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22.06.2024

21.09.2023

Neue Studie zur Trinkwasserqualität vorgestellt

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Gemäß Trinkwasserverordnung muss Wasser für den menschlichen Gebrauch frei von Krankheitserregern, genusstauglich und rein sein. Im privaten Bereich fällt dies unter die Verantwortung der Hausbrunnenbesitzer selbst, im öffentlichen Bereich sorgen die Wasserwerke dafür, dass das Wasser in einer entsprechenden Qualität ins Leitungsnetz eingespeist wird. Doch auf dem Weg zu den Haushalten und im Hausleitungsnetz selbst kann es zu bakteriologischen Belastungen kommen.

Die Fakten

Rund 700.000 Menschen in Deutschland beziehen ihr Trinkwasser aus eigenen Hausbrunnen oder Quellfassungen. Die Ergebnisse aus den Wasseranalysen, die über die AQA GmbH bezogen und vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB ausgewertet wurden, zeichnen ein düsteres Bild: 45,7 Prozent der Hausbrunnen sind mindestens bei einem Indikator über den zugelassenen Werten. Dies bedeutet, dass das Wasser nur eingeschränkt bzw. gar nicht zum Genuss geeignet ist. Hinzu kommt, dass jeder zehnte Hausbrunnen (9,2 Prozent) einen überhöhten Grenzwert bei Nitrat aufweist.

Im Bereich der öffentlichen Versorgung ist die Situation aufgrund der strengen Kontrollen der Wasserwerke natürlich besser, aber auch hier überrascht, dass mehr als jede zwölfte Wasserprobe (7,9 Prozent) "nicht" oder nur "bedingt" genusstauglich ist. Diese bakteriologische Belastung umfasst Krankheitserreger und Fäkalkeime - wobei der besonders resistente "Krankenhauskeim" Pseudomonas aeruginosa immerhin bei 3,6 Prozent der Wasserproben aus Haushalten aufzufinden war. Hinzu kommen 9,9 % überschrittene chemisch-physikalische Werte (entspricht 6,1 Prozent der Haushalte aufgrund von Doppel- oder Mehrfachüberschreitungen).

Die Zahl der chemisch-physikalischen Belastungen wird besonders deutlich, wenn man für Nitrat den in der Mineralwasserverordnung niedrigeren Wert von 10 mg/L heranzieht, der für die Zubereitung von Babynahrung gilt: Tatsächlich überschreiten 43 Prozent der Proben diesen Wert. Und berücksichtigt man den ab Mitte Januar 2028 gültigen neuen Grenzwert bei Blei von 0,005 mg/L (statt bisher 0,01 mg/L), so werden sich die Überschreitungen von derzeit 2,3 Prozent auf 5,7 Prozent mehr als verdoppeln.

Verschlechterung der Gesamtsituation zu erwarten

Treten, wie zu erwarten, häufiger extreme Wetterereignisse auf, wirkt sich dies direkt auf die vorhandenen Wasserressourcen und deren Qualität aus. Starkregenereignisse führen in kurzer Zeit zu Überschwemmungen, sodass kontaminiertes Oberflächenwasser ins Trinkwassersystem gelangen kann. Und aufgrund von Dürrephasen und sehr hohen Temperaturen sinken mancherorts die Grundwasserspiegel bereits merklich. Vor allem gering durchspülte Leitungssysteme sind dann anfällig für die Bildung von Keimreservoirs, auch als "Biofilme" bezeichnet. Hinzu kommt die Korrosion des Rohrsystems.

Der Problemkreislauf

Wasser hat physikalische und optische Eigenschaften, wie zum Beispiel flüssig und klar, aber auch chemische Eigenschaften. So ist Wasser ein äußerst reaktionsfreudiger Stoff, der, wann immer er kann, Verbindungen mit seiner Umgebung eingeht. So löst es auch, wenn möglich, aus umgebenden Materialien, wie Leitungen und Armaturen Stoffe heraus, wie z. B. die Schwermetalle Blei oder Nickel, und belastet damit das Trinkwasser. Die umgebenden Materialien verlieren damit aber auch ihre glatte Oberfläche und beginnen sogar zu korrodieren, was wiederum die Entstehung von Biofilmen durch Keime und Bakterien fördern kann.

Verhalten und Nutzung anpassen

"Weiß man über die Qualität und eventuellen Mängel des Trinkwassers Bescheid, kann man sich vorsorglich verhalten und die Nutzung des Wassers entsprechend anpassen", so die an der Studie beteiligten Experten. "Sind alle Werte in Ordnung, spricht nichts gegen eine tägliche und uneingeschränkte Nutzung - als Trinkwasser, für Tee oder Kaffee, Zubereitung von Speise etc. Ganz im Gegenteil: sofern unbedenklich, steht das Leitungswasser jederzeit in ausreichender Menge zur Verfügung und erspart Aufwand, Zeit und Geld."

Empfehlungen bei bakteriologischen Verunreinigungen

"Sollten bakteriologische Probleme vorliegen, sollte wenigstens der Perlator gereinigt oder gewechselt werden, da sich hier oft Verkeimungen ansammeln. Ggf. empfiehlt sich eine thermische oder chemische Desinfektion der Hausleitungen", erläutern die Ersteller der Studie. "Im Falle von Hausbrunnen wird eine Brunnensanierung nötig sein bzw. der Einbau einer entsprechenden Desinfektionsanlage oder, wenn die Möglichkeit besteht, der direkte Anschluss an eine öffentliche Wasserleitung. Solange man sich nicht über den einwandfreien hygienischen Zustand sicher ist, empfiehlt es sich auch, das Wasser vor Gebrauch abzukochen."

Empfehlungen bei chemisch-physikalischen Grenzwertüberschreitungen

"Bei chemisch-physikalischen Überschreitungen reicht es zumeist, das Wasser vor jedem Gebrauch für Trinken und Essen so lange laufen zu lassen, bis das Wasser nicht mehr kälter nachkommt. Dann ist gewährleistet, dass Frischwasser in den Hausleitungen ist und kein belastetes Stagnationswasser. Im Falle von höheren Nitratwerten ist vom Einsatz dieses Trinkwassers für die Zubereitung von Babynahrung abzusehen. Bei chemisch-physikalischen Überschreitungen hilft Abkochen nicht - ganz im Gegenteil: Dadurch kann sich die Konzentration dieser Stoffe im Wasser sogar erhöhen."

Fazit

Wasser ist unser wichtigstes und das am strengsten kontrollierte Lebensmittel. Es muss uns allerdings bewusst sein, dass auch dieses "verderben" und genussuntauglich werden kann. Das Wissen um die Wasserqualität im Haushalt ist dabei ein entscheidender Faktor für die Art der Nutzung. "Bei Hausbrunnen empfiehlt es sich, mindestens alle fünf Jahre eine Analyse durchführen zu lassen - in Haushalten sollte man sich vor allem dann über eine Analyse Klarheit verschaffen, wenn sich die Lebenssituation (z. B. Geburt eines Kindes) geändert hat", fasst AQA-Geschäftsführer Thomas Schlatte zusammen.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB)