28.02.2020

Mikroben der Plastisphäre: Per Anhalter durch den Ozean



Mit der ständigen Freisetzung von Plastikmüll in die Umwelt hat der Mensch auch einen neuartigen Lebensraum für Mikroben im Meer geschaffen: die "Plastisphäre". Im Rahmen der 32. Marie-Tharp-Vorlesung am GEOMAR gab Prof. Dr. Linda Amaral-Zettler von Niederländischen Institut für Meeresforschung NIOZ heute einen tieferen Einblick in die Beziehung zwischen Mikroplastik und Mikroorganismen in der Plastisphäre.

Plastikpartikel bieten im Meer ein dauerhaftes Substrat, das von Mikroorganismen besiedelt werden kann und das sie über weite Strecken transportiert. Plastik unterstützt das Wachstum von mikrobiellen Biofilmen, die potenzielle Krankheitserreger und schädliche Algenblütenarten enthalten können.

In ihrem Vortrag behandelte Professorin Amaral-Zettler sieben Mythen über marines Plastik und stellte eine realistischere Sichtweise über die Kunststoffverschmutzung im Meer und ihre möglichen Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme zusammen.

Sie wies darauf hin, dass Mikroben und mariner Plastikmüll eng miteinander verbunden sind, da jedes Plastikteil, das in den Ozean gelangt, sofort von Bakterien und Algen besiedelt wird. Das Mikrobiom der Plastisphäre und sein Einfluss auf das Schicksal von Plastik (Abbau und Absinken in die Tiefsee und in die Sedimente) ist jedoch nur wenig verstanden. In ihrem Vortrag präsentierte Professorin Amaral-Zettler ihre großen Fortschritte im Verständnis der Wechselwirkung zwischen Mikroben und Plastikpartikeln.

Sie wies darauf hin, dass es von großer Bedeutung sei, die Rolle von Plastiktrümmern im mikrobiellen Kreislauf, insbesondere in den ozeanischen Wirbeln oder Akkumulationszonen, als Schlüssel zum Verständnis der ökologischen Auswirkungen von Kunststoffverschmutzung auf die Ozeanumgebung zu klären. Sie endete mit der Bitte, Plastik in unserem täglichen Leben zu reduzieren und wiederzuverwenden und damit zu beginnen, Plastik als eine wertvolle Ressource zu sehen, die nicht verschwendet werden sollte.

Prof. Dr. Amaral-Zettler ist Forschungsleiterin am NIOZ und hat einen Lehrstuhl für Marine Mikrobiologie an der Universität Amsterdam inne. Sie ist außerdem MBL-Fellow am Josephine Bay Paul Center for Comparative Molecular Biology and Evolution am MBL in Woods Hole (Massachussetts, USA) und sie ist Mitglied der Gastdozentur der Abteilung für Erd-, Umwelt- und Planetenwissenschaften an der Brown University. Sie erhielt ihren Doktortitel in Biologischer Ozeanographie am MIT/Woods Hole Oceanographic Institution Joint Program, nachdem sie an der Brown University einen ScB in aquatischer Biologie erhalten hatte.

Amaral-Zettlers Forschung untersucht die Beziehungen zwischen Mikroben und die Mechanismen, die ihre Vielfalt, Verbreitung, ihr Überleben und ihren Einfluss auf lokale und globale Prozesse bestimmen. Sie war in den vergangenen 10 Jahren in der Forschung über "plastic marine debris" (PMD) und als Sekretärin des ASTM D20.96-Unterausschusses für ökologisch abbaubare Kunststoffe und biobasierte Produkte aktiv. Zu ihren aktuellen Forschungsinteressen im Bereich der Kunststoffe gehören mikrobielle Wechselwirkungen mit Plastikmüll, die Plastisphäre sowie die Anwendung von Technologien der nächsten Generation zur Aktualisierung bestehender Standard-Prüfmethoden für den biologischen Abbau. Sie hat in PNAS, Nature, ISME, Environmental Science and Technology und anderen Zeitschriften für mikrobielle Ökologie veröffentlicht.

Die "Marie Tharp Lecture Series" (MTLS) wird vom Women's Executive Board (WEB) des GEOMAR veranstaltet. Dazu lädt das WEB international renommierte Wissenschaftlerinnen ein, die einerseits ihre wissenschaftlichen Arbeiten in Kiel präsentieren, gleichzeitig aber auch als Vorbild für Nachwuchswissenschaftlerinnen dienen.

Quelle: GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel




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