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02.12.2022

27.10.2022

Nicht mehr wegzudenken oder weg damit?

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Backkartoffel in Alufolie
Backkartoffel in Alufolie (Pixabay [CCO])
Am 26. Oktober 1910 haben Robert Victor Neher, Edwin Lauber und Alfred Gmür ein neues Verfahren zur Herstellung von Alufolie zum Patent angemeldet und ebneten damit den Weg für ein Produkt, das kaum noch aus dem Haushalt wegzudenken ist.

Die Alufolie dient nicht nur als Verpackungsmaterial, sie ist auch beim Zubereiten von Speisen das erste Hilfsmittel der Wahl. Ob beim Grillen oder Backen - Fleisch, Fisch, Gemüse oder Gebäck werden gerne in Alufolie gewickelt und zubereitet. Pausenbrote, halbe Zwiebeln und auch stark aromahaltige Essensreste werden gern darin verpackt, denn sie ist nicht nur weich und biegsam. Im Vergleich zu anderen Verpackungsmaterialien schützt sie Lebensmittel wirkungsvoll gegen Hitze, Licht, Sauerstoff oder Feuchtigkeit. Zudem ist sie günstig zu haben und schnell nach dem Gebrauch entsorgt. Kurz: Das Loblied auf die Vorteile der Alufolie ist lang! Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Deutschland als das Industrieland mit dem höchsten Pro-Kopf-und-Jahr-Verbrauch an Aluminium vor den USA und Japan gilt: 31,6 Kilogramm.

Doch die Aluminiumfolie hat einen wichtigen Nachteil, die alle Vorteile in den Schatten stellt: Für die Umwelt ist die Herstellung extrem belastend. Für die Aluminium-Gewinnung wird das Erz Bauxit im Tagebau aus dem Boden gefördert. Das geschieht zum Beispiel in Australien, China, Brasilien, Indien und Jamaika. Der Abbau dieses Rohstoffes verursacht eine großflächige Abholzung von Regenwäldern. Bei der weiteren Verarbeitung des Bauxits entsteht Abfall in Form von Rotschlamm - bis zu vier Tonnen pro Tonne Aluminium. Dieser besteht aus giftigen Chemikalien: Rotschlamm enthält unter anderem Blei und kann nicht weiterverarbeitet werden. Deshalb wird er entweder deponiert oder in Gewässer geleitet und zerstört auf die Weise ganze Ökosysteme. Weiterhin sorgt die energieintensive Herstellung für einen erheblichen CO2-Ausstoß.

Nicht nur die umweltschädigende Herstellung ist ein Problem. auch der Konsum ist gesundheitsschädigend für den Körper: Bei dem Kontakt des Metalls mit sauren, fettigen, basischen und salzigen Lebensmitteln lösen sich Aluminium-Ionen, die ins Essen übergehen. Diese können das Nervensystem schädigen und den Knochenstoffwechsel beeinträchtigen.

Für diesen Artikel habe ich mal ganz bewusst in meinem Haushalt, in dem wir eigentlich mit der Absicht leben, nachhaltig und umweltschonend zu sein, nachgeschaut und war verblüfft, wie viel Alufolie bzw. Aluminium allein in meinem Kühlschrank zu finden ist. Ich versuche zwar so weit wie möglich auf die Rolle Alufolie an sich zu verzichten, nichtsdestotrotz tummelt sich eine Menge Alufolie in meinem Kühlschrank: angefangen von Deckeln von Joghurtbechern und Getränkedosen bis hin zu Senf- und Tomatenmarktuben, um nur einige zu nennen.

Auch wenn wir die Alufolie nicht ganz aus dem Haushalt verbannen können, gibt es doch gute Alternativen, um dessen Verbrauch zu minimieren. Und dann gibt es noch völlig sinnfreie Produkte, die ich Gott sei Dank nicht in meinem Haushalt habe, auf die man absolut verzichten kann, wie beispielsweise Wasser oder Apfelwein in Aludosen oder Wasser-Erfrischungssprays. Ich für meinen Teil werde beim nächsten Einkauf sicher darauf achten, zum Joghurt oder Senf in der Glasflasche mit Schraubenverschluss zu greifen und für den Braten für das nächste Familienessen in einen gusseisernen Bräter zu investieren. Passend dazu möchte ich gerne mit dem Zitat des deutsch-französischen Arzt und Philosophen Ludwig Philipp Albert Schweitzer abschließen:

Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.
Albert Schweitzer (1875-1965)

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Autor: Zahra Halim


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