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07.10.2022

12.05.2022

Korrelation, Kausalität, Liebig und Freitag, der 13.

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Justus von Liebig
Justus von Liebig [CCO]
Korrelation ist ein Maß für die Stärke einer statistisch signifikanten Beziehung von zwei oder mehr Variablen. Sie kann positiv (je mehr Variable A, desto mehr Variable B) oder negativ (je mehr A desto weniger B) sein. Die Stärke der Korrelation beschreibt man durch den Korrelationskoeffizient, der entsprechend dem Beispiel Werte zwischen 1 und -1 annehmen kann. Ab einem absoluten Wert von 0,5 kann man von einem deutlichen Zusammenhang der beiden Variablen A und B ausgehen, ab 0,8 von einem hohen und bei 1 von einer perfekten Korrelation. Wobei immer berücksichtigt werden muss, dass im wahren Leben fast immer mehr als zwei Einflussgrößen im Spiel sind.

Ein typisches Beispiel für eine deutliche Korrelation ist die Aussage: "Ungeimpfte haben ein höheres Risiko für einen schweren Corona-Verlauf", wobei natürlich sehr viele weitere Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen, körperliche Verfassung etc. einen zusätzlichen Einfluss haben.

Als Kausalität bezeichnet man einen zweifelsfreien Zusammenhang zwischen den Variablen A und B, um im oberen Beispiel zu bleiben. Man kann sie auch als klaren Ursache-Wirkungs-Zusammenhang beschreiben. Wenn wir die berühmte Frage nehmen, was zuerst war, Huhn oder Ei ist die Kausalität ganz klar: Ohne Huhn kein Ei! Und natürlich sind sich alle seriösen Experten einig, dass es auch eine klare Kausalität bei dem Corona-Beispiel besteht.

Oft werden Korrelationen mit Kausalitäten verwechselt. Darüber gibt es ganze Bücher oder die nette Seite "Unstatistik des Monats", auf der man sehr viel lernen und fehlerhafte Aussagen leichter entlarven kann. Und für jeden Einzelfall gilt: "Manchmal ist man einfach auf der falschen Seite der Gaußkurve, das ist dann Schicksal."

Dazu kommen typische Fehlschüsse oder Scheinkorrelationen. Ein typisches Beispiel ist die, insbesondere in Deutschland verbreitete, Meinung, dass ein Freitag, der auf den 13. Tag des Monats fällt, ein besonderer Unglückstag sei. Der Eindruck entsteht deswegen, weil alles, was uns an diesem Tag Schlechtes widerfährt, automatisch mit diesem Datum in Verbindung gebracht wird. Wir könnten auf die gleiche Weise mit den anderen 364 bzw. 365 Tagen verfahren und würden den Irrglauben direkt erkennen. Denn die Mär vom Unglückstag "Freitag, der 13." ist durch keine Unfallstatistik zu halten. Im Gegenteil gibt es an diesen Tagen sogar etwas weniger Unfälle, weil die Menschen wahrscheinlich an diesem Tag besonders vorsichtig sind.

Das hindert aber beispielsweise die Lufthansa nicht daran, die Sitzreihe 13 seit jeher auszusparen - bei ausländischen Fluggesellschaften ist sie immer vorhanden. Auch kann man an diesem Tag deutlich billigere Flugreisen buchen, weil viele Menschen den Tag meiden. Aus Sicht von Apple war es vielleicht auch nicht klug, ein iPhone 13 auf den deutschen Markt zu bringen. Ich würde die Prognose wagen, dass die Verkaufszahlen niedriger sein werden als erhofft.

Ich habe mich mal an einem Freitag, den 13. ausgesperrt und musste den Schlüsseldienst rufen. Das passierte übrigens auf dem Weg zu einer kleinen Operation an eben diesem Tag - der einzige, an dem kurzfristig ein Termin frei war. Für das alles gab es weder eine Korrelation noch eine Kausalität. Vielleicht war ich aufgeregter als sonst oder der Tagesablauf war anders als üblich und deswegen habe ich mich ausgesperrt. Oder es war einfach ein Zufall. Die richtige Frage wäre gewesen: "Vergessen mehr Leute am Tag einer Operation ihren Wohnungsschlüssel?"

Schon der bedeutende deutsche Agrarchemiker Justus von Liebig, der am 12. Mai 1803 - einem Donnerstag - geboren wurde, hat uns, neben einigen anderen Zitaten, die folgende Weisheit hinterlassen, die ins gleiche Horn bläst:

Wir neigen viel zu sehr dazu, Dingen, die das Ergebnis vieler Ursachen sind, einer einzigen zuzuschreiben.
Justus von Liebig (1803-1873)

Nicht auszudenken, was aus Liebig geworden wäre - oder auch nicht -, wenn sein Geburtstag der 13. März 1803 gewesen wäre. Denn das war ein Freitag! Dann hätte die Agrochemie vielleicht einen anderen Weg genommen, Chloroform wäre später von jemand anderem als Narkosemittel entdeckt worden, es hätte die bedeutende Zeitschrift "Justus Liebigs Annalen der Chemie" unter Umständen nie gegeben und und und... Zumindest wäre dies denkbar, wenn man Kausalität und Korrelation nicht sauber voneinander trennen kann und zum Aberglauben neigt.

Kennen Sie jemand, der an einem Freitag, den 13. geboren wurde? Interessant wäre es zu wissen, wie er oder sie mit diesem "Scheinproblem" umgeht, ob es Probleme mit Mobbing gab und gibt. Oder ob abergläubige Zeitgenossen auf Distanz gehen, wenn sie davon erfahren? Solche Kinder wurden ja allen Ernstes früher als Unglückskinder stigmatisiert.

Meine Recherche hat mir nur zwei berühmte Persönlichkeiten ausgespuckt, die an einem Freitag, den 13. geboren wurden: den Fernsehmoderator Günther Jauch und den amerikanischen Schauspieler Steve Buscemi, den man unter anderem als Bösewicht aus dem Film "Fargo" kennt. Deren Berufsleben verlieft augenscheinlich recht erfolgreich, auch wenn man daraus jetzt nicht wieder falsche Rückschlüsse für das Leben anderer Betroffener ziehen sollte ...

Autor: Dr. Torsten Beyer


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