Analytik NEWS
Das Online-Labormagazin
09.08.2022

07.07.2022

Kampf der Giganten - hart aber fair!

Teilen:


Pepsi, Coke und ihre Erfinder
Pepsi, Coke und ihre Erfinder (Collage[CCO])
Die beliebteste Limonade in Deutschland ist die Cola, wie Statista herausgefunden hat. Mehr als 32 Liter Cola und Cola-Mischgetränke trank statistisch gesehen jeder Deutsche im Jahr 2021.

Vor 191 Jahren, am 8. Juli 1831, wurde der Erfinder der ersten Cola, John Pemberton, in Georgia geboren. Der Apotheker litt, wie viele Menschen in Amerika Mitte des 19. Jahrhunderts, unter Morphiumsucht. Um deren Begleiterscheinung, die Kopfschmerzen, zu bekämpfen, mischte er einen Sirup, dem er unter anderem Auszüge der Kokapflanze und der Kolanuss beimengte.

Kokain, die alkaloiden Extrakte aus den Kokablättern, galt damals noch nicht als gesundheitsgefährdende Droge und der hohe Gehalt des aufgrund seiner anregenden Wirkung beliebten Koffeins in der Kolanuss war schon seit langer Zeit bekannt. Nach einigem Herumexperimentieren mit verschiedenen weiteren Zutaten meldete Pemberton sein Rezept für "Coca-Cola" 1887 zum Patent an. Die Mischung aus den berauschenden Zutaten, ergänzt mit Zucker, Aromen und verdünnt mit prickelndem Sodawasser, erfreute sich schnell großer Beliebtheit und wurde als Mittel gegen Kopfschmerzen, Müdigkeit und Depressionen angepriesen.

Wenige Jahre später und nur etwa 700 km entfernt, im US-Bundestaat North Carolina, mixte der 36 Jahre jüngere Apotheker Caleb Bradham ein ähnliches Gesundheitsgetränk, bestehend aus Kolanüssen und dem Verdauungsenzym Pepsin. Bradham vermarktete es als gesundheits-, weil verdauungsförderndes, Getränk zunächst unter dem Namen "Brad's Drink" und später unter dem noch heute üblichen Namen Pepsi-Cola.

Mittlerweile - mehr als 100 Jahre nach der Erfindung dieser beiden Getränke - sind weder Kokain noch Pepsin in den Limonaden enthalten. Kokain wurde schon 1914 als Zutat in Getränken und Lebensmitteln verboten, nachdem dessen Suchtgefahr erkannt wurde. Warum das Pepsin aus der Pepsi verschwand, ist nicht überliefert. Auch Inhaltsstoffe, die der Kolanuss entstammen, können nicht mehr nachgewiesen werden. Hier hat ein deutlich günstigeres, künstliches Koffein-Aroma gegenüber der aus Zentralafrika stammenden Zutat das Rennen gemacht.

Was übriggeblieben ist, ist eine mit Zuckerkulör gefärbte, koffeinhaltige, aromatisierte Limonade mit einem Zuckergehalt von etwa 35 Zuckerwürfeln pro Liter und einem Schuss Phosphorsäure, damit es nicht ganz so süß ist. - An ihrer Beliebtheit hat sich aber offensichtlich nichts geändert.

Kalorienbewusste Menschen haben seit 1982 die Möglichkeit, nach zuckerfreien Varianten zu greifen. Allerdings ist kalorienarm nicht gleichzusetzen mit gesund. Den künstlichen Süßstoffen werden viele Nebenwirkungen nachgesagt, von Heißhungerattacken, Übergewicht, erhöhtem Schlaganfallrisiko über Diabetes bis zur Demenz, wobei die Ergebnisse der unterschiedlichen Studien häufig weit auseinanderliegen.

Das Gerücht, dass sich ein über Nacht in Cola eingelegtes Steak auflöst, ist dagegen eindeutig widerlegt. Die Menge der in Cola enthaltene Phosphorsäure kann maximal den Zahnschmelz angreifen und die Kalziumaufnahme im Blut hemmen.

Der Konkurrenzkampf der beiden Marktführer Pepsi und Coke nahm in den 1970er und 1980er Jahren enorm zu, so dass er als "Cola-Krieg" sogar einen eigenen Wikipedia Eintrag bekommen hat. Trotz des Wettbewerbs ist der "Kampf der Giganten" fair geblieben. Getreu dem Motto des Aphoristikers KarlHeinz Karius:

Man sollte seine Konkurrenten stets im Blickfeld, aber nie im Fadenkreuz behalten.
KarlHeinz Karius (*1935)
zeigte der Pepsi Konzern im Jahr 2006 Größe, indem er den Versuch von Mitarbeitern des Coca-Cola Konzerns, Firmengeheimnisse an den Konkurrenten zu verraten, vereitelte. Die Begründung des ewigen Zweiten: Wettbewerb könne zwar böse sein, müsse aber immer legal und fair bleiben.

Diese Einstellung sollte sich mancher Kollege zu Herzen nehmen, der im Ellenbogenparcours auf der Karriereleiter unterwegs ist!

» PepsiCo vs Coca-Cola

» Mehr über kolahaltige Getränke

Autor: Anke Fähnrich


» Kommentieren