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02.12.2022

29.09.2022

Im Team unschlagbar

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erfolgreiches Paar
Bild: pixabay [CCO]
Auch im Jahr 2022 ist es ausgesprochen selten, dass in einer Partnerschaft beide im gleichen Berufsfeld gleichberechtigt Karriere machen können. Dabei gilt: Je höher die Qualifikation beider Partner in einer gemeinsamen Disziplin ist, desto schwieriger wird es, beide Karrieren gleichermaßen zu forcieren. Insbesondere in der naturwissenschaftlichen Forschung ist es nahezu unmöglich, dass beide Partner gemeinsam und gleichwertig ihrer Leidenschaft nachgehen, ohne dass einer oder beide zurückstecken oder weite Strecken pendeln müssen.

Nur wenige Universitäten bieten Paaren die Möglichkeit, gemeinsam an einem Institut oder der Fakultät zu arbeiten und auch in der freien Wirtschaft werden Beziehungen unter Mitarbeitern nur selten gern gesehen. Angst vor zu viel Einflussnahme der Paare oder davor, dass private Streitigkeiten sich negativ auf die Arbeitsleistung auswirken könnte, mögen die Gründe dafür sein.

Dass die gemeinsame wissenschaftliche Arbeit von Lebenspartnern aber durchaus fruchtbar sein kann, zeigt ein Blick auf Liste der verliehenen Nobelpreise:

Als erstes Ehepaar in der Geschichte des damals noch jungen Nobelpreises erhielten Marie und Pierre Curie im Jahr 1903 den Nobelpreis für Physik "als Anerkennung des außerordentlichen Verdienstes, den sie sich durch ihre gemeinsamen Arbeiten über die von H. Becquerel entdeckten Strahlungsphänomene erworben haben". Dass Marie ebenfalls nominiert und ausgezeichnet wurde, hat sie nicht nur ihrer Genialität und ihrem Forschergeist zu verdanken, sondern vor allem ihrem Ehemann. Und zwar deshalb, weil er dem Nominierungskomitee deutlich machte, dass nicht er, sondern seine Frau die grundlegenden Erkenntnisse und Schlussfolgerungen zu der gemeinsamen Arbeit beigesteuert hatte. Anfang des 20. Jahrhunderts traute man Frauen dies eben noch viel weniger zu als heutzutage.

32 Jahre später, 1935, wurden die ältere Tochter des Forscherpaares, Irène Joliot-Curie und ihr Mann Frédéric "für ihre gemeinsam durchgeführten Darstellungen von neuen radioaktiven Elementen" mit dem Chemie-Nobelpreis geehrt. Auch wenn sich mittlerweile die Bildungsmöglichkeiten für Frauen marginal verbessert hatten, mussten Irène und Frédéric mit Vorurteilen kämpfen. Da Irène ihren Mann kennenlernte, als sie ihn zum Laboranten ausbildete, sahen die beiden sich mit den Vorwürfen konfrontiert, dass Frédéric seine Frau nur aus karrieretaktischen Gründen geheiratet hätte. Eine lebenslange Ehe und Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die nicht nur den Nobelpreis, sondern auch gemeinsamen Widerstand gegen die Nationalsozialisten und politischen Einfluss in der Nachkriegszeit hervorbrachte, strafte die Kritiker Lügen.

Den meisten vermutlich weniger bekannt sind die Wissenschaftler Gerty Theresa und Carl Ferdinand Cori. Sie lernten sich während ihres Medizinstudiums an der Universität in Prag kennen. Nach ihrem Abschluss emigrierten sie Anfang der 1920er Jahre in die USA. Dort bekam Carl eine gute Stelle an der School of Medicine der Washington University in St. Louis, wohingegen seine Frau sich mit einem Assistenzjob in der Pathologie zufriedengeben musste. Auch wenn es Carls Arbeitgeber nicht guthießen forschte und publizierte das Paar erfolgreich gemeinsam und erhielt für seine Erforschung des Zuckerstoffwechsels im Jahr 1947 den Nobelpreis für Medizin.

Der bislang letzte Nobelpreis, der an ein Forscher-Ehepaar verliehen wurde, ging im Jahr 2014 an May-Britt und Edvard Moser. Bereits an der Universität in Oslo wählten sie als gemeinsames Thema die Erforschung des Gehirns. Später eroberten sie am University College London zwei Postdoc-Stellen im Labor des Neurowissenschaftlers John O'Keefe und schließlich gleichberechtigte Stellen als Assistenz Professoren an der Universität Trondheim. "Für Entdeckungen von Zellen, die ein Positionierungssystem im Gehirn bilden" und damit die räumliche Orientierung ermöglichen, wurden sie gemeinsam mit Ihrem Mentor John O'Keefe mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt.

Dass es nicht immer gleich der Nobelpreis - die höchste wissenschaftliche Auszeichnung - sein muss, belegen andere Paare, die im Doppelpack erfolgreich waren oder sind:

Hélène Esnault und Eckart Viehweg wurden 2003 mit dem Leibniz-Preis für Mathematik auf dem Gebiet der Algebraischen und Arithmetischen Geometrie ausgezeichnet. Um zusammen zu leben und gemeinsam forschen zu können, schlugen sie den Ruf vieler renommierter Universitäten aus, blieben in Essen und etablierten dort erfolgreich die Mathematische Fakultät.

Das derzeit bekannteste Forscher-Ehepaar ist wahrscheinlich Özlem Türeci und Ugur Sahin, die mit ihrer Firma BioNTech der mRNA-Technologie mit einem Covid-19-Impfstoff zum Durchbruch verholfen haben. Ursprünglich war BioNTech 2008 als Ausgründung der Universitätsmedizin Mainz entstanden mit dem Ziel neue und bessere Krebstherapien zu entwickeln.

All diese Beispiele - und wahrscheinlich noch viele weitere - kann man aus der Schublade ziehen, sollten sich im (Arbeits-)Leben Schwierigkeiten auftun, wenn die berufliche Nähe zum Partner als hinderlich angesehen wird. Als Paar und im Team auf Augenhöhe kann man Vieles bewegen. Passend dazu wird der Physiker Isaac Newton mit folgenden Worten zitiert:

Wenn ich weiter sehen konnte, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stand.
Isaac Newton (1643-1727)

» Artikel über "Dual Career Couples"

Autor: Anke Fähnrich


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