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Das Online-Labormagazin
08.12.2021

04.11.2021

Keine Angst vor Fehlern

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Bauklötze
Bild: pixabay [CCO]
Fehlerkultur - schon wieder so ein neuzeitliches Schlagwort, das die Runde macht. Sollen Fehler jetzt auch noch kultiviert werden? Bislang war doch die Vorgabe, sie zu vermeiden oder mindestens auszumerzen.

Fehlerkultur meint natürlich den Umgang mit Fehlern - den eigenen und denen der anderen. Und diesen lohnt es sich tatsächlich zu kultivieren. Denn Angst davor zu haben, Fehler zu machen, beeinträchtigt das Arbeitsverhalten massiv, kann bis zum Stillstand führen und damit die Entwicklung von Fortschritt oder Firmen ausbremsen.

Ist ein Fehler passiert, lautet die erste Frage in der Regel: "Wer war's?" und die hat meistens ein spontanes "Ich war's nicht!" zur Antwort. Auf diese Art und Weise kommt es leider nur selten zu einer schnellen Beseitigung oder Korrektur des Fehlers, sondern zunächst zu einer oft langwierigen Suche nach Gründen und Verursachern.

Deutlich sinnvoller ist die Frage: "Wieso ist dieser Fehler passiert?", denn dann hat der Verursacher die Chance, sich und die Umstände des Fauxpas zu erklären. Dadurch wiederum ist es deutlich einfacher, eventuell vorhandene Schwachstellen im System aufzuspüren und zu beseitigen, um weiteren Fehlern vorzubeugen.

So ähnlich funktioniert das Fehlermanagement beispielsweise im Silicon Valley, wo Fehler unter dem Aspekt "mache Fehler und generiere für andere Informationen daraus" betrachtet werden. Trial-and-Error auf hohem Niveau sozusagen. Dabei handeln schon Kleinkinder nach diesem Prinzip. Wer schon mal seinen Nachwuchs beobachtet hat, wie er Bauklötze zu möglichst hohen Türmen stapelt, wird mir beipflichten: Mit Engelsgeduld und Ausdauer haben bereits 2-Jährige herausgefunden, dass sich ein rundes Klötzchen überhaupt nicht als Fundament für den Turm eignet. Im Kindergartenalter haben sie diese Erkenntnis durch viele Versuche und ebenso häufiges Scheitern dann bereits so weit entwickelt, dass sie - vorausgesetzt es sind genügend Bauklötze vorhanden - in der Lage sind, einen Turm, so hoch wie sie selbst zu stapeln.

Parallel zum Bauklötze-Stapeln lernen wir aber in anderen Lebensbereichen auch, dass Fehler sanktioniert werden und manchmal richtig Ärger einbringen. Den möchte natürlich keiner bekommen und so trainieren wir uns den "ich war's nicht"-Reflex an und das Trial-and-Error-Prinzip gleichermaßen ab. Schade eigentlich, denn im Silicon Valley ist man damit bekannter Weise sehr erfolgreich.

Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.
Dietrich Bonhoeffer (1906-1945)
wird der Theologe Dietrich Bonhoeffer zitiert und liegt damit, wie ich finde, sehr richtig. Denn wer Angst haben muss, etwas falsch machen, der wird im Zweifel lieber nichts tun, als Gefahr zu laufen, einen Fehler zu begehen. Beispiele dafür gibt es zu Hauf. Sei es in der Schule, weil man nicht ausgelacht werden möchte, am Arbeitsplatz, um keinen Ärger mit dem Chef zu bekommen oder am Unfallort, aus Angst einen Fehler als Ersthelfer zu begehen.

Wie kann man das denn nun verhindern, wie eine "gute Fehlerkultur" lernen? Als Vorgesetzter hat man relativ viele Möglichkeiten auch das Verhalten seiner Mitarbeiter zu beeinflussen. Indem man selbst mit gutem Beispiel vorangeht, Kritik zulässt und Fehler nicht negiert, sondern diese eingesteht, korrigiert und sich gegebenenfalls entschuldigt. Auch Mitarbeitern oder Kollegen auf Augenhöhe statt von oben herab zu begegnen, ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Dabei bedeutet Fehlertoleranz nicht, einen Fehler unter den Teppich zu kehren, sondern ihn so zu vermitteln, dass sich das Gegenüber angespornt fühlt, für den Fehler geradezustehen und daraus zu lernen. So wie wir es mit dem Kleinkind halten würde, das übt, hohe Türme zu bauen: Keiner käme auf die Idee, es zu strafen, auszulachen oder vom Projekt abzuziehen, weil der Turm immer wieder umfällt. Eher würde man ihm Möglichkeiten aufzeigen, es anders - besser - zu versuchen.

Eigentlich wissen wir alle: Je früher ein Fehler eingestanden wird, umso weniger Folgekosten sind zu erwarten. Ist das nicht Grund genug, sich mit dem Fehlermanagement auseinanderzusetzen? Die Angst Fehler zu begehen verhindert Fortschritt und Erneuerung. Fehler und Irrtümer passieren eben - machen wir das Beste aus ihnen.

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Autor: Anke Fähnrich


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