Header
Das Online-Labormagazin
18.09.2020

12.12.2019

Ein Hoch auf die Langeweile!


Nichtstun
Foto: privat
Da ist sie wieder, die sogenannte besinnliche Zeit: vollgepackt mit Deadlines, Abrechnungen, Meetings und - nicht zu vergessen - die vielen privaten Termine, die sich, entgegen aller jedes Jahr aufs Neue gefassten Vorsätze, in die letzten Wochen des Jahres drängen.

Leider ist es mittlerweile schon fast das ganze Jahr hindurch üblich, unter Zeitdruck und Terminstress zu stehen. Wer etwas auf sich hält, hat seine Woche gut durchgetaktet. Work-Life-Balance erfordert schließlich einen adäquaten Ausgleich zum Bürosessel: Yoga, Jogging, Fitnessstudio und regelmäßig Konzertbesuche, abgerundet hin und wieder durch eine Vernissage.

"Müßiggang ist aller Laster Anfang" lernen wir schon im Kindesalter und werden vom Frühenglisch zum Handballtraining und Flötenunterricht kutschiert. Das Wochenende ist vollgepackt mit dem Ausflug zum Freizeitpark oder anderen spektakulären Events. Selbst im Urlaub sucht man sich den Club mit den attraktivsten Freizeitangeboten - man will sich ja nicht langweilen!

Was wir dabei gerne vergessen: aus Langeweile erwächst Kreativität. Hatten Sie nicht auch schon mal einen Geistesblitz bei stupiden Aufgaben wie Wäschefalten, Bügeln oder Putzen? Kinder, die keine 24/7-Bespaßung erfahren, können sich deutlich besser und ohne großen Aufwand selbst beschäftigen und schonen damit, als positiven Nebeneffekt, die Nerven ihrer Eltern.

Man muss es mit der Langeweile ja nicht übertreiben, sonst hat sie nicht bestreitbare, negative Nebenwirkungen. Aber sich mal bewusst eine Auszeit nehmen, nicht "eben schnell" die neuesten Nachrichten zu checken, sondern eine Tasse Tee genießen, dabei einfach aus dem Fenster schauen und nichts tun. Sich aufs Sofa fläzen, die Füße hochlegen und nicht den Fernseher anschalten oder die Tageszeitung lesen, sondern nichts tun. Oder ganz unsportlich einen gemütlichen Spaziergang machen, ohne davon Selfies zu teilen, sondern nichts weiter tun, als die Natur genießen. Sie befinden sich dann sogar in prominenter Gesellschaft. Denn bereits der römische Staatsmann Cicero soll gesagt haben:
Der ist kein freier Mensch, der sich nicht auch einmal dem Nichtstun hingeben kann.
Marcus Tullius Cicero (106-43 v.Chr.)

» Leschs Kosmos: Die geheime Macht der Langenweile

» Buchtipp: Bored and Brilliant

Autor: Anke Fähnrich


» Kommentieren