08.12.2016

Magnetresonanztomographie revolutionieren



Professor Matthias Günther aus dem Fachbereich Physik / Elektrotechnik sowie Leiter des Bereichs Magnetresonanz-Bildgebung am Fraunhofer-Institut MEVIS erhält die Förderung der VolkswagenStiftung mit ihrer Initiative "Experiment!" für seine Forschungsgruppe Magnetresonanz-Physik. Mit "Experiment!" kann er für eine Dauer von 18 Monaten 100.000 Euro einsetzen. Gewagte Forschungsideen, unkonventionelle Hypothesen oder ganz neue Forschungsrichtungen werden von der Stiftung geförder . In der aktuellen Antragsrunde wählte die Jury aus 544 Projektanträgen, 18 davon wurden als förderwürdig eingestuft.

Das Projekt der Bremer Physiker

Professor Günthers Forschungsvorhaben "Direkte Magnetresonanztomographie unter Verwendung einer magnetoinduktiven Linse und Mikrospulen" hat das Ziel, ein hochauflösendes Bild des zu untersuchenden Körpergewebes statt in Sekunden in wenigen Millisekunden zu liefern und damit das MRT zu revolutionieren.

Magnetresonanztomographie hat sich zu einem wichtigen Instrument in der medizinischen Diagnostik und den Neurowissenschaften entwickelt. Der gesamte Prozess der Bildaufnahme ist allerdings langwierig und ineffizient. Eine wichtige Kenngröße für das bildgebende Verfahren ist das Signal-Rausch-Verhältnis. Ist es möglich, dieses deutlich zu erhöhen und gleichzeitig die Erfassungszeit radikal zu reduzieren? Eigentlich widersprechen sich diese beiden Anforderungen, die Bremer Physiker wollen es dennoch versuchen. Mit einer Linse aus sogenanntem Metamaterial soll es möglich werden, die heutzutage in der Magnetresonanztomographie verwendete räumliche Kodierung durch viele kleine Spulen zu ersetzen. Damit könnte das Signal ohne zeitraubende Kodierungsschritte in wenigen Millisekunden aufgenommen werden. Das Hauptziel der Bremer Forschungen ist es, die Hypothese zu testen, dass eine virtuelle Kopie der internen Verteilung der Magnetisierung auch außerhalb des Körpers erstellt werden kann. Diese virtuelle Kopie kann dann durch eine Reihe von Mikrospulen aufgenommen werden, die ein hochauflösendes Bild innerhalb von einigen Millisekunden liefern. Dies würde neue Einsatzmöglichkeiten der Magnetresonanztomographie eröffnen und die großen, sperrigen Magneten vielleicht sogar überflüssig machen.

Die Förderinitiative "Experiment!" der VolkswagenStiftung

Mit der Förderinitiative "Experiment!" will die VolkswagenStiftung grundlegend neue Forschungsvorhaben mit ungewissem Ausgang in ihrer Startphase unterstützen. Ein Scheitern des Konzeptes und unerwartete Befunde werden als Ergebnis akzeptiert. Das Angebot richtet sich an Forscher aus den Natur-, Ingenieur-, und Lebenswissenschaften einschließlich der Verhaltensbiologie und der experimentellen Psychologie, die eine radikal neue Idee verfolgen möchten. Nach einem Jahr Förderung wird die Entwicklung der Projekte bei einem von der Stiftung veranstalteten "Forum Experiment!" betrachtet. Die Initiative erfreut sich mit mehr als 500 Anträgen pro Jahr einer hohen Resonanz unter deutschen Wissenschaftlern.

Quelle: Universität Bremen




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