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Das Online-Labormagazin
29.10.2020

08.10.2020

Faule Ausreden


Tu es!
Bild: Roland Steinmann (Pixabay [CCO])
Ausreden hat jeder schon einmal benutzt. Sei es, um einen Zeitaufschub herauszuholen, über Unzulänglichkeiten oder Fehler hinwegzutäuschen oder als Notlüge, um das Gegenüber nicht zu brüskieren oder zu verunsichern.

So kann man uninteressante Gespräche schon mal mit einem nervösen Blick auf die Uhr und der vorgeschobenen Bemerkung über einen bevorstehenden Termin abkürzen und ungeliebte Aufgaben mit einem Verweis auf die bereits übervolle Schreibtischablage vermeiden.

Nicht nur Irren, sondern auch Ausreden benutzen ist menschlich. Aber wie bei so vielem gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Mit Personen, die immer mit Ausreden daher kommen möchte niemand auf Dauer zusammenarbeiten.

Beispielsweise Kollegen, die sich ständig aus der Verantwortung stehlen, weil sie "so viel zu tun haben", die man aber regelmäßig auf dem Flur oder in der Teeküche beim intensiven Austausch von Firmenklatsch antrifft. Oder Menschen, die leider keine Zeit zum Helfen haben, sich später aber damit brüsten, wie schön der freie Nachmittag gewesen sei. Einzugestehen "Ich habe keine Lust" hinterlässt eben nicht so einen guten Eindruck wie "Ich habe leider keine Zeit".

Am unangenehmsten finde ich allerdings diejenigen, die Ausreden benutzen, um sich Ärger von Hals zu halten, den sie durch ihr Verhalten selbst verursacht haben. Einige Zeitgenossen nehmen es eher in Kauf, dass die gesamte Abteilung oder Arbeitsgruppe gerügt wird, bevor sie eingestehen, an einer Misere - zumindest anteilig - Schuld zu sein. Oft genug wird ihnen von loyalen Mitmenschen auch noch der Rücken gestärkt, weil diese zu höflich sind, um den Kollegen zu verpetzen. "Ich habe doch nur...", "Das war schon so...", "Das war so vorgegeben..." sind nur einige Satzeinleitungen, die typisch sind für diese Art von Ausflüchten. Oder wie der Chemiker und Aphoristiker Quadbeck-Seeger zu sagen pflegt:

An ihren Ausreden sollt ihr sie erkennen.
Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger (*1939)

Ich könnte / würde / hätte / wäre sind ebenfalls oft gebrauchte Floskeln, die Ausreden ankündigen. Für diese Fälle beschreibt Bernard Roth, Professor der Stanford University, in seinem Buch "The Achievement Habit: Stop Wishing, Start Doing, and Take Command of Your Life" Vorgehensweisen, wie man es schafft, endlich aufzuhören Ausreden zu nutzen um sich zu rechtfertigen. Mit dem veränderten Verhalten könne man sogar besseres Selbstvertrauen gewinnen. Sein Tipp: Design thinking. Die Idee lautet kurzgefasst: Tausche "aber" gegen "und" und "ich muss" gegen "ich will" und alles geht leichter. Einen Versuch wäre allemal wert - wenn ich nicht gerade so viel zu tun hätte ...

» Mehr über "Design Thinking"

» Buchtipp: The Achievement Habit

Autor: Anke Fähnrich


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