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Das Online-Labormagazin
25.09.2020

18.06.2020

Aus dem Sinn


Ein Virus hält die Welt fest im Griff
Pixabay [CCO]
Seit Wochen steht die Welt still. Ein Virus hält uns alle im Griff. Wir müssen Abstand halten, zu Hause bleiben, möglichst von dort arbeiten, auf berufliche und private Reisen verzichten. Die Industrie arbeitet auf Sparflamme.

Das hat Konsequenzen, auch positive. Die Umwelt erholt sich: die Luftqualität wird besser, die CO2-Emissionen sinken, das Wasser der Küsten und der Flüsse wird sauberer. Es ist stiller, da der Fluglärm viel weniger geworden ist.

Das klingt zunächst einmal gut. Auch wenn Wissenschaftler sich einig sind, dass es sich um kurzfristige Verbesserungen handelt, wenn wir nicht auch in Zukunft unser Reiseverhalten umstellen. Die Schadstoffe in den Böden und den Gewässern sind noch immer vorhanden. Außerdem nimmt der Plastikmüll ständig weiter zu. Die vielen Schutzmaßnahmen vor einer Infektion mit dem Virus erzeugen zusätzlich Unmengen an Plastikabfall. Außerdem scheinen wir uns nur auf ein Thema fokussieren zu können: COVID-19.

Die Klimakrise ist aus unseren Medien und unserer Aufmerksamkeit verschwunden. Wer spricht noch von Greta Thunberg und Fridays for Future? Die Lage hat sich aber in keinster Weise verbessert. Im Gegenteil: Regierungen nutzen diese Fokussierung auf COVID-19, um im Stillen, ohne Aufschrei der Öffentlichkeit umweltkritische Unternehmungen voranzutreiben.

Sofort fällt einem dabei die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien ein. Das nationale Institut für Weltraumforschung INPE hat durch die Auswertung von Satellitenbildern im ersten Quartal 2020 einen Anstieg von über 51% im Vergleich zum Vorjahr festgestellt. So viel wie noch nie seit dem Beginn der Aufzeichnungen. Holzfäller und Goldschöpfer nutzen die Einschränkungen der Umweltbeamten durch das Corona-Virus, um immer tiefer in die Urwälder vorzudringen. Aus Angst vor dem Virus ziehen sich die Ureinwohner immer weiter zurück und leisten kaum noch Widerstand.

Auch in Österreich, im Ötztal haben Kraftwerksbetreiber die Gunst der Stunde genutzt, um Tatsachen zu schaffen: während in der Öffentlichkeit nur noch COVID-19 Thema war, begannen dort nahezu unbemerkt die Bauarbeiten für das seit Jahren umstrittene Wasserkraftwerk Tumpen-Habichen. Und das, obwohl noch nicht alle Rechtsfragen geklärt sind.

Oder direkt um die Ecke: in Deutschland ging Ende Mai ein neues Kohlekraftwerk ans Netz. Kaum beachtet! Wurde nicht Anfang des Jahres der Kohleausstieg besiegelt?

Ist uns Umweltschutz nicht mehr wichtig? Was ist mit den Flüchtlingen oder den Freiheitskämpfern in Hongkong? Klar, der Kampf gegen das verheerende Virus kostet viel Kraft, Energie und Ressourcen. Trotzdem dürfen wir die anderen Probleme nicht vergessen, denn sie bedrohen nicht weniger Menschenleben als das Corona-Virus.

Schon Dieter Hildebrandt sagte:

Ich stelle immer wieder erschrocken fest, dass ich ein paar Dinge vergessen habe zu verdrängen.
Dieter Hildebrandt (1927-2013)

» Abholzung im Amazonsgebiet

» Start der Bauarbeiten für das umstrittene Kraftwerk Tumpen-Habichen

» Datteln 4 geht ans Netz

Autor: Marion Dülz


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anonym18.06.2020 um 18:50:17

Ganz toller Text!


anonym19.06.2020 um 14:07:49

Ich denke, das haben Sie richtig beobachtet. Viele Themen, die auch wichtig sind, gehen in der medialen Beobachtung während der Corona-Kiese unter. Zum Glück funktionier der Staat in Deutschland aber recht gut. Die stattlichen (Kontroll-) Mechanismen funktionieren. Ich habe hier nicht den Eindruck, das die Corona Kriese bewusst genutzt, um unbemerkt Fakten zu schaffen. Die erwähnten Beispiele können nicht über den gleichen Kamm geschoren werden.




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