Analytik NEWS
Das Online-Labormagazin
19.08.2022

28.07.2022

Ab heute lebt die Welt über ihre Verhältnisse

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Erdüberlastungstag
Erdüberlastungstag 2022 (pixabay [CCO])
Der heutige Erdüberlastungstag soll uns ins Bewusstsein rufen, dass wir global unser Budget an Ressourcen für dieses Jahr erschöpft haben und alle weiteren Aktivitäten bis Jahresende zulasten der Umwelt gehen. Im englischen wird er als "Earth Overshoot Day" bezeichnet, weil die Menschheit heute ihr Ressourceneinkommen für 2022 aufgebraucht hat und sich deshalb bildlich gesprochen "Geld von der Bank" - also von der Erde - leihen muss. Diesen Zustand bezeichnet man als "overshoot".

Jeder kann etwas tun, diesen fatalen Trend umzukehren! Beruflich habe ich vor einem Jahr entschieden, das Thema Nachhaltigkeit im Internet anzugehen, mich weiterzubilden und dazu beizutragen, dass dieser wichtige Teilaspekt des Klimawandels endlich Gehör findet und nicht wie bisher unter dem Radar läuft. Analytik NEWS darf sich "klimabewusste Webseite" nennen, denn durch viele Maßnahmen wurden die CO2-Emissionen der Seite minimiert.

Die Resonanz in der Laborbranche für das Thema ist bisher eher überschaubar, denn natürlich gibt es immer wichtigere Dinge zu tun, als die Welt zu retten. Firmen präsentieren stolz "digitale SUV" als neue Webseiten und wenn man sie darauf hinweist, spielen sie die beleidigte Leberwurst. Oder sie denken, mit dem Kauf von CO2-Zertifikaten könnte man das alles ausgleichen.

Derartige Pressemeldungen erreichen uns immer öfter und werden natürlich nicht auf Analytik NEWS veröffentlicht. Denn das ist in der Regel reines Green Washing und zum Glück geht die Deutsche Umwelthilfe seit kurzem gerichtlich gegen Firmen vor, die sich teilweise sogar als "klimapositiv" bezeichnen, nur weil sie ihren CO2-Fußabdruck durch Zertifikate angeblich überkompensieren. Glaubt man der Deutschen Umwelthilfe, dann müsste Christian Lindner als Bundesfinanzminister nur 19 Milliarden Euro in diesem Jahr in Klimazertifikate investieren und Deutschland wäre auf einen Schlag klimaneutral. Und wir können uns alle weiteren Anstrengungen schenken! Genial? Nein, das wäre Green Washing und Betrug an der Natur im ganz großem Stil!

Niemand sollte sich daher von solchen Floskeln täuschen und sollte bei solchen Meldungen nachfragen, was das Unternehmen denn wirklich zur Reduktion von CO2-Emissionen getan hat. Denn Möglichkeiten dazu gibt es viele, nur ist es natürlich mühsamer, Prozesse zu ändern, nachhaltige Hardware anzuschaffen oder den Stromverbrauch zu senken.

Zum Thema Nachhaltigkeit im Internet und von Webseiten habe ich in den letzten Monaten verschiedene Artikel verfasst, Vorträge vor ganz unterschiedlichen Publikum gehalten und irgendwann auch meine "Filterblase" der Naturwissenschaft verlassen, um etwas zu bewegen. Dabei habe ich viele interessante und engagierte Menschen kennengelernt, die gute und praktikable Lösungsansätze entwickelt haben, wie das Internet nachhaltiger werden kann.

Ich habe mich mit einigen dieser interessanten Menschen zusammengetan, um unter dem Namen "web4nature" eine eigene Informations- und Aufklärungsplattform zu dem Thema aufzubauen. Außerdem durfte ich im bekannten Podcast "Search Camp (Folge 237)"der Agentur Bloofusion, der gerade veröffentlicht wurde, darüber berichten. Darüber hinaus wurde gerade ein Video mit Optimierungstipps für Webseiten im YouTube-Kanal von OMT von mir veröffentlicht. Es ist ein Extrakt meines dort kürzlich veröffentlichten Beitrags "Was nachhaltige Webseiten mit SEO zu tun haben". Und im August folgt ein ausführlicher Titelbeitrag in einer bekannten Fachzeitschrift.

Natürlich kann das alles nicht die Welt retten, aber jeder noch so kleine Beitrag jedes der inzwischen 8 Milliarden Erdenbürger hilft, den Erdüberlastungstag in Richtung 31.12. zu verschieben. In Deutschland war er übrigens schon am 4. Mai. Katar, der Ort der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft ist Schlusslicht dieser fatalen Statistik: Dort war es der 10. Februar, Tag 41 des Jahres! In Jamaica ist er am 20. Dezember, also fast dort, wo er sein sollte.

Die Auswertung des Global Footprint Network, die auf der Seite des Umweltbundesamts veröffentlicht wurde, ist insgesamt sehr interessant. Ich konnte bisher aber niemanden finden, der mir erklärt, warum unser Nachbarland Luxemburg mit dem 14. Februar auf dem vorletzten Platz liegt. Seit seit 2011 stagniert die Entwicklung mehr oder weniger. 1971 lagen wir global übrigens noch am 25. Dezember.

Das passende Zitat zum Erdüberlastungstag liefert aus meiner Sicht die bekannte Aphoristikerin Marie von Ebner Eschenbach mit ihrer eindeutigen Handlungsaufforderung:

Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)

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Autor: Dr. Torsten Beyer


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