Header
Das Online-Labormagazin
24.10.2021

08.07.2021

Smartphones sind moderne Goldminen!

Teilen:


Alte Handys
Alte Handys (Pixabay [CCO])
Ich beschäftige mich seit mehreren Jahren mit dem Thema Klimawandel und welche Auswirkungen das Internet und die Digitalisierung darauf haben und zukünftig haben werden. Leider läuft das Thema immer noch weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit, weil die meisten Leute beim Thema Klimawandel primär an die Problemfelder Industrie, Kohlekraftwerke, Auto- und Flugverkehr oder Wärmedämmung denken.

Das sind natürlich momentan die Haupttreiber, bei denen wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten einige Fortschritte bei der Reduktion klimaschädlicher CO2-Emissionen erreicht haben, die hauptsächlich dem vermehrten Einsatz regenerativer Energien zu verdanken sind.

Wenn man sich Internet- und IT-Technik im Speziellen anschaut, so ist es vielleicht überraschend, dass nur 55 Prozent des Stromverbrauchs auf den Betrieb von Endgeräten, Netzwerken und Rechenzentren zurückzuführen ist. Der Rest entfällt auf die Herstellung von Smartphones, Tablets, Computer, Fernseher Router, Kabel etc., wie in einer Studie von "The Shift Projekt" aus dem Jahr 2018 nachzulesen ist.

Wenn wir nur das Smartphone herausgreifen, so hat statistisch gesehen jeder Bundesbürger 2,5 Altgeräte zuhause in der Schublade liegen, die defekt sind oder die er nicht mehr nutzt, weil es doch wieder sofort das neueste Modell sein musste.

Wenn man außerdem berücksichtigt, dass in Deutschland pro Jahr 1 Million Tonnen Elektroschrott nicht recycelt werden, weil es (noch) nicht wirtschaftlich ist, wird jedem sehr schnell klar, dass sich ein so rohstoffarmes Land wie das Unsere, das auf Dauer nicht mehr leisten können wird. Gerade auch, um die problematische Gewinnung der Rohstoffe in Afrika und Südamerika zu verhindern und eine weitere Abhängigkeit von China, wo zumeist die Weiterverarbeitung der Rohstoffe zu Smartphones erfolgt.

Wenn man sich vor Augen führt, dass in einem modernen Handy 53 unterschiedliche Metalle verbaut sind, wird die Dimension offensichtlich. Auf der Webseite "Faszination Rohstoffe" führen die Autoren aus, dass die Metalle in einem Handy einen Materialwert von 1,11 Euro haben, von den alleine 81 Cent auf das darin enthaltene Gold entfallen. Das klingt erst mal wenig, aber wenn wir aus den 200 Millionen ungenutzten Handys alleine in Deutschland nur das Gold zurückgewinnen würden, ergäbe sich ein Materialwert von 162 Millionen Euro! Unglaublich, aber wahr. Was mögen wohl alle ungenutzten Handys dieser Welt einbringen?

Vor diesem Hintergrund wird unser Zitat der Woche umso anschaulicher. Herbert Köpnick, Ministerialbeamter im Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, widerlegt nämlich mit seinem folgenden Bonmot das Vorurteil, dass Politiker Dinge oft nicht auf den Punkt bringen können. Er hat zu dem Thema treffend festgestellt:

Das Handy ist das Filetstück des Elektroschrotts.
Herbert Köpnick (*1976)

Das Originalzitat, das ich in einer Handlungsempfehlung des NABU zum Thema "Handy-Recycling" gelesen habe, geht noch mit dem Satz "Ich kenne kein anderes Gerät, das auf so kleinem Raum so viele wichtige Rohstoffe anhäuft." weiter, den man meiner Meinung nach aber gar nicht mehr braucht, weil er jedem Wissenschaftler sowieso auf der Zunge liegt, wenn er das Zitat das erste Mal hört.

Die Medaillen für die anstehenden und nicht unumstrittenen Olympischen Spielen in Tokio werden übrigens komplett aus Elektroschrott von Althandys und Computerplatinen hergestellt. Ein schönes Symbol, das zeigt, wie Recycling funktionieren kann. Diese Art der Materialrückgewinnung müsste überall Standard werden!

» Zehn Gründe, dein Alt-Handy zu recyceln

» Elektroschrott um den Hals: Olympia-Medaillen aus recyceltem Material

Autor: Dr. Torsten Beyer


» Kommentieren