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Das Online-Labormagazin
26.09.2021

17.06.2021

Kindgerecht - immer noch kein Recht für alle Kinder

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Kinder
Bild: pixabay [CCO]
Endlich gibt es wieder Lockerungen, mehr und mehr können wir wieder unser "altes" Leben genießen. Positive Nachrichten und gute Aussichten für den langsam in Fahrt kommenden Sommer lassen uns auf- und durchatmen - leider nicht alle und nicht überall.

Die International Labour Organization (ILO) und UNICEF berichteten anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit am 12. Juni, dass sich die Zahl arbeitender Kinder erstmals seit 20 Jahren wieder erhöht hat. Aufgrund der - auch durch die Covid-19-Pandemie verursachten - zunehmenden Armut, müssen weltweit 160 Millionen Kinder für ihren Lebensunterhalt oder den ihrer Familien arbeiten; die Hälfte davon muss sogar gefährliche oder gesundheitsschädigende Arbeiten verrichten.

Auch in Europa und Nordamerika arbeiten 3,8 Millionen Kinder, um beispielsweise Mandeln und Haselnüsse für unser Studentenfutter oder Schokopralinen zu ernten. Besonders prekär ist die Lage allerdings im südlich der Sahara gelegenen Teil des afrikanischen Kontinents. Die instabile politische Lage und die Armut des Großteils der Bevölkerung, gepaart mit dem Reichtum an Bodenschätzen wie Coltan oder Kobalt, bereiten der Ausbeutung von Kindern einen besonders guten Boden.

Dass Kakao aus fairem Handel kommen sollte, um einen ungetrübten Schokoladengenuss zu bereiten, hat sich mittlerweile bis in die Regale der Discounter herumgesprochen. Was wir aber gerne vergessen - oder verdrängen - sind die Rohstoffe, die in elektronischen Geräten verbaut werden. Das Metall Tantal, das aus dem Mineral Coltan gewonnen wird, steckt in jedem Mikrokondensator. Zwar enthält unser, oft unnötigerweise jährlich erneuertes, Smartphone nur einen sehr geringen Anteil des wertvollen Rohstoffs, aber in Summe werden über tausend Tonnen gefördert. Das Recycling dagegen steckt noch in den Kinderschuhen.

Kobalt hat durch die Etablierung der Elektromobilität nochmals an Bedeutung für die Industrie gewonnen. Bis zu 20 Prozent beträgt der Kobalt-Anteil in einer Lithium-Ionen-Batterie, die nicht nur in E-Autos, sondern auch in Smartphones und Laptops verbaut wird. Erfreulicherweise setzt aber auch in immer mehr Großkonzernen - viel zu langsam, aber sicher - ein Umdenken hin zu sozialverträglicheren Lieferketten und zum Schutz der Umwelt ein. Verschiedene Fraunhofer-Institute beispielsweise arbeiten an sinnvollen Recycling-Methoden für diese wertvollen Rohstoffe.

Nichtsdestotrotz sollten wir also bei aller Freude über unsere wiedergewonnene Freiheit und Lebensqualität nicht vergessen, dass wir zwar die Pandemie aktuell im Griff zu haben scheinen, aber viele andere, durch unsere Lebensweise und unser Selbstverständnis mitverursachten, Probleme noch dringlich auf eine Lösung warten. So wie die prekäre Lage von Kindern, zu der der Schweizer Lebenskünstler Alfred Selacher sagt:

Wer unsere Kinder drangsaliert, sabotiert unsere Zukunft.
Alfred Selacher (*1945)

2021 ist das internationale Jahr für die Abschaffung der Kinderarbeit, das hatte die Generalversammlung der UN bereits 2019 in einer Resolution beschlossen. Es dient zur Vorbereitung für die V. Globale Konferenz zur Beseitigung von Kinderarbeit, die 2022 in Südafrika stattfinden wird. Übergeordnetes Ziel ist die Beseitigung von Kinderarbeit bis 2025 und die Abschaffung von Zwangsarbeit, Menschenhandel und moderner Sklaverei bis 2030.

Das Beispiel Deutschland zeigt, dass es möglich ist, solche Zustände zu beenden: 1839 wurde das "Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter" beschlossen, das das Verbot Kinder unter 9 Jahren in Fabriken oder Bergwerken zu beschäftigen beinhaltete und auch die Arbeitszeit der unter 17-Jährigen beschränkte. Auch wenn sich zunächst nicht alle daran hielten, war ein Anfang gemacht.

Die Chance für ein kindgerechtes Leben mit besseren Zukunftsaussichten dürfen wir fast 200 Jahre später (!) den Kindern und Jugendlichen im globalen Süden nicht vorenthalten. Dass allerdings ein gewisser Wohlstand und gute Bildungschancen für einen Erfolg der Idee hilfreich sind, sehen wir auch heute noch in unserer Gesellschaft. Wir können unseren Teil dazu beitragen, in dem wir unser Konsumverhalten - auch im Bereich elektronischer Geräte - überdenken.

» Internationales Jahr für die Abschaffung der Kinderarbeit

» ILO-Report zu Kinderarbeit (Stand Juni 2021)

» Kinderarbeit in Deutschland

Autor: Anke Fähnrich

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