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Das Online-Labormagazin
22.06.2021

06.05.2021

Plädoyer für den Müßiggang


Fauliter
Bild: pixabay [CCO]
Endlich mal wieder gar nichts tun! Faul in der Sonne oder auf dem Sofa liegen und den Tag ereignislos an sich vorüberziehen lassen. Ach, wäre das schön! Mit solchen oder ähnlichen Gedanken sitzt oder saß bestimmt jeder immer mal wieder vor einem Berg anstehender Aufgaben oder vor dem überfüllten Schreibtisch. Meist kommen sie einem in den Sinn, wenn der letzte Urlaub schon geraume Zeit zurück und der nächste noch in weiter Ferne liegt.

Ist es dann endlich so weit und der ersehnte Urlaub in greifbare Nähe gerückt, sind die verbleibenden Tage oft besonders hektisch und vollgepackt mit Dingen, die noch schnell beendet, vorbereitet oder erledigt werden müssen, bis man endlich den Urlaub beginnen und dem Nichtstun frönen kann. Besser gesagt, dem Nichtstun frönen könnte - denn wie schon der britische Schauspieler und Schriftsteller Noël Coward gesagt haben soll:

Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.
Noël Coward (1899-1973)

Anstatt die freie Zeit zu genießen und müßig in den Tag zu leben, wird jede Minute dieser Tage akribisch verplant. Schließlich will man seinen Urlaub ja nicht vergeuden, sondern richtig auskosten und etwas erleben.

Schade eigentlich, denn so ein "ungenutzter" fauler Tag kann hervorragend dazu beitragen, den im Alltag oft strapazierten oder leergelaufenen persönlichen Akku wieder aufzuladen. Es muss ja nicht gleich während des ganzen Urlaubs gefaulenzt werden. Meist reicht schon ein Wochenende, an dem der Hausputz und andere lästigen Begleiterscheinungen ignoriert werden, man keine Freunde empfängt oder Ausflüge plant. Ein Wochenende, an dem der Schrittzähler der Smartwatch am Ende des Tages vermutet, man habe ihn im Badezimmer liegen lassen, weil die einzigen Schritte, die gelaufen wurden, vom Bett zum Sofa und zur Gartenliege geführt haben. - Herrlich!

Vielleicht ist es nicht für jeden nachvollziehbar und manch einen mag schon der bloße Gedanke an so einen "verplemperten" Tag ganz nervös machen. Ich für meinen Teil kann es nur jedem empfehlen, ab und zu mal Seele und Körper baumeln zu lassen und alle smarten Geräte zu verbannen. Oft entspringen aus dem Nichtstun kreative Ideen, Lösungen für alte Probleme oder neuer Tatendrang, der einem Schwung für die nächste Zeit verleiht. Dabei ist es jedem frei, darüber zu bestimmen, wie lange die Zeit des Nichtstuns dauern soll. Darüber kann man auch gar keine konkrete Aussage machen. Denn der Nachteil am Nichtstun ist, dass man nie weiß, wann man fertig ist.

» Buchtipp: Muße - Vom Glück des Nichtstuns

Autor: Anke Fähnrich


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