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08.09.2020

16.05.2017

Open Science: Forschungsergebnisse zugänglicher machen



Dass Wissenschaft sich der Gesellschaft öffnen soll, wird seit langem gefordert. Einen wirklichen Dialog zu initiieren, ist jedoch nicht trivial. Das EU-Gemeinschaftsprojekt ORION will bestehende Hürden identifizieren und einen Wandel in den Institutionen herbeiführen. Das Ziel: wissenschaftliche Prozesse - von der Forschungsförderung, -organisation bis zur Durchführung von Projekten - für die Allgemeinheit zugänglicher machen. Zu den neun Partnern des Projekts, das in dieser Woche in Barcelona startet, zählt auch das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin.

Wissenschaft soll der ganzen Gesellschaft offenstehen, erfahrenen Forschern ebenso wie Laien. Diese Idee der "offenen Wissenschaft" oder "Open Science" möchte die Europäische Kommission mit Hilfe ihrer Agenda der verantwortungsvollen Forschung und Innovation (Responsible Research and Innovation/RRI) in die Tat umsetzen. RRI unterstützt Organisationen darin, ihre Strategie, Praktiken und Prozesse an Grundsätzen der Ethik, Gendergerechtigkeit, Good Governance, Open Access, öffentlicher Teilhabe und Wissenschaftsbildung auszurichten. Open Science fordert eine stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit an Forschungsprozessen und Teilhabe an den Ergebnissen der Forschung. Die Vorteile der offenen Wissenschaft werden zwar von allen Mitgliedern der EU anerkannt, jedoch ist der Übergang von der traditionellen Forschungslandschaft hin zur "Offenheit" nicht immer leicht.

Neue Wege der Zusammenarbeit von Gesellschaft und Wissenschaft

Das EU-geförderte ORION-Projekt wird nun in den nächsten vier Jahren Forschungseinrichtungen und Förderorganisationen dabei helfen, bestehende Hürden auf dem Weg zur offenen Wissenschaft zu erkennen und bei der Organisation und Durchführung von Forschungsprojekten einen entsprechenden Wandel auf institutioneller, kultureller und Verhaltensebene einzuleiten.

"Neue Arbeitsmodelle erfordern auch neuartige Ansätze an die Zusammenarbeit. Hierbei sind eine Reihe unterschiedlicher Akteure beteiligt, von Wissenschaftlern und Geldgebern über Verlage bis hin zu Patientenorganisationen, Bürgern, Studierenden und Lehrenden sowie Unternehmen", sagt Michela Bertero, Koordinatorin des ORION-Projekts und verantwortlich für internationale und wissenschaftliche Beziehungen am Centre for Genomic Regulation im spanischen Barcelona.

Trainingskurse zu Open Science

Die meisten Forscher kennen das Konzept von Open Science bereits, haben aber Schwierigkeiten, es in den Laboralltag zu integrieren. Ein Ziel von ORION ist daher, Trainingsprogramme für das wissenschaftliche Personal zu entwickeln, um es so bei der Umstellung auf Open-Science-Prinzipien zu unterstützen. Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) ist federführend bei der Entwicklung dieser Trainingseinheiten. Diese Programme sollen Menschen in den Fördereinrichtungen genauso erreichen wie junge Wissenschaftler oder etablierte Gruppenleiter, und so die Voraussetzungen für flächendeckendes Open Science schaffen. Dies ist besonders wichtig bei kontrovers diskutierten Themen wie Tierversuchen, Genomeditierung oder der Forschungsförderung.

Co-Creation in der Wissenschaft

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts werden offene "Co-Creation-Experimente" mit unterschiedlichen Beteiligten bilden. Mit ihnen werden Möglichkeiten erforscht, um wissenschaftliche Forschung partizipativer und integrativer zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie diese: Wie können Forschungseinrichtungen mit vielen unterschiedliche Interessensvertretern ins Gespräch kommen? Wie lässt sich Forschungsförderung integrativer gestalten? Wie kann der öffentliche Diskurs in strategische und inhaltliche Forschungsentscheidungen einfließen? Wie lassen sich Bürger in Projekte der Grundlagenforschung einbeziehen?

Öffentliche Diskussionen werden verschiedenen Akteure zu kontroversen Forschungsthemen an einen Tisch holen. Außerdem wird es Projekte aus der Grundlagenforschung geben, an denen sowohl Bürger als auch unterschiedliche Experten beteiligt sein werden.

Wie die Ergebnisse des Projektes in die Tat umgesetzt werden

Anhand der Erfahrungen mit diesen experimentellen Formaten werden die ORION-Partner maßgeschneiderte Handlungspläne entwickeln, die sie intern umsetzen können und sich auch auf andere Organisationen übertragen lassen. Im Rahmen des Projekts wird ein breites Spektrum an Materialien, Bildungsunterlagen, Good Practices, Berichten und Publikationen entstehen, die möglichst weit und frei zugänglich in ganz Europa verbreitet werden.

Das vierjährige Projekt ORION wird mit 3,2 Millionen Euro aus dem EU-Rahmenprogramm Horizont 2020 finanziert. Zu den Partnern des Konsortiums zählen Vertreter aus der Grundlagenforschung in den Biowissenschaften, den Sozialwissenschaften, Förderorganisationen, Wissenschaftskommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Zivilgesellschaft. Das Projekt wird eng mit EU-LIFE zusammenarbeiten, eine Allianz von Forschungseinrichtungen in den Lebenswissenschaften aus dreizehn europäischen Ländern.

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)




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