Header
Das Online-Labormagazin
18.06.2021

21.01.2021

Man bekommt nichts geschenkt, auch nicht im Internet!


Privatsphäre
Pixabay [CCO]
Im Internet wimmelt es von Angeboten, bei denen ich nach Angabe persönlicher oder beruflicher Daten bzw. der erzwungenen Zulassung von Cookies etwas kostenlos erhalte, das mir sonst entgehen würde. Zumindest suggerieren mir die Anbieter das.

Da gibt es zum Beispiel die vielen tollen Whitepaper, Checklisten oder Applikationen, die mir auf Webseiten oder in Newslettern zum Download angeboten werden, wenn ich zumindest meine berufliche Mailadresse, oft sogar die komplette Firmenadresse, angebe. Bei dilettantischer Umsetzung solcher Formulare kann man irgendwelche Fantasie-Angaben machen und wird danach auf den heißersehnten Download-Link weitergeleitet. Nur die wenigsten Anbieter versenden den Link an die angegebene Mailadresse, wahrscheinlich weil Ihnen das entsprechende technische Know-how fehlt oder alle außer mir immer brav die korrekten Daten eintippen.

An virtuellen (Labor)Messen darf ich kostenlos als Besucher teilnehmen, wenn ich vorher zustimme, dass alle Unternehmen, deren Stand ich besuche und dort irgendetwas ansehe, anfordere oder einen Vortrag anhöre, automatisch meine komplette Firmenadresse erhalten. Das ist natürlich alles DSGVO-konform und vielleicht sogar mein Wunsch. Allerdings fehlt mir die Möglichkeit, mich einfach nur unverbindlich umzusehen. Das Preisgeben meiner Daten lässt sich aber fast immer leicht umgehen, indem ich die gewünschten Informationen kurz googele oder mich einfach direkt auf der Webseite des Anbieters informiere, in der Hoffnung, dort nicht gleich alle Kontaktdaten preisgeben zu müssen. Vorträge findet man auch oft dort bzw. auf YouTube. Oder ich registriere mich mit Fake-Accounts, da die Eingaben in der Regel gar nicht überprüft werden. So mancher Aussteller bekommt auf diese Weise ganz merkwürdige Adressdaten, mit denen er nichts anfangen kann.

Viele, aber längst nicht mehr alle Medienseiten und Online-Portale, zwingen mich dazu, in die Speicherung von Cookies einzuwilligen, die teilweise an Hunderte "Dienste" weitergeleitet werden, um mich dann im weiteren Verlauf meiner Browser-Sitzung mit personalisierter Werbung zu erfreuen, weil sie "sonst finanziell nicht überleben könnten". Alternativ kann ich ein kostenpflichtiges Abo abschließen, um Werbung zu vermeiden oder vermeintlich "exklusive" Inhalte zu sehen. Wer das nicht möchte surft im "Private Modus" des Browsers, löscht nach jeder Sitzung alle Cookies oder googelt die "exklusive" Information und kann sie ohne Abo oder Beschränkung konsumieren.

Die Krone der Datensammler und -aggregierer sind die sozialen Netzwerke. Hier schenkt man mir einen Account mit vielen tollen Features, damit der Anbieter des Netzwerkes seinen Werbekunden absolut passgenaue Werbekampagnen für "finanzkräftige Singles zwischen 60 und 65 Jahren, die im letzten Jahr in der Karibik Urlaub gemacht haben" und abertausende anderer Zielgruppen zu ermöglichen, weil sie unsere Daten ja als Gegenleistung zur Nutzung des Netzwerkes erhalten haben. Auch daran ist natürlich nichts Verwerfliches, denn ich bekomme wirklich ein tolles Produkt geboten, mit dem ich extrem viel machen kann. Leider gibt es hier oft keine kostenpflichtige Version mit uneingeschränkter Privatsphäre, wahrscheinlich, weil der Markt dafür (noch) gar nicht existiert.

Ich könnte diese Liste beliebig fortsetzen, beispielsweise mit Google Analytics, Gewinnspielen, Incentive-Programmen und vielem mehr, denn das Prinzip ist immer das gleiche: alle angesprochenen Dienstleistungen sind nicht kostenlos, weil ich mit meinen persönlichen Daten bezahle oder schlimmstenfalls mit der Preisgabe meiner kompletten Privatsphäre. Aber das vergessen viele bei all der Euphorie wegen des Gratisangebots oder es ist ihnen schlichtweg egal, was bei einem Hack fatale Folgen haben kann.

Der US-amerikanische Physiker, Informatiker, Experte für Kryptografie und Autor mehrerer Bücher zum Thema Computersicherheit, Bruce Schneier, hat das - wie ich finde - sehr schön in einem Satz auf den Punkt gebracht:

Wenn etwas kostenlos ist, dann sind Sie nicht länger der Kunde - Sie sind das Produkt.
Bruce Schneier (*1963)

» Mehr über Bruce Schneier

Autor: Dr. Torsten Beyer


» Kommentieren