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Das Online-Labormagazin
20.09.2021

27.05.2021

Was lernt die Welt aus dieser Pandemie?

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Ein 13-köpfiges unabhängige Expertengremium hat im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) während der letzten 8 Monate einen Bericht erstellt, in dem die ergriffenen Maßnahmen zur Verhinderung der COVID-19-Pandemie untersucht wurden. Er hat es in sich, denn die Ergebnisse sind eine schallende Ohrfeige für die westliche Welt. Wahrscheinlich hat man deswegen hier kaum etwas darüber in den Medien gehört. In Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika wird er sicher viel Beachtung finden.

Im Internet sind eine Kurzfassung (7 Seiten) und eine Langfassung (86 Seiten) verfügbar. Dazu ein 74-seitiges Dokument, das 13 entscheidende Momente beschreibt, die den Verlauf der Pandemie geprägt haben. Dort kann man - leider nur in englischer Sprache - viele interessante Fakten lesen, die in der allgemeinen Lockerungseuphorie in unseren Breiten doch nachdenklich stimmen:

  • Schutzkleidung
    Schutzkleidung (Pixabay [CCO])
    Bisher gab es 150 Millionen gemeldete Infektionen und 3 Millionen Tote, wobei die Dunkelziffer unbekannt ist.
  • Die geschätzten globalen Gesamtkosten bis Ende 2025 liegen bei 22 Billionen US-Dollar.
  • Im Jahr 2020 gab es für 90 Prozent der Schulkinder weltweit keinen geregelten Unterricht.
  • Im ersten Jahr der Pandemie sind mindestens 17.000 Mitarbeiter im Gesundheitssystem an einer Infektion gestorben.
  • Durch die Pandemie sind 100 Millionen Meschen zusätzlich in extreme Armut geraten.

Keine Überraschung ist, dass Corona vor allem Ärmere und Benachteiligte getroffen hat, denn das ist bei allen Infektionskrankheiten der Fall. Die Kernaussage des Gremiums trifft einen dann aber schon ins Mark: Die Pandemie wäre zu verhindern gewesen bei entschlossenerem und koordinierterem Handeln der Politik im Februar 2020, stattdessen verfielen etliche Länder in eine Art Schockstarre. Es wurde zu spät vor der Mensch-zu-Mensch-Ansteckung gewarnt. Außerdem wurden viel zu langsam Test- und Nachverfolgungssysteme aufgebaut und es gab kaum Schutzausrüstung für medizinisches Personal. Das alles hatte viele überflüssige Todesfälle zur Folge und schädigt die Weltwirtschaft so nachhaltig, dass die Folgen uns noch viele Jahre beschäftigen werden.

Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass man im Nachhinein immer schlauer ist, aber wenn man auf die Erfahrungen asiatischer Länder wie Südkorea und Singapur mit SARS-CoV-1 in den Jahren 2002 und 2003 geblickt hätte, wären die Folgen weitaus geringer gewesen. Von daher bleibt zu hoffen, dass die westliche Welt daraus lernen und für die nächste Pandemie die richtigen Schlüsse zieht und Vorkehrungen trifft. Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass sich die WHO zunächst auch sehr schwergetan hat, sich auf eine Pandemie zu einigen und daher auch für die nächste Gesundheitskrise lernen muss.

Wir vergessen auch leicht, dass die aktuelle Corona-Pandemie erst beendet sein wird, wenn auch die vielen Milliarden Menschen in Entwicklungsländern in ausreichendem Maße geimpft sein werden. Die Wissenschaft streitet sich ja immer noch über die Corona-Sterblichkeit (1,4 versus 3,02 Prozent), aber das wird man wahrscheinlich nie genau ermitteln können, weil die Datenlage zu unsicher ist und auch die Auswertung nicht standardisiert ist. Ich will mir die globale Situation im Gesundheitssystem gar nicht vorstellen, wenn irgendwann ein 5- bis 10-mal ansteckenderes Virus wütet und sich rasend schnell über den gesamten Globus verbreiten würde.

Von daher müssen die Lösungen für die drei großen Themen der Zukunft - Pandemien, Klimawandel und Umweltverschmutzung - grundlegend neu und global gedacht werden. Insellösungen und Abschottung werden in allen drei Fällen nicht funktionieren, das muss allen klar sein. Andernfalls stellt sich irgendwann die von Albert Einstein formulierte, grundlegende Existenzfrage:

Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.
Albert Einstein (1879-1955)

» COVID-19: Make it the Last Pandemic (Main Report and Background Documents)

» Unstatistik vom 25.02.2021: Verwirrende Zahlen zur Coronasterblichkeit

Autor: Dr. Torsten Beyer


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