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20.10.2020

15.10.2020

Wie gewinnt man einen Nobelpreis?


Alfred Nobel Platte
Alfred Nobel Platte (Pixabay [CCO])
Anfang Oktober jedes Jahres blicken Wissenschaftler aus aller Welt nach Stockholm und Oslo, wo die seit 1901 die Nobelpreise in den Kategorien Physik, Chemie, Medizin, Literatur, Wirtschaft und Frieden verkündet werden.

Nach dem Willen des schwedischen Unternehmers Alfred Nobel soll er "als Preis denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". Das Preisgeld wird in gleicher Höhe an die fünf genannten Bereiche vergeben und liegt aktuell bei 870.000 Euro.

Der Wirtschafts-Nobelpreis wurde übrigens nicht von Alfred Nobel, sondern von der Schwedischen Nationalbank gestiftet und wird seit 1969 vergeben.

Es werden maximal drei Preisträger pro Kategorie ausgezeichnet, die zum Zeitpunkt der Verkündung noch leben. Darüber hinaus müssen die prämierten Leistungen bereits in einem wissenschaftlichen Journal publiziert sein. Vorschlagsberechtigt sind unter anderem frühere Preisträger sowie die Mitglieder des jeweiligen Nobelkomitees, der Akademie der Wissenschaften sowie Professoren der jeweiligen Fachrichtung an bestimmten skandinavischen Universitäten. Vorschläge für das aktuelle Jahr müssen bis zum 31. Januar eingereicht sein.

Natürlich sind solche Preisvergaben immer subjektiv, wie in allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens, und bestimmt spielt auch immer Lobbyarbeit bei den Vorschlagsberechtigten Personen und eine sehr gute Vernetzung in der Wissenschaftswelt eine Rolle. Wichtig ist sicher auch, in englischer Sprache und in einem möglichst frühen Stadium der Arbeiten zu publizieren, denn es werden immer die ersten ausgezeichnet, die etwas zu einem bahnbrechenden Thema veröffentlicht haben. Das Risiko, dass andere Forscher auf den Zug aufspringen und einen überholen, muss man dabei einkalkulieren. Und sicher braucht man wie bei der Berufs- und Partnerwahl wie so oft im Leben auch einfach Glück, zur rechten Zeit die richtige Forschung zu betreiben!

Die Akten, wer nominiert war und wer warum ausgezeichnet wurde, bleiben übrigens 50 Jahre unter Verschluss und sind auch danach nur sehr eingeschränkt zu Forschungszwecken zugänglich. Das tut der Begeisterung aber keinen Abbruch und der Nobelpreis ist die wertvollste Auszeichnung, die ein Wissenschaftler erhalten kann.

Den Rekord, der aus den bisher veröffentlichten Unterlagen ermittelt wurde, hält übrigens der französische Immunologe Ramon Gaston mit 155 Nominierungen im Zeitraum zwischen 1930 und 1955. Er entwickelte die ersten Impfstoffe gegen Diphtherie und Tetanus, erhielt den Medizin-Nobelpreis allerdings nie.

Im Jahr 2011 wurde Ralph Steinman als Preisträger für Medizin verkündet. Er war ein paar Tage zuvor gestorben, ohne dass das Komitee davon wusste und wurde daher trotzdem ausgezeichnet.

Der Kanadier Oswald Avery entdeckte Mitte des 20. Jahrhundert, dass die DNA der Träger des Erbguts ist. Trotz zahlreicher Nominierungen zögerte das Vergabekomitee viele Jahre und Avery starb, bevor er für diese zweifelsohne bahnbrechende Erkenntnis mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Sicher hätten teilweise andere Forscher als die ausgezeichneten den Preis auch verdient gehabt, aber sie haben ihre Forschungen vielleicht nicht, zu spät oder in der falschen Sprache publiziert oder man erkannte den Wert ihrer Arbeit erst nach ihrem Tod. Das folgende Zitat beschreibt vielleicht ganz gut, was die wichtigste Zutat für eine preiswürdige Forschungsarbeit ist:

Je weiter das Experiment von der Theorie entfernt ist, desto näher ist es am Nobelpreis.
Irène Joliot Curie (1897-1956)

Irène Joliot-Curie erhielt zusammen mit Ihrem Ehemann Frédéric den Chemie-Nobelpreis für die Entdeckung der künstlichen Radioaktivität. Der Name Curie taucht insgesamt fünfmal in der Preisträgerliste auf bei nur drei Auszeichnungen, da auch ihre Mutter Marie gemeinsam mit Ihrem Mann Pierre und Henri-Antoine Becquerel 1903 den Physik-Nobelpreis für die Entdeckung der Radioaktivität erhielt. Zusätzlich wurde Marie Curie 1911 mit dem Chemie-Nobelpreis für die Entdeckung des Elements Polonium ausgezeichnet. Das ist ein Familien-Rekord, der sicher nie mehr gebrochen werden wird. Außerdem ist Marie Curie die einzige Frau, die zwei Nobelpreise gewann und das sogar in unterschiedlichen Fächern. Das schaffte außer Ihr nur Linus Pauling.

Leider erlebte Marie Curie den Triumpf ihrer Tochter nicht mehr, da sie 1934 an den Folgen der radioaktiven Strahlung starb, der sie im Laufe ihres Lebens ausgesetzt war. Das gleiche Schicksal ereilte auch Irène und ihren Ehemann in den 1950er Jahren. Das nennt man dann wirklich ein Leben ganz im Dienste der Forschung und ohne Rücksicht auf Verluste oder die eigene Gesundheit ...

» Der Nobelpreis (Wikipedia)

» Unerfüllte Träume vom Nobelpreis Verkannt, verkracht, verspätet

» Nobelpreisträger: Die Familie Curie

Autor: Dr. Torsten Beyer


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