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04.02.2023

08.12.2022

"Die Mutter aller Präsentationen" für ein kleines Peripheriegerät

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Prototyp der ersten Computer-Maus
Engelbarts Prototyp einer Computer-Maus, wie sie von
Bill English nach seinen Skizzen entworfen wurde.
Foto: SRI International (CC BY-SA 3.0, Link)
Der Name Douglas Engelbart ist wahrscheinlich den wenigsten heute noch ein Begriff, obwohl er in meinem Geburtsjahr 1968 den Prototyp eines Geräts vorgestellt hat, das heute fast jeder PC- oder Laptop-Nutzer im Einsatz hat. Es geht um die Computer-Maus.

Wikipedia würdigt Engelbarts 90-minütige Präsentation vom 9. Dezember 1968 mit einem langen Artikel unter dem Namen "The Mother of All Demos". Sie ist knapp 101 Minuten lang und bei YouTube für die Ewigkeit archiviert. Darin demonstrierte er erstmals seine Vorrichtung, mit der Bewegungen auf einen Computer übertragen werden konnten.

Das sperrige, damals aus Holz gefertigte Geräte hatte schon einen Knopf zum Klicken, wurde über eine Walze über den Tisch gerollt und mit einem Kabel mit dem damals wahrscheinlich riesigen Computer verbunden. Ich spreche natürlich über die Computer-Maus, die ihren Namen wahrscheinlich wegen der Ähnlichkeit ihrer Form mit dem bekannten Nagetier bekam.

Erstmals soll Engelbart seine Idee bereits im Jahr 1963 gezeichnet haben. Sein Gerät war als Alternative zu den bereits in dieser Zeit genutzten Joysticks und Lichtgriffeln gedacht. Gefördert wurde die Entwicklung übrigens von der NASA, die das Ergebnis aber weniger prickelnd fand, weil die Maus in der Schwerelosigkeit nur bedingt funktionsfähig war.

Wenn man sich vorstellt, dass Computer bis dahin nur über Tastaturen, Joysticks, Stifte und Schalter gesteuert werden konnten, war die Erfindung von Douglas Engelbart wahrscheinlich genauso revolutionär wie die Entwicklung des ersten Web-Browsers durch Tim Berners-Lee in den frühen 1990er Jahren.

Apple, in Person von Steve Jobs, erkannte das Potenzial der Maus wohl als einer der ersten und erwarb die Lizenzrechte für 40.000 Dollar. Damit wurde der Siegeszug der Maus und ihre kommerzielle Nutzung eingeleitet. Meine erste Maus hatte ich in den späten 1980er-Jahren an meinem ersten Commodore 64 im Einsatz, obwohl ein Joystick damals zum Spielen natürlich das deutlich praktischere Gerät war.

Nach dem Aufkommen von Smartphones verlor die Maus nach und nach immer mehr an Bedeutung, sind doch seit dieser Zeit Daumen und Zeigefinger die wichtigsten Werkzeuge zur Kommunikation mit einem Endgerät. Auf Desktop-Geräten ist sie aber immer noch das wichtigste Instrument neben der Tastatur geblieben und wird es trotz Sprachsteuerung und Stift-Tablet wohl noch länger bleiben.

Was man heute als unnötiger Ressourcenverschwendung anprangern darf, ist die Tatsache, dass neue Rechner immer noch mit Tastatur und Maus verkauft werden, obwohl man die alte oft noch verwenden kann. Im Laufe der Jahre hat sich bei uns in der Firma eine Kiste mit Mäusen angesammelt und die Zahl nimmt nicht ab. Hier sollte die EU tätig werden und den Verkauf von Rechner und Peripheriegeräten voneinander trennen, so wie es auch bei den Kabeln von Smartphones geplant ist.

Geld verdient hat Douglas Engelbart mit seiner Entwicklung übrigens nicht und teilt dieses Schicksal leider mit vielen Erfindern und Pionieren. Er starb 2013 im Alter von 88 Jahren. Neben der Maus hat er uns noch das "1Engelbart-Gesetz" hinterlassen. Es besagt, dass sich die Anzahl der Transistoren, die auf einen integrierten Schaltkreis einer festgelegten Größe passen, alle 12 Monate verdoppelt. Er äußerte diese Faustregel erstmals 1959 in einem Vortrag, die später dann auf 18 Monate angepasst wurde und für viele Jahre ihre Gültigkeit behalten sollte. Einer seiner damaligen Zuhörer, der spätere Intel Mitbegründer Gordon E. Moore, schnappte es auf uns verbreitete es weiter. Daher spricht man heute auch oft vom Mooreschen-Gesetz, was aber wohl nicht ganz korrekt ist. Seit 2016 gilt es übrigens nicht mehr, weil die Miniaturisierung von Schaltkreisen an ihre natürlichen Grenzen gelangt ist.

Walt Disney hätte bestimmt auch Spaß an der Computer-Maus gefunden, er starb aber leider vor ihrer Präsentation. Einen seiner berühmtesten Sprüche hat er natürlich ganz anders gemeint. Aber das Gute an einem Aphorismen ist, dass man ihn nach eigenem Gutdünken interpretieren und zweckentfremden darf. In diesem Sinne: Danke Douglas Engelbart für ihre bahnbrechende Erfindung.

Denkt immer daran: Mit einer Maus fing alles an.
Walt Disney (1901-1966)

» The Mother of All Demos, presented by Douglas Engelbart (1968)

» mehr über Douglas Engelbart

» Doug Engelbart Institut

Autor: Dr. Torsten Beyer


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