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Das Online-Labormagazin
25.09.2020

27.08.2020

Ich bin ich - und das ist gut so


Ich
Bild: Thirunavukkarasye
Raveendran
[CC BY 4.0]
Im Laufe der Ausbildung und des Berufslebens geraten wir immer wieder in Situationen, in denen wir uns mit unseren Stärken und Schwächen auseinandersetzen müssen. Wenn es gut läuft und wir es mit empathischen Pädagogen zu tun haben, gelingt es bereits im Jugend- und Teenageralter, sich durch positive Verstärkung seiner Stärken bewusst zu werden sowie seinen Schwächen zu stellen und daran zu arbeiten.

Später sind es dann oft Vorstellungsgespräche für einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle, in denen man aufgefordert wird, seine Stärken und Schwächen zu benennen. Hierzu findet man im Netz unzählige Ratschläge auf den einschlägigen Bewerbungs- und Karriereseiten. Je nachdem wie stark das eigene Selbstbewusstsein entwickelt ist, fällt es uns leicht, diese zu benennen - oder eben nicht.

Schwierig wird es dann, wenn man die eigenen Stärken übersieht, weil sie einem eben leicht fallen und damit selbstverständlich erscheinen, statt als Stärke wahrgenommen zu werden. Oder wenn man leider mit anderen guten Eigenschaften gesegnet ist, als sie in der leistungsorientierten Wirtschaft gefragt sind. Nicht wenige Menschen konzentrieren sich auch so sehr darauf, ihre Schwächen zu beklagen, dass sie ihre Stärken darüber ganz aus dem Fokus verlieren.

Das Lesen von Stellenangeboten kann einem ja schon ziemlich frustrieren, wenn Arbeitgeber nach Mitarbeitern mit überdurchschnittlichem Abschluss, ausgezeichneten Kenntnissen am besten gleich mehrerer Fremdsprachen und hervorragenden Fähigkeiten in einer schier unendlichen Liste an Analysenmethoden suchen. Zusätzlich muss man selbstverständlich über unbegrenzte Flexibilität, hohe Belastbarkeit und außerordentliche Auffassungsgabe verfügen. Solche Stellenausschreibungen lassen vorhandene Stärken im eigenen Empfinden schmelzen, wie Schnee in der Sonne.

Vielleicht hat man aber auch gut gemeinte Ratschläge befolgt und sich für einen Beruf entschieden, in dem man "auf jeden Fall einen Job bekommt" oder sehr gut Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten hat, ohne darauf zu achten, wo die eigenen Stärken liegen. Nicht selten wird man auch von äußeren Umständen wie der Zugehörigkeit zu einem alteingesessenen Familienunternehmen oder der Erwartungshaltung anderer "etwas Gescheites" zu studieren, in eine berufliche Richtung gedrängt, die man eigentlich so nicht gewählt hätte.

Was auch immer den eigenen Werdegang beeinflusst und wie auch immer er verläuft: spätestens, wenn einem auffällt, dass die tägliche Arbeit immer schwerer fällt, einen überhaupt nicht erfüllt oder sogar zuwider ist, sollte man sich in Ruhe hinsetzen und überlegen, wo die eigenen Stärken liegen. Findet man heraus, wie man diese im Beruf so einsetzen kann, dass man nicht nur erfolgreich wird, sondern vor allem Spaß an der Arbeit hat, sollte man alles daran setzen, seinen Arbeitsbereich in die entsprechende Richtung zu ändern. Funktioniert das nicht, ergibt es vielleicht mehr Sinn, sich komplett neu zu orientieren und dabei den Fokus auf sich selbst, seine Fähigkeiten und Interessen zu legen.

Es sind zu viele Jahre, die man mit seinem Beruf verbringt, als das man sich verbiegen und diese aussitzen sollte. Oder in die Worte der Schauspielerin Judy Garland gefasst:

Sei eine erstklassige Ausgabe deiner selbst, statt eine zweitklassige von jemand anderem.
Judy Garland (1922-1969)

» Analyse eigener Stärken und Schwächen

» Buchtipp: "Das kleine Ich bin Ich"

Autor: Anke Fähnrich


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