (*1946)
fasst der unter dem Pseudonym "Prof. Querulix" schreibende Aphoristiker und Satiriker die Situation zusammen. Nach wie vor treffen Luftverschmutzung und ihre Folgen arme und verletzliche Bevölkerung am stärksten. Allerdings sind sie heute kein lokales Problem, wie 1952 im London, sondern haben globale Bedeutung. Laut einer im Juni 2024 erschienenen Studie des Health Effects Institute (HEI) war die Luftverschmutzung im Jahr 2021 weltweit für mehr als 8 Millionen Todesfälle verantwortlich.

Der Great Smog ist mehr als nur ein historisches Ereignis - er ist eine Warnung. 72 Jahre später sind die Herausforderungen größer denn je. Während technologische Fortschritte Hoffnung bieten, erfordert der Kampf gegen Luftverschmutzung und Klimawandel auch politische und gesellschaftliche Entschlossenheit. Und - anders als 1956 - eine schnelle Umsetzung der möglichen Maßnahmen. Jeder Smog, jede Umweltkatastrophe und jeder verpasste Klimagipfel erinnert uns daran, dass die Zeit zum Handeln jetzt ist.

» Mehr über Luftqualität und Gesundheit

» Link zum Clean Air Act von 1956

Autor:  

Anke Fähnrich

Anke Fähnrich

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