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13.06.2024

12.09.2023

Mikroplastik schädigt offenbar auch Waldböden

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Mikro- und Nanoplastik könnte nach Ansicht von Forschenden der TU Darmstadt nicht nur in Meeren, Flüssen und auf Äckern schwere Umweltschäden anrichten, sondern auch im Wald. In einem jetzt im Fachjournal "Microplastics und Nanoplastics" veröffentlichten Beitrag plädieren die Wissenschaftler dafür, das Vorkommen der winzigen Kunststoffpartikel in Waldböden erstmals systematisch zu untersuchen.

Während sich die Wissenschaft mit der Plastikverschmutzung in Gewässern schon seit längerem befasse, sei die Untersuchung von Böden noch ein relativ junger Forschungsbereich, erklärt Hauptautor Dr. Collin J. Weber vom Institut für Angewandte Geowissenschaften der TU Darmstadt.

Dabei habe der Fokus bislang stark auf landwirtschaftlichen Böden gelegen. "Waldökosysteme und -böden wurden bisher nicht betrachtet, da die Forschung davon ausging, dass hier keine oder nur vernachlässigbare Plastikeinträge stattfinden", sagt der Bodenmineraloge und -chemiker.

Neue Forschungsdaten legten aber nahe, dass Wälder kleine Plastikpartikel aus der Atmosphäre aufnehmen und diese an Waldböden weiterreichen können. "Die Einbindung von Mikro- und Nanoplastik in Stoffkreisläufe der Wälder könnte erhebliche Auswirkungen auf empfindliche Ökosysteme, wirtschaftlich wichtige Funktionen und die globalen Kunstvorkommen in Umwelt haben", betont Weber. "Möglicherweise brauchen wir ein neues Umweltbewusstsein gegenüber unseren Wäldern." Zielgerichtete biogeochemische Forschungen seien notwendig, um globale Plastikkreisläufe vollständig zu verstehen und mögliche Risiken für die wichtige Funktion von Wäldern für die Umwelt abschätzen zu können.

Die aktuelle Veröffentlichung mit dem Titel "Mind the gap: Forest soils as a hidden hub for global micro- and nanoplastic pollution" soll dazu einen Anstoß geben. Eine dafür entwickelte "Roadmap" sieht unter anderem Monitoring-Programme und Laborexperimenten vor. Parallel analysieren die Forschenden bereits Vorkommen der Kleinstteile in Waldböden, um erste quantitative Aussagen zum Ausmaß der Verschmutzung treffen zu können. Neben dem TU-Team sind an dem Projekt auch Forschende der Freien Universität Berlin beteiligt.

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Quelle: Technische Universität Darmstadt