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02.12.2021

21.10.2021

Friedenspreis vom Sprengstoff-Tycoon

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Nobelpreis-Medaille
Nobelpreis-Medaille [CCO]
Im Oktober wurden die Gewinner der diesjährigen Nobelpreise bekannt gegeben. Verliehen wird der Preis in den Kategorien Frieden, Medizin, Physik, Chemie und Literatur seit 1901 am 10. Dezember jeden Jahres - dem Todestag des Stifters und Namensgebers Alfred Nobel.

Über das Prozedere zur Nominierung und Vergabe des Nobelpreises, sowie über die Preisträger wird immer viel berichtet. Aber wer war eigentlich der noble Herr, dem der wohl renommierteste Preis weltweit seinen Namen verdankt?

Alfred Nobel wuchs in sehr wohlhabenden Verhältnissen auf, genoss beste naturwissenschaftliche Ausbildung und verbrachte schon früh viel Zeit in verschiedenen europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten. Während dieser Zeit lernte er das vom italienischen Chemiker Ascanio Sobrero entdeckte Nitroglycerin kennen, das ihn sehr faszinierte. Schließlich ist dieser hochexplosive Stoff ein Reaktionsprodukt aus langweiligem Glycerin und einem ebenso unspektakulären Gemisch aus Schwefel- und Salpetersäure.

Sobrero war dieser Stoff zu heikel, um damit weiter zu experimentieren und er überließ Alfred Nobel das Feld der weiteren Forschung und die wirtschaftliche Verwertung seiner Entdeckung. Erst nach vielen Versuchen mit teilweisen verheerenden Folgen, die unter anderem Nobels jüngeren Bruder das Leben kosteten, wurde ein Weg gefunden, den explosiblen Stoff zu handhaben. Ob zufällig oder mittels Experimenten, daran streiten sich die Geister. Fakt ist, dass es mit Hilfe von Kieselgur, das eigentlich als Dämmstoff für die Lagerung der Sprengölbehälter gedacht war, möglich wurde, Nitroglycerin verhältnismäßig gefahrlos zu transportieren und zu handhaben. - Die Geburtsstunde des Dynamits. Unter diesem Namen nämlich ließ sich Alfred Nobel seine Erfindung patentieren und verdiente sich neben einem beachtlichen Vermögen auch viel Anerkennung und Kritik.

Dynamit und seine Folgen

Vorgeblich wollte Nobel den Berg- und Straßenbau revolutionieren. Wahrscheinlich wären Großprojekte wie der Bau des Pananakanals oder des Gotthardtunnels Ende des 19. Jahrhunderts ohne den Einsatz von Dynamit auch nicht so ohne weiteres möglich gewesen. Die Schattenseite seiner Erfindung - der militärische Einsatz - brachte Alfred Nobel allerdings allein im deutsch/französischen Krieg ein ungeheures Vermögen ein, indem seine Firmen beide Kriegsparteien belieferten. Nachdem sich auch Terroristen, beispielsweise beim tödlichen Attentat auf den russischen Zaren Alexander II., immer häufiger des Dynamits bedienten, um Anschläge zu verüben, wurde der Umgang damit in vielen Staaten streng reglementiert und überwacht.

Krieg und Frieden

Auf der einen Seite wurde Alfred Nobel durch Geschäfte mit Waffenfabrikanten und Kriegsmächten einer der reichsten Männer seiner Zeit. Auch wird ihm nachgesagt, dass er sich, dem Zeitgeist folgend, nicht für den Schaden und das Leid, die seine Erfindung verursachten, verantwortlich fühlte. Auf der anderen Seite zählte die Pazifistin und Friedensaktivistin Bertha von Suttner zu seinen engsten Freunden. Mit ihr pflegte er einen intensiven Briefwechsel und besuchte inkognito Friedenskongresse.

Vielleicht wurde er ja doch geläutert, überzeugt oder zumindest von dem Leid bringenden Einsatz seiner Erfindung beeinflusst. Wie sonst ist es zu erklären, dass er kurz vor seinem Tod testamentarisch verfügte, dass mit seinem immensen Vermögen (355 Patente, 90 Fabriken in 20 Ländern und 33 Millionen Schwedenkronen) eine Stiftung gegründet werden solle, die aus den Zinsen Preise an diejenigen verleiht, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben." Der Nobelpreis wurde an seinem fünften Todestag erstmals verliehen.

Für den Frieden oder den Gewinn?

Was Alfred Nobel tatsächlich über Frieden und das Geldverdienen dachte und wo seine Prioritäten lagen, können wir heute nicht mehr herausfinden. So schrieb er 1891 an Bertha von Suttner: "Vielleicht werden meine Fabriken dem Krieg schneller ein Ende setzen als deine Friedenskongresse: An dem Tag, an dem sich zwei Armeen gegenseitig innerhalb von Sekunden vernichten können, werden alle zivilisierten Nationen gewiss von Schrecken erfüllt ihre Truppen zurückziehen." Kaufte Nobel, dessen Vater bereits mit großem Erfindergeist Maschinen zur Kriegsführung wie Schnellfeuergewehre und stationäre Seeminen entwickelt hatte, also aus rein pazifistischen Gründen nur drei Jahre nach besagtem Brief an von Suttner den schwedischen Rüstungsbetrieb Bofors?

Nun starb Nobel bereits kurz vor dem ersten Weltkrieg und konnte nicht feststellen, dass er mit seiner Theorie ziemlich daneben lag. Allerdings hat auch der zweite Weltkrieg namhafte Politiker nicht davon überzeugen können, dass ein Gleichgewicht des Schreckens nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Und ob dieser Gedanke richtig oder falsch ist, daran scheiden sich auch heute noch die Geister der Waffenfabrikanten und Friedensaktivisten. Oder mit den Worten des österreichischen Schriftstellers Albert von Trentini ausgedrückt:

Wirklichkeit und Möglichkeit, wie die zwei Seiten einer und derselben Münze bedingen sie einander; beide zusammen allein sind die Münze.
Albert von Trentini (1878-1933)

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Autor: Anke Fähnrich


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