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05.10.2022

01.09.2022

Wie sieht Ihre persönliche Energiewende aus?

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Seit dem 1. September 2022 gilt eine neue Energiesparverordnung, die verschiedene Regeln für öffentliche Gebäude und den privaten Bereich vorschreibt. Sie gilt zunächst für ein halbes Jahr, bis Ende Februar 2023. Im Behördendeutsch heißt sie übrigens "Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen (Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung - EnSikuMaV)".

In öffentlichen Bereichen soll es unter anderem kein warmes Wasser mehr zum Händewaschen geben, es sei denn hygienische Gründe sprechen dem entgegen. Flure und Durchgangsbereiche sollen nicht mehr geheizt werden, ebenso Veranstaltungsräume. Alle anderen Räume, in denen Menschen sitzen und arbeiten, sollen maximal auf 19 Grad geheizt werden dürfen. Und natürlich gibt es viele Ausnahmen und Sonderregeln, die man in der Verordnung dezidiert nachlesen kann. Etliche Kommunen haben ob der explodierenden Energiekosten schon längst weitergehende Maßnahmen ergriffen und unter anderem die Wassertemperatur in Frei- und Hallenbädern gesenkt oder öffentliche Saunen ganz abgeschaltet.

Viele der Maßnahmen gehen an unsere Bequemlichkeit und die persönliche Komfortzone. Arbeiten bei 19 Grad in einem Büro wird für viele unangenehm werden, obwohl wir niedrigere Innentemperaturen ja durch das viele Stoßlüften in den beiden letzten beiden Corona-Winter ausgiebig trainiert haben. Aber wer wird überprüfen, ob Unternehmen in ihren Firmengebäuden die 19 Grad überschreiten?

Andere Maßnahmen, wie die Reduzierung der Beleuchtung öffentlicher Gebäude und Denkmäler, treffen uns weit weniger, auch wenn noch ungeklärt ist, wie es sich mit der Weihnachtsbeleuchtung in den Städten verhalten wird. Hier wird wahrscheinlich vieles dunkel bleiben oder in diesem Winter ausfallen müssen. Dafür haben hoffentlich die meisten Menschen Verständnis - schließlich kann man seinen Glühwein auch bei weniger Beleuchtung genießen.

Im privaten Bereich ist die Umsetzung und Kontrolle der Verordnung sehr viel diverser. Hier könnte man sich manche Vorgaben sparen, weil sie nicht kontrollierbar sind. Wird das Ordnungsamt jetzt mit Thermometern ausgestattet, um zu prüfen, ob jemand seinen privaten Pool heizt? Das erinnert an manche Corona-Regeln für private Treffen, die mehr als Empfehlung, denn als feste Regel für alle interpretiert wurden. Vieles wird im Winter auf die Eigenverantwortung und Solidarität derer ankommen, die die höheren Energiekosten zwar ärgern, die aber an ihrem persönlichen Lebensstil nichts zu verändern bräuchten, weil sie die Kosten problemlos tragen könnten.

Daneben gibt es aber auch einen immer größer werdenden Teil der Bevölkerung, für den gilt "Wir werden im Winter frieren, weil wir uns das Heizen nicht mehr leisten können!" Diese Menschen haben pure Existenzängste und bangen um ihr Dach über dem Kopf, weil sie ihre Miete aufgrund der Preisexplosion bald nicht mehr ohne weiteres bezahlen werden können. Das betrifft natürlich nicht nur Gas, sondern auch Öl, Pellets und Strom. Und in der Folge alle Konsumgüter und Dienstleistungen, so dass wir mit Inflationsraten jenseits von 10 Prozent rechnen müssen.

Grüner Strom
Wie sieht ihre private Energiewende aus? (Pixabay [CCO])


Preisfrage: Welche Bevölkerungsgruppe soll den Karren nun primär aus dem Dreck ziehen? Die Antwort "Die Politik" liegt sicher vielen auf den Lippen. Aber es wäre utopisch zu glauben, dass der Staat alle Mehrkosten bei den Energie- und den Lebenshaltungspreisen auch nur ansatzweise auffangen könnte.

Auch wenn dies natürlich eine bequeme Haltung ist, die insbesondere die finanziell besser Gestellten davon entbindet, irgendetwas eigeninitiativ tun zu müssen, muss genau diese Bevölkerungsgruppe einen solidarischen Beitrag für diejenigen leisten, die bald nicht mehr wissen, wie sie über den Monat kommen sollen.

Was können die Willigen und Solidarischen unter den Wohlhabenderen tun, um Energie im privaten Umfeld zu sparen und den Druck auf alle und damit den sozialen Sprengstoff zu reduzieren? Da fallen sicher jedem einige Punkte ein, die man kurzfristig und ohne besondere Einschränkungen umsetzen kann.

Wer das nötige Geld hat, sollte sich solche Fragen täglich stellen, um weitere Einsparpotentiale zu finden. Wenn nicht aus Solidarität mit denen, die es sich nicht mehr leisten können, dann wenigstens für die eigene Zukunft beziehungsweise die der Kinder und Enkel. Denn:

Die Energiewende jedes Einzelnen ist unser aller Weg in eine bessere Zukunft.
Torben Gösch (*1976)

» Bundeskabinett billigt EnSikuMaV und EnSimiMaV

» Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung (EnSikuMaV) im Bundesgesetzblatt

Autor: Dr. Torsten Beyer


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