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15.08.2026

05.08.2026

Umwandlung von CO2 in wertvolle Chemikalien


Mit dem Ziel, die integrierte Kohlenstoffabscheidung und elektrochemische Umwandlung voranzutreiben, haben Forschende der Abteilung Interface Science des Fritz-Haber-Instituts untersucht, wie die Konzentration von KHCO3, einem typischen CO2-Abscheidungsmedium, die elektrochemische Umwandlung von CO2 an Kupfer in einem membrane-electrode-assembly (MEA) Elektrolyseur steuert.

Dr. Hou und ihre Kollegen aus der Abteilung von Direktorin Beatriz Roldán fanden heraus, dass bei der Bicarbonat-Elektrolyse ein konzentrierteres Abscheidungsmedium nicht zwangsläufig zu einer besseren Leistung führt. Stattdessen folgt die Reaktion einer vulkanförmigen Abhängigkeit von der KHCO3-Konzentration.

Mit einer eigens entwickelten Operando-Raman-Elektrolysezelle konnte das Team zeigen, dass eine verdünnte Elektrolytzufuhr die In-situ-CO2-Versorgung begrenzt, während konzentriertes Bicarbonat durch konkurrierende Anionenadsorption aktive Zentren blockiert. Die Arbeit identifiziert die Elektrolytkonzentration als präzisen Designparameter für die direkte Kopplung von CO2-Abscheidungsströmen mit der elektrochemischen Umwandlung.

Bicarbonat als Ausgangsstoff für integrierte Kohlenstoffabscheidung und -umwandlung

Alkalische Kohlenstoffabscheidungsprozesse speichern CO2 hauptsächlich als (Bi)carbonat in wässriger Lösung. Die direkte Bicarbonat-Elektrolyse könnte diesen abgeschiedenen Kohlenstoff umwandeln, ohne CO2 zuvor als Gas freizusetzen, zu komprimieren und zu transportieren.

Die meisten Bicarbonat-Elektrolyseure wurden jedoch bislang mit stark konzentrierten Elektrolyten untersucht, typischerweise 2 - 3 M KHCO3, während praktische Abscheidungsströme in der Regel deutlich verdünnter sind. Das Verständnis der Rolle der Elektrolytkonzentration ist daher ein kritischer Systemparameter, da sie sowohl die Versorgung mit in situ erzeugtem CO2 als auch die chemische Umgebung an der Katalysatoroberfläche steuert.

Eine eigens entwickelte Operando-Plattform

Um diese gekoppelten Effekte in einem realen Gerät zu untersuchen, entwickelten die Forschenden am FHI eine Zero-Gap-Operando-Raman-Zelle vom MEA-Typ. Die Raman-Zelle behält die wesentliche Membran-Elektroden-Konfiguration bei und ermöglicht gleichzeitig optischen Zugang zur Cu/Elektrolyt-Grenzfläche. Dies erlaubte es dem Team, (Bi)carbonat-Spezies, *CO-Zwischenprodukte und den lokalen pH-Wert während der Elektrolyse zu beobachten, wodurch ein mechanistisches Verständnis dieses wichtigen Prozesses gewonnen werden konnte.

Eine höhere Bicarbonat-Konzentration ist nicht immer von Vorteil

Bei 400 mA cm-2 wurde die höchste Bicarbonat-Elektroreduktionsleistung mit 0,5 M KHCO3 erzielt. Die gesamte Faraday-Effizienz für die In-situ-CO2-Reduktionsprodukte erreichte etwa 40 %, was einer partiellen Stromdichte von ~160 mA cm-2 entspricht. Dieser Wert war viermal höher als der mit 3 M KHCO3 erzielte, während sich die Zellspannung um weniger als 0,2 V unterschied.

Die daraus resultierende vulkanförmige Konzentrationsabhängigkeit hat zwei unterschiedliche Ursachen. Bei niedriger Konzentration reicht der Bicarbonat-Massentransport nicht aus, um die erforderliche In-situ-CO2-Versorgung aufrechtzuerhalten. Bei hoher Konzentration zeigte die Operando-Raman-Spektroskopie verstärkte (Bi)carbonat-Signale an der Grenzfläche zusammen mit einer unterdrückten *CO-Adsorption.

Diese Ergebnisse zeigen, dass stark adsorbierte (Bi)carbonat-Spezies mit *CO um aktive Oberflächenzentren konkurrieren. Diese Konkurrenz begrenzt die Adsorption eines zentralen Zwischenprodukts, CO, sowie die weitere C-C-Kopplung, während die größere Verfügbarkeit Bicarbonat-basierter Protonendonoren zusätzlich die Wasserstoffentwicklung begünstigt. Kontrollexperimente zeigten zudem, dass weder die Kaliumionen-Konzentration noch der puffergesteuerte lokale pH-Wert die primären Ursachen für den beobachteten Leistungstrend waren. Die optimale Konzentration verschob sich zudem mit der Stromdichte, was zeigt, dass die Bicarbonat-Versorgung an den Protonenfluss und die Betriebslast des Elektrolyseurs angepasst werden muss.

Fazit

Die Studie stellt eine direkte Designregel für die integrierte CO2-Abscheidung und elektrochemische Umwandlung auf: Die Bicarbonat-Konzentration muss an den Betriebsstrom angepasst und nicht einfach maximiert werden.

Eine moderate Konzentration liefert ausreichend in situ-CO2, während gleichzeitig aktive Oberflächenzentren für die *CO-Adsorption und die anschließende C-C-Kopplung erhalten bleiben. Durch die Kombination von Leistungsmessungen auf Geräteebene mit einer eigens entwickelten Operando-Raman-Plattform mit Elektrolyseur vom MEA-Typ konnten die Forschenden den Reaktionsmechanismus an der funktionalen Grenzfläche identifizieren und damit eine praktische Grundlage für die Entwicklung von besseren Elektrolyseuren zur Umwandlung von CO2-Abscheidungsströmen in Chemikalien legen.

» Originalpublikation

Quelle: Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft