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02.12.2022

24.11.2022

"Fenster", die die Welt veränderten

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Windows für Workgroups 3.11
Screenshot Windows für Workgroups 3.11
(Quelle: Wikipedia)
Am 20. November 1985 stellte Microsoft unter dem Namen "Windows 1.0" die erste grafische Benutzeroberfläche für seine MS-DOS-Umgebung vor, die auch heute noch - zwar etwas versteckt - auf jedem Windows PC vorhanden ist.

Nachdem am 22. November 1985 zwischen Apple und Microsoft fixiert wurde, dass das System trotz gewisser Ähnlichkeiten zur "System Software" auf Macintosh-Rechnern kommerziell vertrieben werden durfte, begann eine beispiellose Erfolgsgeschichte eines anfänglich furchtbar schlechten Produkts, das damals für stolze 99 $ auf den Markt kam.

Vorangegangen war ein jahrelanger erbitterter Streit zwischen Apple und Microsoft um die Urheberrechte, der auch in den Folgejahren noch weiterging.

1988 verklagte Apple Microsoft dann doch noch, verlor diesen Rechtsstreit aber endgültig 1993. Zu dieser Zeit hatte Microsoft mit der Version Windows 3.0 und vor allem 3.1 bereits den Durchbruch geschafft und wurde in der Folge das führende Betriebssystem.

Meine frühen Erinnerungen an Windows sind eher zwiespältig. Einerseits gab es eine grafische Benutzeroberfläche mit Icons für alle Programme und die Bedienung mit der Maus war natürlich viel einfacher als in MS-DOS-Systemen. Auf denen gab es übrigens auch schon eine Version von Word, mit dem ich erste Studienarbeiten verfassen durfte. Das war natürlich alles besser, als eine Schreibmaschine dafür verwenden zu müssen, wie noch in den 1980er Jahren. Aber die Ansprüche der Nutzer stiegen und damit auch die Anforderungen der folgenden Windows-Versionen an die Hardware, sodass man sich für neue Windows-Versionen ständig neue Rechner anschaffen musste. Die beiden wichtigsten Tasten eines Computers waren in den 1990er Jahren der Reset-Knopf und der An/Aus-Schalter, da das System so oft abstürzte. Und wenn man nicht minütlich Sicherungskopien in Word erstellte, war der Datenverlust schon vorprogrammiert.

Ich habe es aber trotzdem geschafft, meine Dissertation mit der Version "Windows 95" im Jahre 1996 fertigzustellen, aber ich erinnere mich an einige Datenverluste durch Systemabstürze. Ein berühmter Vorwurf an Bill Gates aus dieser Zeit war, dass Windows die einzige Beta-Version einer Software wäre, für die ein Nutzer Geld bezahlen musste. Aber mit den späteren Versionen 2000, XP und vor allem 7 wurden die Probleme behoben und heute stürzt Windows eigentlich nicht mehr ab. Ich erinnere mich gar nicht mehr, wann es mir zum letzten Mal passiert ist.

Um Kunden zum Umstieg auf neue Programmversionen zu ermuntern, verschenkte Microsoft sogar die Version Windows 10, was ich gerne für alle Privat- und Firmen-Computer in Anspruch genommen habe. Das Unternehmen versucht dies auch gerade mit sehr mäßigem Erfolg mit Windows 11. Ursächlich dafür sind die strengen Hardware-Anforderungen, die einen Umstieg für die allermeisten Altgeräte nicht zulassen. Es gibt natürlich Tricks, diese zu umgehen und ich habe einen 8 Jahre alten Laptop auf Windows 11 aktualisieren können, aber im Firmenumfeld ist das natürlich ein Killerkriterium. Man fühlt sich fast an die 1990er Jahre erinnert, wo dieses Ping-Pong-Spiel zwischen Microsoft und den Computer-Herstellern beiden Seiten Milliardenumsätze bescherte. Aber heute funktioniert das nicht mehr und den allermeisten Anwendern fällt der Unterschied zwischen Version 10 und 11 kaum noch auf.

Von 2009 bis 2022 sank der Marktanteil von Windows auf Desktop-Systemen übrigens von 95 Prozent auf 75 Prozent ab, was hauptsächlich am Aufstieg von macOS von damals 4 Prozent auf heute 15 Prozent zurückzuführen ist. Agenturen, Künstler und Fotografen nutzen eigentlich fast durchweg macOS wegen der besseren Grafikbearbeitungssoftware, aber auch immer mehr Privatanwender, die der höhere Preis nicht abschreckt. Linux spielt als Betriebssystem mit knapp 3 Prozent weiterhin keine Rolle, auch wenn es in Behörden und in der Verwaltung vor einigen Jahren forciert werden sollte. Es ist aber auf Webservern mit Abstand marktführend und hat dort seine Berufung gefunden.

Auf mobilen Geräten hat Microsoft den Einstieg nie geschafft. Dort liegt Android von Google heute mit 71 Prozent Marktanteil vor Apple iOS mit 28 Prozent. Dass Microsoft das zugelassen hat, gilt als größter Fehler der Unternehmensgeschichte, denn die Nutzung mobiler Geräte hat die stationäre PC-Nutzung schon vor einigen Jahren überholt. Der Zug dürfte für Microsoft abgefahren sein und Windows wird ein Desktop-System bleiben.

Wahrscheinlich wird es ein Windows 365 mit Jahreslizenz geben, bei dem alle Daten in der Cloud liegen, so wie Microsoft es aktuell mit Office versucht und Apple mit seiner Software schon umgesetzt hat. Für mich ist diese Perspektive schwierig, sowohl aus Datenschutzgründen als auch aus Sicherheitsgründen, wenn das Internet oder die Cloud mal ausfallen. Viele werden auch finanzielle Gründe anführen, denn wenn man die Lizenz nicht verlängert, hat man vielleicht keinen Zugang mehr. Warten wir ab, wie es kommt.

Zum 37. Geburtstag von Windows finde ich folgendes Zitat passend, wenn ich an die Anfangsjahre des Betriebssystems zurückdenke:

Wenn dein Windows abstürzt, bist du weg vom Fenster.
Siegfried Wache (*1951)

» Die Geschichte von Windows aus der Sicht von Microsoft

» Marktanteile von Betriebssysteme auf Mobilgeräten

Autor: Dr. Torsten Beyer


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