16.07.2020

Kommt Zeit, kommt Ergebnis


Cyril Northcote Parkinson
Cyril Northcote Parkinson (1966) [CCO]
Eigentlich hätte alles ganz schnell gehen können... Wer kennt das nicht, dass man für Aufgaben, die gar nicht so viel Zeit beanspruchen würden, ewig braucht, bis sie erledigt sind? Wenn man genauere Forschungen über dieses Phänomen anstellt, kommt man an den Ausführungen des britischen Soziologen Cyril Northcote Parkinson nicht vorbei.

Er beschreibt in seinem 1957 erschienenen Buch "Parkinsons Gesetz und andere Untersuchungen über die Verwaltung" dieses Phänomen mit den Worten:

Arbeit dehnt sich in dem Maße aus, wie Zeit zu ihrer Erledigung zur Verfügung steht.
Cyril Northcote Parkinson (1909-1993)
Beispiele, die dieses Theorem belegen, gibt es mehr als genug. Sei es die Studienarbeit, die erst auf den allerletzten Drücker fertig gestellt wird, der Jahresabschluss oder die nervige Steuererklärung. Bei Arbeiten, für die man einen großzügigen Zeitrahmen zur Verfügung hat, folgt auf eine lange, mehr oder weniger kreative Phase, eine kurze Zeit des panischen und bestenfalls ergebnisorientierten Aktionismus, um sie auszuführen. Dagegen bringt man zeitnah zu erledigende Aufgaben in der Regel effektiv und zügig hinter sich.

Egal, ob ein Meeting für 10 Minuten oder 1 Stunde angesetzt ist: Die Zeit, die man braucht, um das gewünschte Ergebnis konstruktiv zu diskutieren und letztendlich zu erzielen, beträgt in der Regel nur wenige Minuten, die aber immer am Ende des Meetings liegen. Die übrige Zeit wird mit Phrasen, Wiederholungen und Zusammenfassen des Gesagten gefüllt.

Bereits 1955 hatte Parkinson sich mit der Entwicklung der britischen Verwaltung beschäftigt und in einem satirischen Essay im "Economist" seine These, dass sich Arbeit nahezu beliebig ausdehnen lässt, veröffentlicht, was ihm viele Zuschriften und Beifall einbrachten. Außerdem stellte er fest, dass sich der Arbeitsumfang mit zunehmender Personalstärke nicht zwingend verringert, sondern eher vermehrt. Dies belegt er an Beispielen in der britischen Marine und bürokratischen Strukturen. Gültigkeit haben seine Überlegungen bis heute - und das nicht nur in der Verwaltung.

Achten Sie doch bei nächster Gelegenheit mal darauf und stellen Sie fest, dass man tatsächlich immer die Zeit benötigt, die man zur Verfügung gestellt bekommt. Auch die Arbeit im Team wird ab einer bestimmten Gruppengröße nicht mehr effektiver, sondern eher das Gegenteil.
Disziplinieren Sie sich und Ihre Kollegen oder Mitarbeiter, in dem sie ausreichende aber kürzere Zeitlimits vorgeben.

Stellen Sie übersichtliche Arbeitsgruppen zusammen und überdenken Sie den "Wasserkopf" in Ihrer Abteilung oder Ihrem Unternehmen. Auch, wenn das im ersten Moment nach mehr Arbeit und zusätzlichem Stress aussieht, werden Sie feststellen, dass das Meeting letztendlich in deutlich kürzerer Zeit mindestens genauso gute, wenn nicht sogar bessere Ergebnisse bringt, weil sich die Teilnehmenden nämlich im Vorfeld besser vorbereiten müssen und nicht hinter dem TEAM (Toll Ein Anderer Macht's) verstecken können.

Es ist ein gutes Gefühl, wenn man einfach weniger Zeit vergeudet, sondern seine Arbeitsstunden sinnvoll nutzt. Das motiviert für zukünftiges Vorgehen und beschert einem in letzter Konsequenz einen pünktlichen Feierabend oder ein paar zusätzliche Stunden zur freien Verfügung. - Was braucht man mehr?

» Parkinsonsche Gesetze

» Buchtipp: "Parkinsons Gesetz und andere Untersuchungen über die Verwaltung"

Autor: Anke Fähnrich


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