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07.10.2022

10.02.2022

QWERTZ

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Typenhebel
Bild: Pavel Krok [CC BY-SA]
Manche Dinge sind so in unseren Alltag integriert, dass wir sie gar nicht mehr wahrnehmen. Geschweige denn, uns noch über sie wundern oder sie hinterfragen. Wann haben Sie beispielsweise das letzte Mal über Ihre Tastatur nachgedacht?

Davon ausgehend, dass Sie sich vor einem Bildschirm mit angeschlossener oder einem mobilen Gerät mit integrierter Tastatur befinden, während Sie diesen Artikel lesen, werfen Sie doch mal einen Blick auf dieselbe. Die Zeichenfolge QWERTZ - oder QWERTY, falls Sie im englischsprachigen Raum verortet sind - ist nicht nur eins der beliebtesten Passwörter, sondern existiert bereits seit 1868 und hat sich seit immerhin gut 100 Jahren endgültig gegenüber anderen Anordnungen durchgesetzt.

Kenner des lateinischen Alphabets sollten sich spätestens jetzt fragen, warum um alles in der Welt es ausgerechnet diese Zeichenfolge in die oberste Buchstabenreihe geschafft hat. Wäre ABCDEF, gefolgt von den weiteren Buchstaben in der bekannten Reihenfolge, nicht viel sinnvoller? Auch die wenigen Menschen, die noch des Zehnfingersystems mächtig sind, werden die Anordnung der Buchstaben nicht als die sinnvollste empfinden. Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Techniksoziologe Paul David beispielsweise beschrieb im Mai 1985 die QWERTY-Belegung als ungeeignet für das Tippen mit zehn Fingern, da die häufig verwendeten Buchstaben weit auseinander liegen, was zu Überbelastung und Sehnenscheidenentzündung führen kann. Eine spätere Veröffentlichung von Stan Liebowitz widersprach dieser These allerdings, was aber auch daran liegen könnte, dass diese Studie 25 Jahre später erstellt wurde, als mechanische Schreibmaschinen bereits nahezu ausgestorben waren.

Wer hat's erfunden?

Der amerikanische Buchdrucker und Erfinder Christopher Latham Sholes hatte die geniale Idee, die Buchstaben auf seinem zum Patent angemeldeten "Typewriter" nach dem noch heute üblichen Muster anzuordnen. Dies war zwar nicht die erste Schreibmaschine der Welt, aber eine sehr effektive, mit der man ebenso schnell schreiben konnte wie mit der Hand. Damit das schnelle Schreiben möglich war, ohne dass sich die Typenhebel - Hämmerchen, die den Buchstaben durch ein Farbband auf das Papier drucken - miteinander verhaken, mussten die am häufigsten benutzen Buchstaben eben möglichst weit auseinander liegen.

Also verteilte er die Buchstaben E, T, O, A, N und I möglichst gleichmäßig und füllte die Zwischenräume mit den übrigen Buchstaben des Alphabets auf. Dabei achtete Sholes darauf, dass häufig auftretende Kombinationen wie TH, HE oder ND nicht nebeneinander zu liegen kamen. Leider liegen die Buchstaben Z und U direkt nebeneinander. Das führte im deutschsprachigen Raum ungünstigerweise trotzdem immer wieder zu verklemmten Typenhebeln, da die Silbe ZU hier ausgesprochen oft vorkommt. Die Älteren unter den Lesern, die noch ihren Lebenslauf oder ihre Studienarbeit mit einer mechanischen Schreibmaschine anfertigen mussten, wissen sicher ein Lied davon zu singen.

Nun, der Spruch eines unbekannten Verfassers "Verklemmte Typen gibt es nicht nur bei der Schreibmaschine" ist seit dem Siegeszug des PC und der damit einhergehenden Computertastatur lange überholt. Die Tastaturbelegung, wie sie Sholes erdacht hat, ist dagegen aktuell wie seit 100 Jahren. Trotz verschiedener Ansätze für ergonomischeres oder schnelleres Schreiben konnte sich keine bislang der teilweise preisgekrönten Neuordnungen der Buchstaben durchsetzen. Es verhält sich eben mit der Tastatur, wie mit vielen anderen Dingen im Leben. Getreu der Erkenntnis des antiken römischen Dichters Ovid:

Nichts ist mächtiger als die Gewohnheit.
Ovid (43 v.Chr.-17 n.Chr.)

» The Story behind QWERTY

» Buchtipp: The Economics of QWERTY: History, Theory, Policy

» Mehr zur Tastaturbelegung

Autor: Anke Fähnrich


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