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Das Online-Labormagazin
26.11.2022

01.03.2022

Wie politisch darf Wissenschaft sein?

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No War!
Quelle: Pixabay [CCO]
In der aktuellen Situation fällt es schwer, die richtigen Worte zu finden. Freier Zugang zu Wissen, Bildung und unabhängigen Informationen sowie gegenseitiger Respekt auch für andere Meinungen sind die Grundvoraussetzungen menschlichen Zusammenlebens und sollten Kriege überall auf der Welt eigentlich überflüssig machen.

Wir haben die Landesfarben der Ukraine rechts und links neben unserer Seite als Zeichen der Solidarität und Anteilnahme für alle Desktop-Nutzer eingeblendet und sind bei allen Menschen, die ihre Heimat, ihren Besitz oder ihr Leben gerade in diesem völlig sinnlosen Krieg verlieren.

Ich bin dankbar für die folgende Stellungnahme von über 4000 russischen Wissenschaftlern und Wissenschaftsjournalisten vom 24.02.2022, die ich vom englischen ins Deutsche übersetzt habe. Dem ist nichts hinzuzufügen außer vielleicht das Zitat von Louis Pasteur.

"Wir, russische Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten, protestieren nachdrücklich gegen die von den Streitkräften unseres Landes auf dem Territorium der Ukraine begonnenen Feindseligkeiten. Dieser fatale Schritt führt zu enormen menschlichen Verlusten und untergräbt die Grundlagen des etablierten Systems der internationalen Sicherheit. Die Verantwortung für die Entfesselung eines neuen Krieges in Europa liegt allein bei Russland.

Es gibt keine rationale Rechtfertigung für diesen Krieg. Der Versuch, die Situation im Donbass als Vorwand für eine Militäroperation zu nutzen, ist nicht vertrauenserweckend. Es ist klar, dass die Ukraine keine Bedrohung für die Sicherheit unseres Landes darstellt. Der Krieg gegen sie ist ungerecht und offen gesagt sinnlos.

Die Ukraine ist und bleibt ein Land, das uns nahesteht. Viele von uns haben Verwandte, Freunde und wissenschaftliche Kollegen, die in der Ukraine leben. Unsere Väter, Großväter und Urgroßväter haben gemeinsam gegen den Nationalsozialismus gekämpft. Einen Krieg für die geopolitischen Ambitionen der Führung der Russischen Föderation zu entfesseln, getrieben von zweifelhaften geschichtspolitischen Phantasien, ist ein zynischer Verrat an ihrem Andenken.

Wir respektieren die ukrainische Staatlichkeit, die sich auf wirklich funktionierende demokratische Institutionen stützt. Wir begegnen der europäischen Entscheidung unserer Nachbarn mit Verständnis. Wir sind überzeugt, dass alle Probleme in den Beziehungen zwischen unseren Ländern friedlich gelöst werden können.

Nachdem Russland den Krieg entfesselt hat, hat es sich selbst zur internationalen Isolation, zur Position eines Paria-Landes verdammt. Das bedeutet, dass wir Wissenschaftler nicht mehr in der Lage sein werden, unserer Arbeit normal nachzugehen, denn wissenschaftliche Forschung ist ohne die uneingeschränkte Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Ländern nicht denkbar. Die Isolierung Russlands von der Welt bedeutet eine weitere kulturelle und technologische Degradierung unseres Landes bei völliger Abwesenheit von positiven Perspektiven. Ein Krieg mit der Ukraine ist ein Schritt ins Nirgendwo.

Es ist für uns bitter zu erkennen, dass unser Land, das einen entscheidenden Beitrag zum Sieg über den Nationalsozialismus geleistet hat, nun zum Anstifter eines neuen Krieges auf dem europäischen Kontinent geworden ist. Wir fordern die sofortige Einstellung aller gegen die Ukraine gerichteten militärischen Operationen. Wir fordern die Achtung der Souveränität und territorialen Integrität des ukrainischen Staates. Wir fordern Frieden für unsere Länder. Lasst uns Wissenschaft betreiben, nicht Krieg!"

Ich glaube unbedingt daran, dass Wissenschaft und Friede schließlich über Unwissenheit und Krieg triumphieren und die Völker der Erde übereinkommen werden, nicht zu zerstören, sondern aufzubauen.
Louis Pasteur (1822-1895)

» An open letter from Russian scientists and science journalists against the war with Ukraine

» mehr über Louis Pasteur

Autor: Dr. Torsten Beyer

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