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21.04.2021

25.03.2021

Irren ist wissenschaftlich


Irrtum nicht ausgeschlossen
Bild: pixabay [CCO]
In der Forschung lassen sich Fehler nicht vermeiden. Schließlich liegen den allermeisten Forschungsvorhaben und Studien Annahmen zugrunde, die sich eben auch als falsch herausstellen können. Manchmal werden sie auch im Laufe der Zeit widerlegt oder von neuen Erkenntnissen abgelöst.

Das ist beileibe kein neues Phänomen. Schon immer zogen Wissenschaftler Schlussfolgerungen - nicht immer die richtigen. So postulierte der englische Astronom Edmund Halley 1692 die Hohlerde-Theorie auf Grundlage einer gerade veröffentlichten Arbeit Isaac Newtons.

Dieser hatte die Masse von Mond und Erde berechnet, wobei ihm allerdings ein Fehler unterlaufen war. Ausgehend von der allgemeinen Ansicht, alle Materie der Planeten und Monde hätte die gleiche Dichte und der Überzeugung, dass ein Fehler Newtons auszuschließen sei, folgerte Halley, dass ein Teil der Erde hohl sein müsse. Dass diese Annahme falsch war, ist mittlerweile allseits bekannt.

Auch in der jüngeren Vergangenheit gab es Fehleinschätzungen, wie im Jahr 1989 der vermeintliche Nachweis der sogenannten "Kalten Fusion". Die Chemiker Martin Fleischmann und Stanley Pons nahmen an, dass die Kernfusion, wie sie in der Sonne stattfindet, im Labor mit einfachen Mitteln nachgestellt werden könne, ohne auf Fusionsreaktoren zurückgreifen zu müssen. Dies löste Begeisterungsstürme aus. Zahlreiche Wissenschaftler und staatliche Stellen forschten nach Veröffentlichung dieser Theorie an der Entwicklung dieser mutmaßlich unerschöpflichen Energiequelle. Und obwohl in der Veröffentlichung von Fleischmann und Pons bereits kurze Zeit später Fehler gefunden wurden und deren Experiment nie nachgestellt werden konnte, forschen bis heute Wissenschaftler an der "Kalten Fusion".

Am Beispiel unserer Ozonschicht kann man zudem deutlich machen, wie langfristig wissenschaftliche Themen betrachtet und untersucht werden müssen - und wie sich dabei die Annahmen und Schlussfolgerungen ändern. Seit nunmehr 40 Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler mit der schützenden Hülle unseres Planeten und stoßen immer wieder auf neue Ergebnisse.

Als in den 1980er Jahren entdeckt wurde, dass vor allem FCKW die Ozonschicht nachhaltig schädigen und Ozonlöcher über der Antarktis verursachen, prophezeiten einige Wissenschaftler und Journalisten apokalyptische Zustände schon in den nächsten Jahrzehnten.

Eine Studie unter Beteiligung des Massachusetts Institute of Technology gab im Jahr 2016 Entwarnung und schlussfolgerte: "Nach Berücksichtigung von Dynamik, Temperatur und vulkanischen Faktoren zeigen die hier vorgestellten Ergebnisse, dass sich eine Heilung des antarktischen Ozonlochs abzeichnet." Leider gab es bereits Ende 2020 ein erneutes, rekordverdächtig großes Ozonloch zu vermelden.

Wissenschaft ist nie frei von Irrtümern. Entscheidend ist aber, dass immer die Möglichkeit besteht, diese Fehler zu korrigieren. Aber nicht nur in der Wissenschaft geschehen Irrtümer. Gleiches gilt in der Politik oder im privaten Bereich: es ist wichtig, Irrtümer zu erkennen und zu korrigieren. Oder mit den Worten des französischen Schriftstellers und Dadaisten Francis Picabia ausgedrückt:

Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.
Francis Picabia (1879-1953)

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Autor: Anke Fähnrich


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