24.06.2020

Verhalten von per- und polyfluorierte Chemikalien im Boden untersuchen



Prof. Dr. Matthias Gaßmann und sein Team vom Fachgebiet Hydrologie und Stoffhaushalt entwickeln ein Modell für das Verhalten der per- und polyfluorierte Chemikalien (PFCs) im Boden. Auf Basis des Modells sollen in Zukunft die Verlagerung der Stoffe im Boden (also von höheren Schichten in tiefere und ins Grundwasser) und in Pflanzen abgeschätzt und daraus Empfehlungen ausgesprochen werden.

In einem Versuch vergleichen die Wissenschaftler dafür belasteten mit nicht belastetem Boden. Dieser befindet sich in mehreren Rohren und wird mit Wasser gegossen, das zum Teil PFCs sowie deren Vorläufersubstanzen enthält. Danach wird dieses Wasser aufgefangen und analysiert.

PFCs sind per- und polyfluorierte Chemikalien, die unter Verdacht stehen, gesundheitsschädlich zu sein. Sie gelangen schnell in den menschlichen Körper und bleiben dort sehr lange. Die Stoffe werden in vielen Verbrauchsgütern, wie z.B. Papier oder Textilien, wegen ihrer wasser-, öl- und schmutzabweisenden Eigenschaften eingesetzt. Durch Bodenverbesserungsmaßnahmen, wie das Aufbringen von Klärschlamm oder Industrieschlämmen gelangten PFC in der Vergangenheit auch auf landwirtschaftliche Flächen.

In der Gruppe der PFC unterscheidet man insgesamt mehrere Tausend Stoffe. "Wir untersuchen 17 Stoffe, die sich alle unterschiedlich in der Umwelt verhalten. Damit decken wir einen möglichst breiten Bereich ihres Verhaltens im Boden und in den Pflanzen ab", erklärt Fachgebietsleiter Prof. Dr. Gaßmann. "Unser Ziel ist es, das Verhalten der Substanzen im Boden zu erforschen und zu modellieren", fügt er hinzu. Die Frage um die PFCs ist: Muss man überhaupt etwas gegen sie tun? Das hängt mit der Frage zusammen, ob PFCs abbaubar sind. Erste Erkenntnisse haben bereits gezeigt, dass PFCs selbst nicht abbaubar sind, aber möglicherweise irreversibel an Bodenpartikel anhaften.

PROSPeCT ist ein Forschungsprojekt des Fachgebiets Hydrologie und Stoffhaushalt, das im Dezember 2018 gestartet ist und insgesamt drei Jahre läuft. Es wird vom Land Baden-Württemberg im BWPLUS-Programm gefördert. Die Universität Kassel arbeitet dafür mit dem Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie, dem Bundesinstitut für Risikobewertung und dem Landwirtschaften Technologiezentrum Augustenberg zusammen.

Quelle: Universität Kassel




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