23.09.2026
Zufall und Wissensaustausch - so kommt man zum Ziel

- Dr. Graham Beards [CC BY-SA]
Fleming erkannte, dass der Schimmel eine Substanz absonderte, die das Wachstum der Bakterien hemmte. Er nannte diese Substanz Penicillin und beschrieb sie für die Öffentlichkeit erstmals 1929 im British Journal of Experimental Pathology. Flemings Entdeckung war jedoch zunächst eher eine wissenschaftliche Kuriosität als ein bahnbrechender Durchbruch.
Entscheidend für den späteren Erfolg war, dass Fleming seine Erkenntnisse mit der wissenschaftlichen Gemeinschaft teilte, anstatt sie für sich zu behalten. Denn zehn Jahre später griffen die Wissenschaftler Howard Florey und Ernst Boris Chain seine Arbeit auf. Ihnen gelang es, Penicillin in ausreichenden Mengen zu produzieren und seine Wirksamkeit in Tierversuchen und schließlich auch beim Menschen nachzuweisen. Der erste erfolgreiche Einsatz von Penicillin am Menschen erfolgte 1941, als ein Polizist mit einer schweren Blutvergiftung damit behandelt wurde. Obwohl der Patient schließlich verstarb, zeigte die Behandlung, dass Penicillin das Potenzial hatte, Leben zu retten.
Während des zweiten Weltkrieges genoss die Penicillin-Forschung hohe Priorität und rettete unzähligen Soldaten das Leben. Nach dem Krieg wurde der Wirkstoff schließlich auch für die Zivilbevölkerung zugänglich. Durch den Einsatz von Penicillin und die Entwicklung weiterer Antibiotika machte die Medizin einen großen Sprung nach vorne und die Lebenserwartung konnte im Laufe der Jahre deutlich erhöht werden. 1945 erhielten die drei Wissenschaftler, die mit ihrer Entdeckung, einen Wendepunkt in der Geschichte der Medizin markiert hatten, gemeinsam den Medizin-Nobelpreis.
Schon in seiner Nobelpreis-Rede warnte Fleming vor den Risiken eines unsachgemäßen Einsatzes von Penicillin mit den Worten: "Es besteht die Gefahr, dass die Mikroben lernen, resistent gegen Penicillin zu werden". Eine Warnung, die die Weltgesundheitsorganisation seit Jahren unterstützt. Denn sie warnt vor einer "post-antibiotischen Ära", in der einfache Infektionen wieder tödlich verlaufen könnten, weil keine wirksamen Medikamente mehr zur Verfügung stehen.
Tatsächlich stellen Antibiotikaresistenzen, verursacht durch übermäßigen und falschen Einsatz sowie fehlende Neuentwicklungen, eine der größten globalen Gesundheitsbedrohungen dar. Daher wird zunehmend an Alternativen geforscht.
Ein Ansatz ist die Verwendung von Bakteriophagen, also Viren, die spezifisch Bakterien infizieren und abtöten. Phagen sind hochspezifisch und greifen nur bestimmte Bakterienarten an, ohne das menschliche Mikrobiom zu schädigen. Im Gegensatz zu Antibiotika, die oft breite Wirkspektren haben, können Phagen gezielt gegen resistente Erreger eingesetzt werden. Weitere Ansätze sind antimikrobielle Peptide, natürliche oder synthetische Moleküle, die Bakterien abtöten können oder Probiotika und Mikrobiom-Therapien, die die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers durch gezielte Manipulation des Mikrobioms stärken. Auch Gen-Editing-Tools wie CRISPR-Cas-Systeme, die gezielt Resistenzgene in Bakterien ausschalten können oder KI gestützte Verfahren helfen bei der Suche nach neuen Möglichkeiten zur Bekämpfung von Erregern.
Der unsachgemäße Umgang mit Antibiotika hat uns an einen kritischen Punkt gebracht. Leider gibt es noch keinen herausragenden Durchbruch in der Forschung. Die Geschichte von Penicillin lehrt uns daher nicht nur, dass wissenschaftliche Entdeckungen das Potenzial haben, die Welt zu verändern. Sie sollte uns auch daran erinnern, dass offener Wissensaustausch und Zusammenarbeit der Schlüssel zu großem Fortschritt sind. So wie es bereits Aristoteles formuliert hat:
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
Aristoteles (384-322 v.Chr)
» Publikation von A. Fleming im British Journal of Experimental Pathology (1929)
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