Zum InhaltZur Navigation
Analytik NEWS
Das Online-Labormagazin
29.01.2026

28.01.2026

Ursprünge der Chemie des Lebens: größte schwefelhaltige Molekülverbindung im All entdeckt


Ein Team des Max-Planck-Instituts für Extraterrestrische Physik (MPE) haben in Zusammenarbeit mit Astrophysikern des Centro de Astrobiologia (CAB), CSIC-INTA, das bisher größte schwefelhaltige Molekül im interstellaren Raum identifiziert:

2,5-Cyclohexadien-1-thion (C6H6S). Dieser Durchbruch gelang durch die Kombination von Laborexperimenten und astronomischen Beobachtungen. Das Molekül befindet sich in der molekularen Wolke G+0,693-0,027, etwa 27.000 Lichtjahre von der Erde entfernt nahe dem Zentrum der Milchstraße.

Mit einem stabilen sechsgliedrigen Ring und insgesamt 13 Atomen übertrifft es deutlich die Größe aller bisher im All nachgewiesenen schwefelhaltigen Verbindungen.

Mitsunori Araki, Wissenschaftler am MPE und Erstautor der Studie, betont: "Dies ist die erste eindeutige Entdeckung eines komplexen, ringförmigen schwefelhaltigen Moleküls im interstellaren Raum - und ein entscheidender Schritt, um die chemische Verbindung zwischen dem All und den Bausteinen des Lebens zu verstehen."

Bisher hatten Astronomen nur kleine Schwefelverbindungen - meist mit sechs Atomen oder weniger - im interstellaren Raum nachweisen können. Große, komplexe schwefelhaltige Moleküle wurden aufgrund der Schlüsselrolle von Schwefel in Proteinen und Enzymen lange erwartet, blieben jedoch bisher unentdeckt. Diese Lücke zwischen der interstellaren Chemie und dem organischen Inventar von Kometen und Meteoriten war ein zentrales Rätsel der Astrochemie.

Das jetzt entdeckte C6H6S ist strukturell mit Molekülen verwandt, die in extraterrestrischen Proben vorkommen - und das erste seiner Art, das eindeutig im All nachgewiesen wurde. Es stellt eine direkte chemische "Brücke" zwischen dem interstellaren Medium und unserem Sonnensystem dar.

Die Identifizierung basierte auf einer Kombination aus Arbeiten im Labor sowie anschließenden astronomischen Beobachtungen. Das Team synthetisierte das Molekül im Labor, indem es eine elektrische Entladung von 1.000 Volt auf die übelriechende Flüssigkeit Thiophenol (C6H5SH) anwandte.

Mit einem selbst entwickelten Spektrometer maßen die Forscher präzise die Radiowellenfrequenzen von C6H6S und erzeugten ein einzigartiges "Radiofingerprint" mit mehr als sieben signifikanten Dezimalstellen. Dieses Signal wurde anschließend mit astronomischen Daten aus einer umfangreichen Beobachtungskampagne unter der Leitung des CAB abgeglichen, die mit den Radioteleskopen IRAM 30 m und Yebes 40 m in Spanien gesammelt wurden.

Valerio Lattanzi, Wissenschaftler am MPE, erläutert: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein 13-Atom-Molekül, das strukturell jenen in Kometen ähnelt, bereits in einer jungen, sternlosen molekularen Wolke existiert. Dies beweist, dass die chemischen Grundlagen für Leben bereits lange vor der Sternentstehung entstehen."

Die Entdeckung legt nahe, dass noch viele weitere komplexe schwefelhaltige Moleküle unentdeckt geblieben sind - und dass die grundlegenden Bausteine des Lebens möglicherweise bereits in den Tiefen des interstellaren Raums entstanden sind, lange bevor die Erde existierte.

» Originalpublikation E-mail

Quelle: Das Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik MPE